Doppelspitze zwischen Film und Fußball

Martin Kaysh18. Juli 2019
Die SPD könnte eine Doppelspitze bekommen, wie die Grünen. Nicht immer, aber gerade sind die Ex-Wollpulliträger damit megaerfolgreich. Das wird spitze, meint Kolumnist Martin Kaysh.

Wer unterschreibt eigentlich gerade beim Parteivorstand, wenn der DHL-Bote etwas nur persönlich übergeben will? Wer unterschreibt die Urkunden für 50-jährige Mitgliedschaft und wer, wenn was Wichtiges wäre, sagen wir mal: ein Ausstieg aus einer großen Koalition? Können die Drei das, dürfen die das? Ja! Gut zu wissen, wenn man mal was will von der SPD.

Das soll es geben, dass jemand was will von der Partei, oder immer noch erwartet, erhofft. Auch wenn die berühmten Menschen draußen im Lande nicht immer wissen, was die Partei denn so will, von sich selbst. Das ist nicht schlimm, solange es vorübergeht. Das ist besser als Raushauen ohne Sinn und Verstand, besser als mehr Meinungen zu haben als es Themen gibt. Ganz nebenher, der Zustand der Sozialdemokratie ist Tünche für die CDU/CSU. In der passt gerade gar nichts, weder Programm, noch Personal, noch politische Praxis. Am Ende bleibt wieder nur die SPD, bei der man immer zumindest eine Ahnung hat, worum es geht.

Erfolgreich als gemischtes Doppel

Für das Stichwort „SPD-Vorsitz“ bekomme ich keine Push-Nachrichten aufs Handy. Deshalb weiß ich nicht immer sekundengenau, was angesagt ist. Eine Doppelspitze soll es geben, wie bei den Grünen. Mit dem Konzept sind die ehemaligen Wollpulliträger gerade megaerfolgreich. Gerade, nach Jahrzehnten, in denen dieses gemischte Doppel eher ärger­orientiert arbeitete.

Doppelspitze, das ist nicht, die Älteren werden sich erinnern, die Steigerung von Hans Rosenthals 70er-Jahre-ZDF-Schlachtruf „Das war spitze!“ Sie hat auch nichts zu tun mit der hängenden Spitze im Fußball. Oder doch? Mir als Fußball-Vollversager verrät Wikipedia: „Als hängende Spitze bezeichnet man Spieler, die weder dem Angriff noch dem Mittelfeld zuzuordnen sind.“ Das wäre dann doch ein bisschen SPD 2019. Irgendwie Regierung, aber auch Opposition, zumindest als Opposition der Herzen.

Kein Vorbild: Dick und Doof

Am Ende soll es ein Duo richten. Dr. Jekyll und Mr. Hyde, Dick und Doof, Good Cop, Bad Cop – das wären keine guten Vorbilder. Allein schon, weil oft der Generalsekretär den bösen Bullen geben darf oder muss. Aber Vorsicht! Wenn man vom Spitzenpaar auch noch Regierungserfahrung fordert, endet der Prozess fast zwangsläufig bei Heide ­Simonis und Gerhard Schröder.

Die Doppelspitze soll erst kurz vor Weihnachten kommen. Damit wird man eine Rücktrittswelle überspringen, sollten die Herbstwahlen nicht ganz so knorke ausgehen. Das spart Nerven und Ressourcen.

Noch mal zu den Doppelgrünen. Die fliegen gerade so hoch, als sei Demoskopie eine bewusstseinserweiternde Droge. Aber die kleinen Zahlen sieht keiner. Gerade wurde in Wiesbaden der SPD-Kandidat mit 61,8 Prozent zum Oberbürgermeister gewählt. Ein Grüner hat nicht mal Runde zwei erreicht. Wenn der oft propagierte politische Tod der SPD so positiv aussieht, verlange ich für die Sozialdemokratie sofort aktive Sterbehilfe.

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