Nachbarschaftshilfe

Corona-Pandemie: Warum jetzt die Stunde der Kommunalpolitik schlägt

Tatiana Muñoz23. März 2020
In Zeiten der Corona-Krise schlägt die Stunde der Kommunalpolitiker*innen, meint Tatiana Muñoz. Durch ihr Ansehen in der Gesellschaft können sie Menschen zusammenbringen und eine Richtung auf lokaler Ebene vorgeben.

Was können Kommunalpolitiker*innen in diesen Zeiten leisten? Nichts könnte man antworten, da sie meist keine Gelder zur Verfügung haben, um Unternehmer*innen zu unterstützen. Sie sind ein zu kleines Rad coronageprägten gesellschaftlichen Getriebe.

Zeit der konkreten Lösungen auf lokaler Ebene

ALLES sage ich! Genau jetzt zeigt sich, warum die Ebene der Kommunalpolitik eine besondere Bedeutung im staatliche Gefüge einnimmt. Wir sind es, die die Einzelhändler*innen und ihre Ängste und Sorgen kennen. Wir sind es, die jeden Tag mit den Menschen sprechen und die Sprache der Politik für sie übersetzen. Es ist die Zeit der konkreten Lösungen auf lokaler Ebene. Und dafür braucht es keine Anträge und Töpfe. Zumindest nicht ausschließlich.

In meiner Heimat, Mainz-Hechtsheim, gab es am Freitag, 13. März, den ersten bestätigten Corona-Fall in einer unserer Apotheken. Unruhe und Angst war spürbar wahrzunehmen. Die ersten Entscheidungen zur Absage von Veranstaltungen und Zusammenkünften waren bereits verkündet, die bedeutenden einschränkenden Maßnahmen standen jedoch noch bevor. Es war jedoch klar, die Menschen brauchen Halt. Wir brauchen Strukturen und müssen der sich abzeichnenden Unsicherheit etwas entgegen setzen.

Nachbarschaftshilfe via WhatsApp

Ich habe also beginnend mit besagtem Wochenende das Projekt „Hechtsheim hilft!“ gestartet. Unkompliziert über WhatsApp, das Medium das sowieso von den meisten genutzt wird, eine erste Gruppe aufgemacht, in der ich zu gemeinschaftlicher Unterstützung aufgerufen habe. Innerhalb weniger Stunden war die maximale Teilnehmer*innenzahl erreicht. Gemeinsam mit drei weiteren Verantwortlichen für die Bereiche Kinderbetreuung, Hilfe und Unterstützung sowie Flyerverteilung haben wir in den jeweiligen WhatsApp-Gruppen die mehreren hundert Freiwilligen koordiniert.

Dabei haben wir ganz agil und iterativ ausprobiert, was geht und was nicht. Verantwortung abgeben und ständige Kommunikation war das Gebot der Stunde. Es mussten Flyer verteilt werden, um die Menschen zu erreichen, die nicht digital angebunden sind und die dutzenden Freiwilligen für Einkaufsdienste und Kinderbetreuung koordiniert werden. Meine private Handynummer stand auf jedem Flyer. Ich habe alle digitalen und analogen Kanäle genutzt, die ich habe. Das war der Schlüssel zur Senkung der Hemmschwelle, nach Hilfe zu fragen. Die Rückmeldungen waren überwältigend. Neben einer Vielzahl an Menschen, die die Unterstützung dankbar angenommen haben, habe ich viele schriftliche und persönliche Rückmeldungen erhalten. Darin bedanken sich die Menschen für den Halt in diesen schwierigen Zeiten.

Stadtteil wächst zusammen

Die Aktion entwickelt sich permanent weiter. Digitale Vorlesestunden für Kinder und Telefondienste für einsame Menschen waren die ersten Nebenprojekte. Der Stadtteil wächst erkennbar zusammen und trotz der unsicheren Zeiten helfen sich die Menschen und es entstehen soziale Kontakte, die vielleicht auch nach der Krise noch weiter wachsen können.

Muss man also Kommunalpolitiker*in sein, um ein solches Projekt zu starten? Nein. Aber das Ansehen des Amtes erleichtert es, die Menschen zusammenzubringen und eine Richtung und Struktur vorzugeben. Das ist unsere Stärke. Wir kommunizieren, vernetzen und nutzen unsere Kontakte. Gerade diese Kompetenzen sind in Krisenzeiten gefragt. Es ist unsere Verantwortung!

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Vielleicht eine nützliche

Vielleicht eine nützliche Übersicht für kommunalpolitische Entscheider: https://www.zeitpunkt.ch/corona