Hausbesuche

Bundestagswahl: Warum der Wahlkampf am Kaffeetisch am besten läuft

Josephine Ortleb12. Juli 2017
Wer im Bundestag in Berlin Politik macht, ist oft weit weg von den Problemen der Menschen. Wenn ich im Herbst Abgeordnete werde, will ich es besser machen. Deswegen besuche ich schon jetzt die Bürger meines Wahlkreises zu Hause. Ich will wissen, wo sie der Schuh drückt.

Ich will Bundestagsabgeordnete werden, weil ich Dinge zum besseren ändern möchte. Und damit will ich nicht erst in Berlin anfangen, sondern schon im Wahlkampf mit jungen und frischen Aktionen zeigen, dass ich für die Bürgerinnen und Bürger in meinem Wahlkreis da bin. Ich will ihnen auf Augenhöhe begegnen und nicht vom Podium herab.

„Sie machen den Kaffee, ich bringe den Kuchen“

Deshalb habe ich mich mit meinem Team die Aktion „Sie machen den Kaffee, ich bringe den Kuchen mit“ ins Leben gerufen. Die Idee: Ich besuche die Menschen, die Lust auf ein persönliches Gespräch mit mir haben, bei ihnen zu Hause. Ich gehe zu Garten- oder Nachbarschaftsfesten – als Gastgeschenk bringe ich Kuchen mit. Bereits das erste Nachbarschaftsfest, zu dem ich eingeladen wurde, war ein voller Erfolg:

Unter freiem Himmel, bei strahlendem Sonnenschein und an farbenfroh gedeckten Bänken saß ich mit den Anwohnerinnen und Anwohnern des Saarbrücker Homburgs zusammen, im Hintergrund das freudige Rufen der Kinder, die sich auf dem nahegelegenen Spielplatz austobten.

Wenn das Geld für die Kinder fehlt

Sehr offen und herzlich wurde ich von den Gastgeber*innen und Gästen empfangen. Nachdem ich den Kuchen verteilt und den Kaffee ausgeschenkt hatte, kamen wir schnell ins Gespräch. So unbeschwert wie die Atmosphäre war, waren die Themen, die den Gästen auf der Seele brannten, jedoch nicht.

Christine berichtete dass sie das zunehmende „Einstampfen“ der lokalen Schwimmbäder gerade jetzt in den Sommerferien sehr stark zu spüren bekomme. „Ich habe das Gefühl, dass es immer schwieriger wird, meinen Kindern eine schöne Ferienzeit zu Hause bieten zu können“, sagte die junge Mutter von zwei Kindern im Kindergarten- und Grundschulalter. „Wir können uns dieses Jahr keinen Urlaub leisten, also muss ich meinen Kindern zu Hause ein Ferienprogramm gestalten. Aber familienfreundliche und bezahlbare Aktivitäten mit der ganzen Familie unternehmen zu können, scheint immer weniger möglich.“

Sinkende Lebensqualität

Das Problem, das Christine mir geschildert hat, haben mittlerweile sehr viele junge Familien. Entweder werden kommunal betriebene Einrichtungen wegen der zu geringen Einnahmen ganz eingestellt oder man erhöht die Eintritts- und Kioskpreise so stark, dass eine vierköpfige Familie für einen normalen Tag im Schwimmbad sparen muss. Für viele Menschen bedeutet das eine sinkende Lebensqualität, sogar in ihrem Wohnort.

Der Vorwurf vieler Bürgerinnen und Bürger: „In den Kommunen kommt nichts an!“ Ich finde den Frust darüber absolut verständlich. Hier müssen Veränderungen her. Denn ein zukunftsfähiges und gutes Miteinander braucht eine solide Basis, die den Menschen ermöglicht, an der Gesellschaft teilhaben zu können. Es müssen Zugangsvoraussetzungen für alle geschaffen werden. Nur so ist ein sozialer Zusammenhalt und echte gesellschaftliche Teilhabe möglich.

Feingefühl für die Bedürfnisse der Menschen

Deswegen ist es mir so wichtig, auch als Bundestagsabgeordnete im fernen Berlin für die Bedürfnisse der Menschen vor Ort zu kämpfen. Und deswegen gehe ich in meinem Wahlkampf zu ihnen und erwarte nicht, dass sie zu mir kommen. Schon als Stadträtin habe ich erfahren und erlebt, was die Menschen vor Ort bewegt.

Mir diesem Wissen gehe ich nach Berlin. Die Erfahrungen, die ich in meiner Zeit als Kommunalpolitikerin gewonnen habe, geben mir das Feingefühl für die Bedürfnisse der Menschen vor Ort. Und gleichzeitig habe ich mir in der Kommunalpolitik auch das Know-how und das Durchsetzungsvermögen angeeignet, das es braucht, um die Interessen der Mensch zu vertreten – egal ob auf Kommunal- oder Bundesebene.

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