Interview mit ABBA-Legende

Björn Ulvaeus: „Die Eurovision steht für Offenheit, Inklusion und Toleranz"

Schmidtner & Schulte18. Mai 2016
ABBA-Legende Björn Ulvaeus erzählt im Interview mit vorwärts.de über sein neues Party-Event, den Song Contest und über ein offenes Europa, dass für Offenheit, für Inklusion und für Toleranz steht.

Herr Ulvaeus, Können Sie uns etwas über die Idee hinter dieser Taverna berichten?

Die Idee zu Mamma Mia - The Party stammt sowohl vom Musical als auch vom Film. Ich hatte immer das Gefühl, dass es nach dem Musical eine Party geben müsste. Oft, wenn die Zuschauer am Ende aufstanden, dachte ich mir: "Die haben jetzt so eine gute Stimmung. Dort wo sie anschließend hingehen, möchten sie jetzt bestimmt Party machen!" Und so fiel mir ein, dass ich ihnen den Ort zu so einer Party anbieten könnte und zwar in der Atmosphäre eines Restaurants.

So entstand die Idee von Nikos und seiner Frau, die eine Taverne auf der Insel Skopelos betreiben. Dort wurden die meisten Außenaufnahmen gedreht  - zum Beispiel die Szene, in der Meryl Streep The Winner Takes It All singt oder die Einstellungen mit der schönen Hochzeitskapelle. Nach dem Erfolg des Films ist auf der Insel Skopelos plötzlich alles „Mamma Mia“ und Nikos und seine Frau haben die Idee, jeden Abend eine Party zu schmeißen – und das bringen wir hier nach Stockholm.

Dazu bekommen die Gäste wirklich phantastische griechische Mittelmeerküche und eine Menge Wein serviert und werden zwischen den Gängen mit einer ganz kleinen Geschichte gefüttert: einer Geschichte in Echtzeit, zwischen Nikos und seinen Freunden, die in jeder Ecke des Raums stattfindet. Zwischen den Gästen und zwischen den Tischen! Und die Story bedient sich der gleichen Erzählmuster wie der Film: gesprochene Dialoge, im Wechsel mit Liedern, deren Texte die Story transportieren. Einige Songs sind aus dem Film und dem Musical, die meisten aber sind andere ABBA-Songs, einige davon sogar eher unbekannt für alle, die nicht ausgewiesene ABBA-Fans sind.

Bisher haben sie das auf Schwedisch aufgeführt, nun planen sie auch Aufführungen in Englisch?

In dieser Woche führten wir es erstmals auf Englisch auf und auch im August werden wir es ausschließlich auf Englisch anbieten. Momentan suche ich nach einer geeigneten Location in London, um die Show dort zu etablieren.

Haben Sie auch Pläne für Deutschland?

Das Musical ging damals von London nach Toronto und dann folgte immerhin die erste nicht englische Version in Hamburg! Hamburg ist natürlich eine großartige Stadt für jede Form von Entertainment. Aber wirklich feste Pläne habe ich zunächst nur für London.

Gerade findet der Eurovision Song Contest hier statt. Warum ist Schweden so erfolgreich beim Song Contest und was könnte Deutschland daraus lernen?

[gedehntes] Jaaaaaaa - ich habe vor 10 Tagen Nicole in Aachen bei der Verleihung der Karlsmedaille getroffen. Sie hatte damals einen guten Song, zugegebenermaßen etwas old-fashioned, aber immer noch gut - wenn Deutschland einfach bessere Songs schreibt, wird es auch mehr Erfolg haben.
Nein, warum Schweden so erfolgreich ist, weiß ich eigentlich nicht. Vielleicht weil der Song Contest hier einfach viel mehr Bedeutung hat als in Deutschland? Wer weiß?!….der Contest hat dadurch eventuell eine größere Anziehungskraft für viele Songwriter.

Wir haben über ihren Auftritt bei der jährlichen QX-Gala [jährliche Benefit- und Preis-Party des schwedischen Magazins der LGBT*-Bewegung] gelesen. Dort sprachen Sie einen großen persönlichen Dank an die Gay Community aus? [Link] Was hat dies für Sie persönlich bedeutet? Sie haben den Dank explizit im Namen aller ABBA-Mitglieder formuliert?

Irgendwie scheint vor allem Dancing Queen immer so etwas wie eine Hymne für die Gay Community gewesen zu sein. Das fand ich fantastisch! Und auch ABBA scheint als Band für die Gay Community etwas Besonderes gewesen zu sein. Wir sind dafür sehr dankbar. Wenn wir etwas zurückgeben können, indem wir die Community unterstützen, dann tun wir das einfach. Alle vier von uns! – Sie wissen, die Eurovision und ABBA stehen für Offenheit, für Inklusion und für Toleranz. Das bedeutet uns wirklich sehr viel!

Vergangenen Sonntag haben Sie im Stockholmer Stadthaus beim Empfang zum diesjährigen ESC gesprochen und die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Song Contests ermutigt, sie selbst zu sein und zu sich zu stehen?

Ja, das habe ich ihnen als meine guten Wünsche mitgegeben: sich nicht zu verstellen und sich so zu geben, wie sie sein wollen und wie sie sind – das ist es, was den Song Contest ausmacht.
Kopenhagen hat dies überdeutlich gezeigt! Conchita Wursts Sieg war ein mutiges Statement. Damals dachte ich: Wow, das zeigt wirklich allen, wie groß und offen der Wettbewerb ist. Und das war genau, wie ich es haben möchte!

Bei Ihrem Sieg 1974 durfte ich den Contest zum allerersten Mal ansehen und war begeistert. Mit ihrem Sieg sind die späten 60er, die Hippie-Zeit und die Studenten-Bewegung in der kommerziellen Unterhaltung angekommen. Wenn wir nun sehen, dass überall in Europa eine Gegenrevolution gegen die Werte der 68er-Revolte stattfindet und dass überall rechte Kräfte an Einfluss gewinnen – wie empfinden sie diese gegenläufige Entwicklung?

Ich finde das einfach Besorgnis erregend. Es ist schrecklich. Sowohl linker als auch rechter Extremismus und jetzt der Islamismus…schreckliche Zeiten. Aber wenn der Eurovision Song Contest ein Symbol für etwas ist, dann doch für ein ganz anderes Europa, eines, das ich mir wünsche!

Vorwärts: Herr Ulvaeus, herzlichen Dank für das Gespräch.

Das Interview führten wir am Vortag des Song-Contest-Finales in Nikos Taverna im Vergnügungspark Grönalund, gleich neben dem 2011 eröffneten ABBA-Museum.

Björn Ulvaeus (71), gewissermaßen der "Nachlass-Verwalter" der Kult-Band, eröffnete dort im ehemals österreichischen Tivoli-Restaurant Tyrol seine Show Mamma Mia - The Party. Nach dem Musical 1999 und dem Film im Jahr 2008 ist dies die dritte Verwertung einer erfolgreichen Idee. Zu - wie wir testen durften - hervorragendem griechischen Essen wird das Publikum mit einer Rahmengeschichte rund um die Filmproduktion, angesiedelt in einer griechischen Taverne, und mit unzähligen bekannten und weniger bekannten ABBA-Songs am und rund um den Tisch herum unterhalten und zum Mitfeiern animiert. Zwei langjährige Kollegen beim Song Contest, die für die Ottawa Sun und fürs deutsche Nachrichtenportal queer.de berichten, hatten uns zu einem gemeinsamen Kurz-Interview mit der ABBA-Legende eingeladen - dafür unser großer Dank!

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