Corona-Pandemie

Bereiten wir uns auf das Schlimmste vor und hoffen wir das Beste

Oliver Jauernig20. März 2020
Das Corona-Virus hat Deutschland immer fester im Griff. Jede und jeder Einzelne ist dafür verantwortlich, dass die Situation nicht eskaliert.

In dieser Woche ist das Corona-Virus endgültig angekommen in Deutschland. Egal, welche Maßnahme bisher getroffen worden ist, sofort gab es einen Sturm der Entrüstung: zu früh, zu spät, zu umfassend, nicht umfangreich genug, nicht konsequent, usw. Die einen beschweren sich, weil sie belastet oder vor neue Herausforderungen gestellt werden, die anderen weil sie sich nicht ausreichend geschützt fühlen. Das grundlegende Problem, vor dem alle Entscheidungsträger stehen, ist, eben diese verschiedenen Einzelaspekte abzuwägen. 

Immer muss abgewogen werden, welcher Nutzen sich ableiten lässt und welche Eingriffe in (Freiheits-)Rechte und Belastungen damit verbunden sind. Um diese Aufgabe beneide ich aktuell niemanden, der in der Verantwortung steht.

Wir werden die Krise meistern

Panik und Hysterie bezwecken das Gegenteil. Wer für mehrere Jahre Konserven, Desinfektionsmittel und Toilettenpapier hortet, schafft nur neue Probleme: den Tafeln fehlen die Spenden, die Regale mit den preisgünstigen Eigenmarken in den Supermärkten sind leer. Für viele Bedürftige ist das ein massives Problem. Wer aktuell, wegen eines Schnupfens in die Notaufnahme einer Klinik oder in eine Arztpraxis rennt, bindet medizinische Kapazitäten, die für etwaige Verdachts- oder bestätigte Corona-Fälle nicht mehr zur Verfügung stehen. Wer denkt, dass er auf behördliche Versammlungsverbote oder Einschränkungen im öffentlichen Leben mit privaten Events reagieren muss, konterkariert die Bemühungen die herrschende Situation in den Griff zu bekommen.

Ja, wir befinden uns in einer Ausnahmesituation. Ja, sie hat ihren Höhepunkt mit Sicherheit noch nicht erreicht. Ja, es wird Einschränkungen und Belastungen für viele geben. Für manche kleineren Betriebe und Selbstständigen kann das u.U. sogar existenziell werden. 

Und doch bin ich sicher, dass wir diese Krise meistern werden, wenn wir uns wachsam, aber vernünftig verhalten. Wenn wir uns wieder verstärkt auf Solidarität und Gemeinsinn konzentrieren:

  • Achten wir auf die Standards der Hygiene: häufiges Händewaschen, Vermeiden von Körperkontakt, Niesen in die Ellenbeuge
  • Vermeiden wir unnötige soziale Kontakte. Bleiben wir soweit möglich zu Hause und vor allen Dingen meiden wir größere Menschenansammlungen (#StayTheFuckAtHome)
  • Bieten wir (insbesondere älteren) Menschen unsere Hilfe an, z.B. bei der Erledigung von Besorgungen. Aber auch bei der Kinderbetreuung und in vielen anderen Bereichen können wir Nachbarn, Freunde und Angehörige unterstützen.
  • Verzichten wir darauf, unnötig Lebensmittel und Hygieneartikel zu horten. Sollte jemand feststellen, dass er über den eigenen Bedarf gekauft hat, freuen sich die örtlichen Tafeln oder eine andere karitative Einrichtung über Spenden.
  • Insbesondere für kleinere Betriebe sind die Auswirkungen immens, gerade dann, wenn sie in den Öffnungszeiten eingeschränkt werden oder ganz schließen müssen. Dies trifft auch Kulturschaffende und Gastwirtschaften. Kaufen wir während dieser Zeit nicht online beim Versandgiganten, sondern warten wir darauf, dass die Geschäfte wieder wie gewohnt geöffnet sind. Sie sind auf diesen Umsatz angewiesen. Kaufen wir jetzt vielleicht Gutscheine, die zunächst ein Einkommen sichern. Wir können sie dann nach der Krise einlösen. Verzichten wir darauf, uns etwaige Eintrittsgelder für abgesagte Veranstaltungen zurückzuverlangen. 
  • Halten wir uns gemeinsam an die Anweisungen der Behörden, auch wenn sie uns in unserer (Bewegungs-)Freiheit einschränken. Vielleicht tut es auch einmal ganz gut, einen „Gang herunter zu schalten“. 
  • Machen wir uns bewusst, dass wir nicht die einzigen sind, die von Maßnahmen und Einschränkungen betroffen sind, sondern dass wir alle unseren Beitrag leisten müssen.
  • Vertrauen wir auf unser Gesundheitswesen und die Strukturen des Katastrophenschutzes: mehr als eine Million Menschen leisten ihren Dienst bei den Freiwilligen Feuerwehren, rund 435.000 Menschen sind aktive Helfer beim Deutschen Roten Kreuz. Mehr als 80.000 Menschen sind beim THW aktiv. Hinzu kommen die Malteser, der Arbeiter-Samariter-Bund, die Johanniter und unzählige mehr.
  • Hören wir damit auf, die Verantwortlichen für jede Entscheidung pauschal zu kritisieren und vor allen Dingen verbreiten wir keine im Internet aufgeschnappten Meldungen unklarer Herkunft. Selbst in dieser Situation versuchen Populisten Kapital aus den Sorgen der Menschen zu schlagen. Seriöse Informationen gibt es u.a. beim Robert-Koch-Institut.

Bei allen verständlichen Sorgen und Ängsten, sind wir nun alle gefordert, unseren Beitrag zur Bewältigung dieser Situation zu leisten. Je gefasster und geordneter dies erfolgt, umso besser und schneller werden wir die Situation in den Griff bekommen. Bereiten wir uns auf das Schlimmste vor und hoffen wir das Beste.

Der Text erschien zuerst im Blog des Autors.

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Kommentare

Olivers Text im Vorwärts

Oliver Jauernig wie immer mit gutem, verantwortungsbewusstem Text und klarer Analyse.

Vielen Dank, dass die

Vielen Dank, dass die Postingsvon Oliver hier veröffentlicht werden.
Sie sind sehr zu empfehlen.
Danke dafür, lieber Oliver, und dein Engagement. Weiter so!