SPD-Hessen

Ypsilanti siegt überraschend und fordert nun Koch heraus

Daniel Krueger04. Dezember 2006

Ypsilanti vereinte bei 347 Delegierten 175 Stimmen im zweiten Wahlgang hinter sich, auf Walter entfielen 165 Stimmen. Im ersten Wahlgang gab es genau 172 zu 172 Stimmen. "Sensationell"
meinten darauf einige Delegierte. "Mit dem Patt war für mich der Ausgang klar", so Jürgen Walter. Das Votum der sozialdemokratischen Basis ignorierte der Parteitag: in den letzten drei Monaten
stellten sich Walter und Ypsilanti in allen 26 Unterbezirken der Partei vor. 18 mal konnte Walter nach einer Abstimmung siegen, nur acht mal Ypsilanti. Daher fühlte sich Walter laut Frankfurter
Allgemeine Zeitung bereits vor dem Landesparteitag als sicherer Sieger, auch wenn die Delegierten nicht an die Voten der Basis gebunden waren.

Ypsilanti mit der besseren Rede

Beim Kopf-an-Kopf-Rennen entschied letztlich die bessere Tagesform der Bewerber - die Ypsilanti hatte. Immer wieder wurde sie bei ihrer Rede von breitem Beifall unterbrochen. Weder im Landtag
noch auf Parteitagen hatte sie bisher solch eine schwungvolle Rede gehalten, so die Frakfurter Allgemeine Zeitung. Sie erinnerte in der Rede an Zeiten, in denen die Bildungs- und Sozialpolitik der
Hessen-SPD Vorbild für ganz Deutschland gewesen ist. Die SPD müsse ihre "Rolle als linke Volkspartei" wiederfinden. Ypsilanti stehe klar auf der Seite der Arbeitnehmer, sie will den Mittelstand
entlasten, eine Arbeitsplätze schaffende Energiewende einleiten und vor allem dafür sorgen, dass allen jungen Menschen "alle Bildungswege offenstehen".

Walter wetterte in seiner Rede gegen Roland Kochs "technokratische Begriffe", er verwies auf seine SPD-Herkunft um dann auf zu wenig Personal in den Straßenverkehrsämtern zu kommen. Anders
als bei Ypsilantis Rede erhob sich nach Walters Auftritt nur eine kleine Schar Delegierter.

Glückwunsche und Unterstützung für Ypsilanti

Ypsilanti steht für den in Hessen traditionell starken linken Parteiflügel - insbesondere in Hessen-Süd - , seit 1999 ist sie im Landtag. Als sie den Kurs der rot-grünen Bundesregierung unter
Gerhard Schröder heftig kritisierte, veranlasste sie Schröder zu der polemischen Frage: "Wer ist eigentlich diese XY Unbekannt?". Walter hingegen ist eher ein wirtschaftsfreundlicher Pragmatiker
und gehört zu den "Netzwerkern".

Elke Ferner, stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende beglückwünschte Ypsilanti: "Sie steht für ein klares politisches Profil, für soziale Gerechtigkeit - gegen Ausgrenzung und neoliberale
Ideologie". Auch SPD-Chef Kurt Beck gratulierte und freut sich auf die gute Zusammenarbeit. Auch die Landes-Grünen gratulierten - die Landes-CDU sieht in dem Votum eine tiefe Spaltung der SPD.

"Hätte ich nochmal zu entscheiden, würde ich wieder antreten", so Walter. Aber nun will er zunächste vom Amt des Fraktionschefs zurücktreten und ihn Ypsilanti überlassen - wie vereinbart.
Außerdem sicherte er ihr vollste Unterstützung zu.

Quellen: Frakfurter Allgemeine Zeitung, Frankfurter Rundschau, Welt, tageszeitung, 4. Dezember.