Aktive Arbeitsmarktpolitik gefordert

Wissenschaftler für mehr berufliche Bildung

Vera Rosigkeit30. Juni 2009

In den vergangenen Jahren haben sich die Schwerpunkte der aktiven Arbeitsmarktpolitik in eine problematische Richtung verschoben, so eine Schlussfolgerung aus aktuelle Analysen zum
AFG-Jubiläum. Statt die Qualifikation von Arbeitslosen zu schützen und zu verbessern, soll "die Annahme jedweder Arbeit das Ziel einer erfolgreichen Vermittlung sein", kritisierte Claudia
Bogedan, Arbeitsmarktexpertin des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der
Hans-Böckler-Stiftung, die derzeitige Entwicklung seit 2002. Ihr Fazit: Die aktive Arbeitsmarktpolitik in Deutschland bleibe hinter ihren Möglichkeiten zurück
- auch, weil dafür deutlich weniger Geld aufgewendet werde.

Hauptsache Arbeit?

Frank Oschmiansky und Mareike Ebach, Arbeitsmarktforscher am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) bestätigen diesen Trend: In den vergangenen Jahren sei der Anteil der aktiven
Arbeitsmarktpolitik an den Gesamtausgaben für Arbeitslose geunken. Gleichzeitig floss mehr Geld in die Förderung von Selbständigkeit, die Dienste externer Arbeitsvermittler, Lohnkostenzuschüsse
sowie die so genannten Ein-Euro-Jobs.

Ihre Kritik: Die ursprünglich weit gesteckten Ziele des AFG wurden immer mehr verdrängt durch rein "vermittlungsorientierte Maßnahmen", die darauf auf eine möglichst schnelle
Wiederbeschäftigung ab, egal zu welchen Bedingungen "Angesichts der enormen Unterbeschäftigung sind die Erfolgsmöglichkeiten dieser Instrumente jedoch begrenzt. Im Gegenteil: Studien ergaben,
dass "vermittlungsorientierte" Instrumente "keineswegs erfolgreicher als berufliche Bildungsmaßnahmen sind", so die WZB-Forscher. Sie fordern die berufliche Weiterbildung wieder zum Kern aktiver
Arbeitsmarktpolitik zu machen.

Mehr Menschen ohne Arbeit

Laut Bundesagentur für Arbeit waren im Juni rund 3,41 Millionen Menschen ohne Job, 48 000 weniger als im Mai aber 250 000 mehr als im Juni 2008. Die Arbeitslosenquote sank von Mai auf Juni um
0,1 Punkte auf 8,1 Prozent. "Die Krise belastet den Arbeitsmarkt

zunehmend", erklärte SPD-Vize Andrea Nahles am Dienstag. Die Frühjahrsbelebung habe die Arbeitslosigkeit in diesem Monat zwar um 48.000 Personen reduziert, aber nicht mehr

so stark wie in den Vorjahren, in denen es durchschnittlich 129.000 waren. "Rechnet man den Saison-Effekt heraus, sind mehr Menschen ohne Arbeit", sagte sie.

Quelle:
www.boeckler.de/

Andrea Nahles:
Arbeitsmarkt im Juni 2009: weiter denken und Fachkräftebedarf sichern

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