Stephan Leibfried (Hrsg.): „Die Exzellenzinitiative“

Wissenschaft fördern

Julian Zado08. Juni 2010

Die Herausgeber sind Teil einer Arbeitsgruppe, der Forscher aus unterschiedlichsten Disziplinen angehören, beschreibt die Grundlagen der Exzellenzinitiative. In Form von Thesen machen sie
zunächst ihren (politischen) Standpunkt zu der Initiative transparent. - Eine gute Entscheidung, zeigen sie doch offen, dass die Analyse eines politischen Instruments immer mit einer bestimmten
Herangehensweise erfolgt. So erklärt die Arbeitsgruppe, dass sie die Einrichtung des Programms grundsätzlich begrüßt. Die Mitglieder halten es für richtig, dass die Initiative maßgeblich von der
Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Wissenschaftsrat organisiert und kontrolliert wird.

Auf den Zug aufspringen

Probleme sind nach Ansicht der Arbeitsgruppe nicht strukturell mit der Initiative verbundenen, sondern nur ihre "Nebenwirkungen": zum Beispiel ein Übermaß an Personal und Bürokratie, die
bisher für die Verteilung der Mittel notwendig sind. Außerdem kritisiert sie eine leicht unausgewogene Verteilung der Gelder auf die verschiedenen Disziplinen. In einem kurzen Absatz wird darauf
hingewiesen, dass auch die Exzellenzinitiative nicht das Problem der zu geringen Grundfinanzierung lösen kann.

Der zweite Teil des Buches widmet sich verschiedenen Einzelaspekten des Programms. Er schließt mit einer Gesamtbewertung der Initiative von Michael Zürn, in der er zu einer ähnlichen
Einschätzung kommt, wie die Arbeitsgruppe am Beginn des Buches: Die Initiative ist gut, kann aber noch verbessert werden.

Zudem analysiert Zürn das Problem der Mittelverteilung innerhalb der Exzellenzinitiative: Wenn das maßgebliche Kriterium für einen "Zuschlag" die bisherigen Forschungsergebnisse sind, dann
werden die Gewinner einer Auswahlrunde auch immer bessere Chancen bei der nächsten haben. Das Ergebnis: Es gibt wenige Hochschulen, die enorme Zuschüsse bekommen und entsprechende Fortschritte
vorweisen können, während andere kaum eine Chance haben "auf den Zug aufzuspringen".

Schlechte Grundfinanzierung

Leider fehlt auch in Zürns Beitrag ein Hinweis auf die Problematik der Exzellenzinitiative insgesamt. Zwar wird in wenigen Zeilen auch die schlechte strukturelle Grundfinanzierung beklagt,
allerdings wird darauf nicht näher eingegangen. Gerade diese Frage darf aber nicht fehlen. Denn es reicht für eine Bewertung der Exzellenzinitiative eben nicht aus, die Vorteile herauszuarbeiten.
Notwendig ist auch eine Analyse der Nachteile.

Exzellenzinitiative und unzureichende Grundfinanzierung stehen nicht losgelöst nebeneinander. Denn ein Ausbau der Finanzierung der sogenannten Exzellenz bindet Mittel, die von vornherein nicht
der Grundfinanzierung von Hochschulen zugute kommen können. Ebenfalls hätte es der Publikation gut getan, auch kritische Stimmen zu Wort kommen zu lassen. Zwar soll der Band, was legitim ist, in
erster Linie das Programm bewerben. Der eine oder andere kritische Beitrag hätte diesem Vorhaben aber eher gut getan. Ehrlicherweise sprechen die Herausgeber selbst in ihrem Vorwort auf diesen
Missstand an und kündigen Auseinandersetzung mit den Schwächen der Initiative für eine eventuelle zweite Auflage an.

Julian Zado

Stephan Leibfried (Hrsg.): "Die Exzellenzinitiative", Campus Verlag, Frankfurt /New York, ISBN 9783593392646, 313 Seiten, 19,90 Euro

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