Krieg in Syrien

Warum der Wiederaufbau Syriens noch weit entfernt ist

Johanna Lehn 15. März 2018
Der Krieg in Syrien findet kein Ende. Die Feindschaft zwischen den Volksgruppen und die fehlende Gesprächsbereitschaft des Assad-Regimes stehen dem Frieden im Weg. Der Wiederaufbau des Landes ist noch nicht absehbar.

Vor genau sieben Jahren hat der Krieg in Syrien begonnen. Dabei kamen laut Unicef bislang rund 350.000 Menschen ums Leben. Zahlreiche Städte wurden zerstört. Wie kann der Wiederaufbau gesellschaftlich gestaltet werden? Damit hat sich eine Podiumsdiskussion der Friedrich-Ebert-Stiftung am Mittwochabend in Berlin befasst. 

Gesprächsbereitschaft gleich Null

Schon zu Beginn der Veranstaltung wurde klar: Von Wiederaufbau zu sprechen, ist noch zu früh. Ein Hinderungsgrund dafür liegt im Hass zwischen den Bevölkerungsgruppen. Bahjat Hajjar, der Vorsitzende der „Union der Lokalen Verwaltungsräte“, sagte, eine gesellschaftliche Aussöhnung der verfeindeten Gruppen sei unter al-Assad unrealistisch und nur schwer möglich. Zu Beginn des Krieges seien die verschiedenen Minderheiten noch nicht verfeindet gewesen, erklärte Bassma Kodmani, die Vorsitzende der „Arab Reform Initiative“. Inzwischen habe sich aber besonders die regionale Zugehörigkeit im Bewusstsein der Menschen verankert – initiiert vom syrischen Regime, angefeuert von den nationalen Medien.

Philipp Ackermann, der Regionalbeauftragte für Nah- und Mittelost und Nordafrika im Auswärtigen Amt, hält das Gespräch über einen Wiederaufbau ebenfalls für verfrüht: Globale Organisationen wie die UN befänden sich in „einer Sackgasse“, um den Konflikt beizulegen, da die „Gesprächsbereitschaft der syrischen Regierung gleich Null“ sei. Dort müsse angesetzt werden. Friede sei eine notwendige Bedingung für einen gemeinsamen Aufbau des Landes, sagte Ackermann. Er bestätigte allerdings auch: „Von all dem sind wir noch sehr weit entfernt.“

Internationale Gemeinschaft als „Voyeur“

Kodmani sagte, der Krieg in Syrien könne nur mit einer politischen Alternative zum Regime al-Assads beendet werden. In der Bevölkerung sei der Wille, diese Alternative zu bilden, vorhanden – allerdings zögerlich und im Stillen. Um dieses Schweigen zu brechen, sei die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft notwendig.

Bisher gleiche die internationale Haltung allerdings eher der eines „Voyeurs“, klagte Hajjar an. Die kürzlich von den Vereinten Nationen beschlossene Waffenruhe über 30 aufeinander folgende Tage sei ins Leere gelaufen. Nicht zuletzt, weil sie bei einem Verstoß keine Sanktionen vorsah und vor Ort niemand für die Umsetzung sorgte, sagte er. Offensichtlich sei die internationale Staatengemeinschaft „nicht in der Lage, Lösungen zu finden oder sie durchzusetzen“.

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Kommentare

Der Krieg in Syrien findet kein Ende.

Doch warum? Weil Assad im Weg steht. Weil er nicht mit der "Opposition" verhandeln will,sagt z.B. die "Arab Reform Initiative". Was lese ich zu dieser Gesellschaft bei google: "The Arab Reform Initiative (ARI) is an independent network of think tanks and research institutions from the Arab world, Europe and the United States"
Und so wird ein Schuh daraus; die zweifellos vorhandene Unzufriedenheit mit Assad wegen der zweifelsohne vorhandenen Ungerechtigkeiten seiner Regentschaft anzufachen um geopolitisch motivierte Umsturzpläne zu verwirklichen hat so nicht funktioniert, sondern das Land stattdessen in einen barbarischen Krieg gestürzt.
Russland kam Assad zu Hilfe und versucht nun, einen Friedensprozess anzuleiten. Das ist für die anderen Kriegsparteien inakzeptabel, die nun versuchen, Syrien an ethnischen Linien aufzuspalten um ihre Einflusszonen zu markieren.
Es stimmt, der Krieg wird so bald nicht enden, doch weniger wegen Assad, sondern wegen des skrupellosen Engagements der internationalen "Freunde Syriens", eine Wortwahl, die in ihrem Zynismus ihresgleichen suchen dürfte..