Stimmen nach der Wahl

Westerwelle wird nie ein Star sein

Vera Rosigkeit28. September 2009

Für SPD-Chef Franz Müntefering ist das schlechte Abschneiden der Partei von "historischer Dimension". Im Deutschlandradio kündigte er am Montag an, alles dafür zu tun, "dass soziale
Gerechtigkeit in Deutschland nicht unterpflügt wird." Müntefering zeigte Verständnis, das nun ein dringender Bedarf sei, "über die Entwicklung er letzten Jahre zu sprechen".

Nahles: Kein Sprint, sondern Mittelstreckenlauf

Die SPD-Vizevorsitzende Andrea Nahles sieht schwere Zeiten auf ihre Partei zukommen. "Wir haben einen massiven Vertrauensverlust der Wähler. Das müssen wir aufarbeiten", erklärte sie am
Montag im "ARD-Morgenmagazin". Die SPD müsse sich wieder öffnen für die Sorgen der Menschen, ist Nahles überzeugt: "Wir müssen näher ran an die Leute." Auf die Frage nach dem Parteivorsitz
antwortete Nahles: "Was wir jetzt nicht gebrauchen können, ist, dass die Partei auseinanderfällt."

Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) erklärte noch am Wahlabend, dass sich Kanzlerin Angela Merkel nun nicht mehr hinter der Großen Koalition verstecken könne und
Entscheidungen treffen müsse: "Angela Merkel wird nun ihren Heiligenschein verlieren", sagte er und fügte hinzu: "Guido Westerwelle wird nie ein Star sein." Am Montag forderte Wowereit im
Deutschlandradio eine Neuausrichtung der SPD: "Wir brauchen eine Aufstellung mit neuen Kräften. Auf dem Dresdner Parteitag im November müssen neue Akzente gesetzt werden", sagte er. Mit Richtung
auf die Linkspartei erklärte Wowereit: "Wir müssen uns inhaltlich aufstellen - da müssen Tabus weg."

Inhaltlich neu aufstellen

Generalsekretär Hubertus Heil will das Ergebnis in Ruhe analysieren und warnte im ZDF-Morgenmagazin vor überstürzten Personalentscheidungen. SPD-Spitzenkandidat Frank-Walter Steinmeier
werde Oppositionsführer. "Alles andere wird in Ruhe vorbereitet", sagte Heil weiter. Die Geschichte der SPD sei immer eine "Geschichte der Erneuerung gewesen".

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel erklärte der "Braunschweiger Zeitung" (Montag): "Offenbar haben viele Wähler das Gefühl, dass die SPD ihren Lebensalltag nicht mehr kennt". Gabriel
forderte seine Partei auf, dies zu ändern: "Die SPD muss ihre Politik sozialer und ökologischer ausrichten."

Für die Juso-Chefin Franziska Drohsel sagte der "Leipziger Volkszeitung" (Montag): "Wir müssen klären, wo die SPD in Zukunft im Parteiensystem stehen soll und wie wir es schaffen können,
die Glaubwürdigkeitslücke zu schließen." Sie forderte "eine ehrliche und schonungslose Ergebnisanalyse" und die Bereitschaft zur Veränderung. "Die Schere zwischen Arm und Reich ist weit
aufgegangen, auch in unserer Regierungszeit", erklärte sie.

DGB-Vorsitzende Michael Sommer will sich "bemühen", auch mit der neuen Regierung "produktiv" zusammen zu arbeiten. Sommer sagte im Berliner "Tagesspiegel" (Montag): "Wir werden nicht jede
Politik akzeptieren, insbesondere dann nicht, wenn sie spekulantenfreundlich und arbeitnehmerfeindlich ist."

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