Bundeswehr und Corona

Wehrbeauftragter: Bundeswehr kann Beitrag zur Bewältigung der Coronakrise leisten

Lars Haferkamp20. März 2020
Hans-Peter Bartels zum Einsatz der Streitkräfte in der Coronapandemie: "Wenn es ganz schlimm käme, müsste man einsetzen, was man hat!"
Hans-Peter Bartels, Wehrbeauftragter des Deutschen Bundestages, zum Einsatz der Streitkräfte in der Coronapandemie: "Wenn es ganz schlimm käme, müsste man einsetzen, was man hat!"
Die Bundeswehr rückt immer stärker in den Fokus der Corona-Krise. Sie kann Amtshilfe leisten, sagt der Wehrbeauftragte Hans-Peter Bartels. Dabei müssten die Soldat*innen selbst müssten vor weiteren Coronainfektionen geschützt werden.

Ist die Bundeswehr für logistische bzw. medizinische Unterstützung in der Corona-Krise ausreichend vorbereitet?

Wirklich vorbereitet auf eine weltweite Pandemie war kein Land und keine einzelne Institution. Aber die Bundeswehr kann jetzt zur Bewältigung der Krise in Deutschland natürlich einen Beitrag leisten. Nach Artikel 35 des Grundgesetzes heißt das „Amtshilfe“. Die Bundeswehr hat Personal, sie hat Material, sie hat Know How und gut ausgebildetes Führungspersonal. Für den Fall der Fälle ist das ein starkes Backup! In allen Truppenteilen bereitet man sich gegenwärtig auf den möglicherweise größten Hilfseinsatz in der Geschichte der Bundeswehr vor. 

Wie bewerten Sie die Einberufung von Reservist*innen, um die Bundeswehrkrankenhäuser zu unterstützen, durch die Bundesverteidigungsministerin?

Das ist gut, geht auch relativ schnell und zeigt die Dienstbereitschaft vieler Reservistinnen und Reservisten des Sanitätsdienstes, die sich hier freiwillig gemeldet haben. Es geht ja nur freiwillig – und wenn die Arbeitgeber mitspielen.

Die Bundeswehr selbst ist von Coronaviruserkrankungen betroffen. Was muss jetzt zum Schutz der Soldat*innen geschehen?

Die Parole in den Verbänden und Stäben lautet zur Zeit: „ausdünnen“. Teile der Truppen werden quasi in Bereitschaft nach Hause geschickt, um im Ernstfall schnell verfügbar zu sein, auch wenn es in der Kaserne selbst zu Ansteckungen gekommen sein sollte. Für erkrankte Soldatinnen und Soldaten steht der bundeseigene Sanitätsdienst bereit, der auch gerade zusätzlich Reserven aufbaut.

Der Bundesverkehrsminister schlägt vor, die Bundeswehr solle im Krisenfall Supermärkte beliefern. Was halten Sie davon?

Möglich ist vieles, einschließlich logistischer Unterstützung, wenn zivile Behörden Nottransporte anfordern. Aber erstmal sollte alles andere ausgeschöpft sein, bevor man die Kräfte der Bundeswehr bindet.

Darüber hinaus fordert Herr Scheuer, bei einem Mangel an LKW-Fahrern solle die Bundeswehr einspringen. Ein zielführender Vorschlag?

Wenn es ganz schlimm käme, müsste man einsetzen, was man hat! Das geht rechtlich.

Sind die Soldat*innen trotz Coronakrise für ihre vielfältigen Aufgaben einsatzbereit?

Stand heute: ja. Die mandatierten Auslandseinsätze laufen weiter, ebenso die Nato-Verpflichtungen etwa in Osteuropa, das deutsche Air Policing und die militärische Evakuierungsbereitschaft unserer Fallschirmjäger. Aber mit der Krise steigen natürlich, wie für viele andere Menschen in Deutschland auch, die Belastungen vieler Soldatinnen und Soldaten und ihrer Familien. Wer jetzt nach Mali verlegen muss, geht vorher in Deutschland erst einmal 14 Tage in Quarantäne, um keine zusätzlichen Viren in dieses gebeutelte Sahel-Land einzuschleppen. Entsprechend länger bleibt das Vorgängerkontingent in Afrika. Das ist hart, aber die Soldatinnen und Soldaten klagen nicht. Sie sehen die Krise. Und viele Mitbürgerinnen und Mitbürger sind heute froh, dass die Bundeswehr trotz aller laufenden Verpflichtungen auch zu Hause für jede Hilfe bereitsteht.

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Kommentare

Wer ist böse, das Virus oder

Wer ist böse, das Virus oder die Politik? Die Verhältnisse in den Krankenhäusern Italiens sind erklärbar. Aber jetzt retten uns erst die Politiker mit Hilfe der BW vor dem bösen Virus!
https://norberthaering.de/eurokrise/draghi-italien-corona/

Bundeswehr

Also Soldaten sind zum Töten ausgebildet und nicht um Leben zu retten ! Wenn die Bundeswehr qualifitierte Menschen aus dem Sanitätsdienst abstellen kann zu zivilisierten Zwecken, dann gut. Ansonsten brauchen wir öffentliche, nicht profitorientierte Krankenversorgung und Prophylaxe statt Flugzeugträger, Atomraketen, Tornados, Gorch Focks und den ganzen militaristischen Aufrüstungswahn. Es zeigt sich jetzt ganz deutlich: Militär, samt NATO, ist nicht in der Lage uns vor echten Bedrohungen (z.B. Epidemien, Klimanotstand) zu schützen.

da äussern Sie sich

-bewusst?- missverständlich. Verstehe ich Sie richtig dahin, dass Sie eine bessere Ausrüstung der Bundeswehr in Betreff auf die biologische Kriegführung verlangen, hier also klar pro Aufrüstung votieren?

Ich teile diese ihre Auffassung nicht