Zum 11.11.

Wegen Corona: Wie Sozialdemokrat*innen dieses Jahr (nicht) Karneval feiern

Jonas Jordan11. November 2020
Bilder wie dieses wird es in dieser Karnevalssession nicht geben: Norbert Walter-Borjans bei der Karnevalssitzung des 1.FC Köln am 18. Februar 2020.
Bilder wie dieses wird es in dieser Karnevalssession nicht geben: Norbert Walter-Borjans bei der Karnevalssitzung des 1.FC Köln im Februar 2020.
Um 11.11 Uhr startet die Karnevalssession. Doch wegen Corona gilt das Motto #diesmalnicht. In diesem Jahr fällt das närrische Treiben weitgehend aus, worüber viele, aber nicht alle Sozialdemokrat*innen traurig sind, wie eine Umfrage unter „vorwärts“-Leser*innen zeigt.

Am 11.11. 2019 waren auf dem Kölner Heumarkt noch die Jeck*innen los. Bereits ab 9 Uhr startete das Programm. Die Karnevalist*innen schunkelten und sangen zu Liedern von Kasalla, Bläck Fööss oder den Höhnern. Doch in diesem Jahr ist alles anders. Die Stadt hat unter dem Motto #diesmalnicht dazu aufgerufen, zu Hause zu bleiben. Seit Dienstagabend um 22 Uhr gilt gar für 32 Stunden ein Verkaufs- und Konsumverbot von Alkohol im öffentlichen Raum. Auch Kölns Oberjeck, der Präsident des Festkomitees Kölner Karneval, Christoph Kuckelkorn sagte, der Tag müsse dieses Jahr „in Ruhe und Stille" begangen werden.

Dafür gab es ein Lob vom SPD-Vorsitzenden Norbert Walter-Borjans. Der Kölner ist in normalen Zeiten ebenfalls ein begeisterter Karnevalist. Nun schrieb er auf Twitter: „Wenn sich alle am Verhalten der Verantwortlichen für den Kölner Karneval ein Beispiel nähmen, müssten wir uns keine Sorgen machen... Dank an Festkomitee-Präsident Christoph Kuckelkorn und an die Vielen, die mitziehen!“ Gleiches gelte natürlich auch für die Verantwortungsbewussten in allen anderen Städten des karnevalistischen Frohsinns, so Walter-Borjans. Auch der desginierte SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz schrieb auf Twitter: „Auch wenn mir als Norddeutscher das Karneval-Gen fehlt – ich verstehe, dass viele Jecken heute traurig sind und gern gefeiert hätten. Danke, dass Ihr innehaltet!“ Scholz rief dazu auf, die Fröhlichkeit zu bewahren. Sie werde gerade jetzt gebraucht. „Bald geht‘s wieder aufwärts, dann feiern wir gemeinsam!“, schrieb er.

Ein Alaaf aus der Ferne

„Ich wünsche meinen Kölnern aus der Ferne herzlich Kölle Alaaf! Und wer zuhause Helau oder was anderes ruft: genauso gut!“, schrieb der SPD-Vorsitzende. Das trifft beispielsweise auf Andreas Rimkus zu, den Bundestagsabgeordneten und Düsseldorfer SPD-Vorsitzenden. Er feiere „jedenfalls mit einem lecker Alt und Helau“, schrieb er auf der Facebook-Seite des „vorwärts“. Für Henning Tillmann, den Vorsitzenden des digitalpolitischen Vereins D64, ist die närrische Zeit mehr als nur Kölsch und Verkleiden. Auf Twitter schreibt er: „Vermutlich ist Karneval sogar das, was ich diesen Winter am meisten vermissen werde. Spotify-Playlist läuft dennoch heute ab 11:11. Alaaf!“

Chantal Messing schreibt auf der Facebook-Seite des „vorwärts“: „Als Kölsche: Wenn man solidarisch ist, folgt man dem Aufruf der (Kölner-) Gastro und dem Appell der Karnevalsbands und bleibt einfach mal zu Hause.“ Sie warnt außerdem vor einer rechten Demo unter dem Motto „Karneval der Liebe“, die ab 11.11 Uhr an der Deutzer Werft in Köln starten soll. Geht bitte, bitte nicht hin. Auch nicht auf Abstand. Hört Radio, wie ich, und gebt den Rechten keine Chance Karneval zu kapern“, schreibt Messing. Auch „vorwärts“-Leser Nico Novacek bleibt heute zu Hause. „Wir treffen uns verkleidet im Zoom-Meeting“, schreibt er. Christine Müller berichtet auf Twitter, dass sie „mit Berlinern (Krapfen, Kreppel), verkleidet mit meiner Familie zu Hause auf ein halbes Jahrhundert Faschingsscherz anstoßen“ will.

Für manche ändert sich nichts

Für manche ändert sich dagegen trotz Corona in diesem Jahr wenig. So schreibt Florian Ritter, Landtagsabgeordneter und Vorsitzender der SPD Oberbayern, er feiere „wie jedes Jahr: nicht.“ Das gilt auch bei anderen „vorwärts“-Leser*innen. So schreibt Dirk Hofmann auf Facebook: „Ich bin Siegerländer...noch Fragen?“ Uwe Jackwerth berichtet: „Im evangelischen Teil Frankens gibt es solche Exzesse nicht.“ Und für Karl-Heinz Müller gilt: „Ich habe in meinem ganzen Leben kein Karneval gefeiert. Ich freue mich aber für die Anderen.“

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