Karikaturen-Ausstellung

In der Wanne mit Helmut Schmidt

Lothar Pollähne22. Februar 2016
Sigmar Gabriel und Helmut G. Schmidt bei der Ausstellungseröffnung
Sigmar Gabriel und Helmut G. Schmidt begutachten einen „schönfärbenden Kanzler Schmidt“.
Helmut Schmidt wurde erst spät von den Karikaturisten entdeckt. Die Ausstellung „Helmut Schmidt in Dur und Moll“ zeigt 70 Zeichnungen des Altkanzlers aus spitzen Federn. Seit Sonntag ist sie in Goslar zu sehen und tourt ab dem Frühjahr durch die Republik.

Am Anfang ist das Ende bereits vorgezeichnet: nämlich von Horst Haitzinger. Auf dem Plakat zur Ausstellung „Helmut Schmidt und Dur und Moll“ lässt Haitzinger den Lotsen von Bord gehen. Allerdings geht der im Gegensatz zum Original aus dem britischen „Punch“-Magazin aus dem Jahr 1890 nicht an Land, sondern er entweicht in höhere Sphären. Aber der Lotse heißt ja auch nicht Bismarck sondern Helmut Schmidt.

Geschichte der alten Bundesrepublik in Bildern

Der Ende vergangenen Jahres verstorbene Altkanzler wird jetzt mit einer Karikaturenausstellung gewürdigt, die der SPD-Vorsitzende und Schirmherr Sigmar Gabriel am 21. Februar in seiner Heimatstadt Goslar eröffnet hat. „Helmut Schmidt in Dur und Moll“ lautet das aus der Zeit gefallene Motto der Ausstellung, aber das geht in Ordnung, denn die meisten Karikaturen stammen aus der Feder von Künstlern aus der Hochzeit der Bonner Republik. Die 70 Exponate bilden zugespitzt die Geschichte der alten Bundesrepublik seit dem Ende der ersten „Großen Koalition“ ab, in deren Mittelpunkt der zu karikaturistischen Ehren gelangte Helmut Schmidt steht.

„Wer in der Karikatur angekommen ist, wird ernst genommen“, befand Sigmar Gabriel in seiner launigen Eröffnungsrede, wobei diese Auffassung einer leichten Korrektur bedarf. Denn Helmut Schmidt war spätestens seit seiner Tätigkeit als Hamburger Innensenator während der Flutkatastrophe 1962 ein bundesweit respektierter Politiker. Karikaturen oder Prädikate wie „Deichgraf“ wären seinerzeit jedoch angesichts der über 300 Opfer undenkbar gewesen.

„Elmut“, der Terrorismus-Bekämpfer

Also musste Helmut Schmidt bis 1968 warten, bevor er im Mittelpunkt einer Karikatur stehen durfte. Die betraf den „Marsch durch die Institutionen“, mit dem sich die Partei im Zuge der Studentenbewegung konfrontiert sah. „Scheisse, trotzdem SPD“, ist darin ein Plakatentwurf betitelt, den Schmidt den missvergnügt dreinblickenden Parteioberen vorstellt.

Nach 1968 allerdings ging es Strich auf Strich weiter: Helmut Schmidt als Finanzkrisen-Manager, Helmut Schmidt als Europäer, der als „Elmut“ mit Giscard d’Estaing gemeinsam die EG darstellt, Helmut Schmidt als Terrorismus-Bekämpfer, der in der Badewanne von einem Personenschützer bewacht wird, oder Helmut Schmidt als sozial-liberaler Koalitionsbändiger, dem zum Schluss als Bizeps nur noch der liberale Klammeraffe Hans-Dietrich Genscher bleibt.

Ab April geht die Ausstellung auf Reisen

In den Jahren der Anti-Atom-Bewegung fühlt sich Helmut Schmidt sichtlich von einem Strauß Sonnenblumen belästigt, der den Aufstieg der damals noch am linken Rand der SPD verorteten Grünen symbolisiert. Als 1982 die sozial-liberale Koalition von der FDP aufgekündigt wurde, diente schon einmal die Lotsen-Karikatur als Vorlage: für ein Titelbild des SPIEGEL am 20. September 1982.

Die Ausstellung „Helmut Schmidt in Dur und Moll“, die von Helmut G. Schmidt, dem ehemaligen Chef des sozialdemokratischen Pressedienstes, komponiert worden ist, ist noch bis zum 3. April im Stadtmuseum in Goslar zu besichtigen. Danach „reist“ sie durch Deutschland. Die zweite Ausstellungsstation ist der „Goldene Löwe“ in Eisenach, eines der Traditionshäuser der deutschen Sozialdemokratie.

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