Sommerferien

Urlaub in Corona-Zeiten: „Viele Menschen wollen raus, trauen sich aber nicht.“

Kai Doering27. Juli 2020
Strand auf Borkum: Schon in der Vor-Corona-Zeit war Deutschland das Reiseland Nummer eins der Deutschen.
Strand auf Borkum: Schon in der Vor-Corona-Zeit war Deutschland das Reiseland Nummer eins der Deutschen.
In fast allen Bundesländern sind inzwischen Sommerferien. Was ist beim Urlaub in Corona-Zeiten zu beachten? Und wohin kann man mit gutem Gewissen fahren? Wir haben beim SPD-Reiseservice nachgefragt.

Wohin fahren die Deutschen in diesem Jahr in den Urlaub?

Auch wenn es oft vergessen wird: Schon in der Vor-Corona-Zeit war Deutschland das Reiseland Nummer eins der Deutschen. Das ist auch in diesem Jahr so, wegen Corona mehr denn je. Viele Regionen sind knackevoll. Von Reiseveranstaltern wurde Deutschland allerdings in den letzten Jahren sträflich vernachlässigt, sodass die Kommunen vor einiger Zeit der Vermarktung übernommen haben. Das rächt sich nun. Auch Flusskreuzfahrten in Deutschland und den Nachbarländern sind recht beliebt. Hier lassen sich Hygienekonzepte auch sehr gut so umsetzen, dass trotzdem ein Urlaubsgefühl aufkommt.

Wie reagiert der SPD-Reiseservice darauf?

Viele Menschen wollen raus, trauen sich aber nicht. Wir haben deshalb – sozusagen als Corona-Reise – ein Angebot für Templin in Brandenburg entwickelt. Die Gäste reisen selbst mit der Bahn an und haben einen kurzen Bustransfer ins Hotel. Wer möchte, kann Ausflüge ins Umland machen. Die Schorfheide ist eine echte Urlaubsregion, aber nicht so überlaufen wie anderen Gegenden zurzeit. Mit dem Angebot sollen sich die Menschen wieder ans Reisen rantasten. Wir scheinen damit einen Nerv getroffen zu haben. Die Nachfrage ist sehr hoch.

Björn Kufahl
Björn Kufahl ist Geschäftsführer des SPD-Reiseservice.

Müssen die Menschen das Reisen mit Corona neu lernen?

Nein, das glaube ich nicht. Natürlich verändert sich das Reisen und niemand kann bisher sagen, wie lange das so sein wird. Das Hauptproblem ist aus meiner Sicht, dass durch die Dauerbeschallung mit Corona-Nachrichten eine große Unsicherheit herrscht, ob und wie man jetzt am besten reist. Da sehe ich noch eine Menge Aufklärungsbedarf. Für uns als Reiseveranstalter ist die jetzige Zeit schwieriger als die Wochen des Lockdowns, weil die Menschen jetzt reisen können, aber zu einem großen Teil nicht wollen.

Welche Fragen haben Menschen, die sich bei Ihnen melden?

Das kann man in drei Gruppen einteilen: Die einen sehen Corona als Chance für entspanntes Reisen. Bei ihnen ist zum Beispiel Venedig als Ziel beliebt, weil die Touristen aus Asien oder von den Kreuzfahrtschiffen ausbleiben und die Stadt deshalb leer ist wie nie. Diese Kunden sind meist sehr gut informiert und wissen genau, wie die Gefährdungslage vor Ort ist. Eine zweite Gruppe würde gerne verreisen, ist aber komplett verunsichert, was geht und was nicht. Da können wir gut erklären und den Menschen so etwas Sicherheit zurückgeben. Und eine dritte Gruppe möchte partout nicht verreisen und versucht, mit aller Macht aus ihren bestehenden Buchungen rauszukommen.

Unter welchen Bedingungen erhält man als Reisende*r sein Geld zurück, wenn man bereits gebucht hat und wegen Corona doch nicht fahren möchte?

Auch wenn Verbraucherschützer in den letzten Wochen etwas anderes behaupten, ist das eigentlich ganz klar geregelt: Wenn die Reise durchgeführt werden kann, kann sie nicht storniert werden, zumindest nicht kostenfrei. Auch eine Reiserücktrittskostenversicherung springt nur dann ein, wenn der Reisende erkrankt. Einer Corona-Risikogruppe anzugehören, reicht nicht aus. Und auch die Sorge, sich auf einer Reise mit Corona zu infizieren, ist kein Grund, dass die Versicherung zahlt. Bei unseren Reisen behalten wir natürlich immer das Infektionsgeschehen in den Zielgebieten im Blick und wenn es eine kritische Situation gibt, werden wir die Reise von uns aus absagen. Dann entstehen den Kunden auch keine Kosten.

Das Auswärtige Amt hat seine weltweite Reisewarnung für Nicht-EU-Staaten bis Ende August verlängert. Was bedeutet das konkret?

Eine Reisewarnung bedeutet nicht automatisch, dass keine Stornokosten entstehen, wenn Kunden ihre Reise absagen. Darauf weist das Auswärtige Amt auf seiner Internetseite sogar selbst hin. Nur das Gefühl, bedroht zu sein, rechtfertigt nicht die kostenlose Stornierung einer geplanten Reise. Aber natürlich werden wir keinen unserer Gäste in ein Land schicken, in dem wir ihn einer Gefahr aussetzen. Der Schutz von Menschen steht immer über wirtschaftlichen Interessen.

In welche Länder kann man zurzeit guten Gewissens fahren?

Viele Mittelmeerregionen sind mittlerweile wieder besuchbar. Vom Balkan gibt es zwar zum Teil Horrormeldungen, aber da erstrecken sich die Infektionen auf Cluster, die sich gut umgehen lassen. Auch zu unseren Osteuropäischen Nachbarn, nach Polen oder Tschechien, kann man guten Gewissens fahren. In die USA, nach Russland oder nach Südamerika sollte man zurzeit dagegen nicht fahren.

Wie wird sich das Reisen insgesamt durch Corona verändern?

In den vergangenen Monaten haben wir ja gelernt, Situationen von Tag zu Tag neu zu bewerten. So wird es auch in Zukunft sein. Entscheidend für die Frage, wie wir künftig leben und auch reisen, wird der Impfstoff sein. Wenn es ihn im kommenden Jahr gibt, werden die Menschen schnell wieder in alte Muster fallen und in zwei Jahren mit leichtem Schaudern auf das Jahr 2020 zurückblicken. Sollte es mit dem Impfstoff dauern oder vielleicht gar keinen geben, wird sich das Konsumverhalten insgesamt deutlich verändern. Den Tourismus wie wir ihn bisher kennen, wird es dann nicht mehr geben. Wir werden Tourismuskonzepte umstellen müssen, ebenso Reiseziele und Transporte. Wer bisher auf Pauschalurlaub gesetzt hat, wird künftig vielleicht eher zum Campen an den Gardasee fahren. Für Reiseveranstalter könnten Corona-sichere Reisen zu einem neuen Gütekriterium werden.

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Kommentare

"Das Hauptproblem ist aus

"Das Hauptproblem ist aus meiner Sicht, dass durch die Dauerbeschallung mit Corona-Nachrichten eine große Unsicherheit herrscht, ob und wie man jetzt am besten reist. Da sehe ich noch eine Menge Aufklärungsbedarf."

Und auch nach Schweden reisen und sich dort informieren:
Mehr Schweden wagen!
https://www.bild.de/politik/kolumnen/kolumne/kommentar-mehr-schweden-wag...

ja, das ist lästig

zumal die Beschallung n i c h t in den Sprachen erfolgt, auf die es mit Sicht auf die Fälle konzentrierten Auftretens ankommt.

Politik und Medien haben Bezug zur Realität verloren

Im Moment schwankt die Politik zwischen der Angst vor dem Virus und der Angst vor dem Wähler. Klar ist: über das Schicksal der Politik, und auch die Existenz unserer Partei, entscheidet der Wähler. Und die Mehrheit im Land wird nicht ewig Geduld haben, Rücksicht auf die Angst der Politik zu nehmen.

Die Dauerbeschallung durch Politik und Medien ist in der Tat besorgniserregend, und macht bei dem ein oder anderen mittlerweile den Eindruck, pathologisch-obsessiv zu sein. Damit reden diese beiden Gruppen aber völlig an der Lebensrealität- und wirklichkeit im Land vorbei. Und damit gefährden sie auf lange Sicht die Stabilität unserer Demokratie.

Die Politik klammert sich an die Hoffnung eines Impfstoffes, und daran, dass die Wirtschaftskrise "nicht so schlimm" wird. Bei mehr als einer halben Million bereits vernichteter Jobs ist das zynisch. Ich denke, sowohl Impfstoff als auch Ausmaß der Wirtschaftskrise werden sich als Illusionen erweisen.

Die in dieser Krise auf erschreckende Weise offensichtlich gewordene Bezuglosigkeit zur gesellschaftlichen Mehrheit wird Politik, Medien und Wissenschaft noch heftige Probleme machen.

Tja, die Politik scheint ein

Tja, die Politik scheint ein wie selbstbezügliches System zu sein, bei dem die Menschen eher nicht systemrelevant sind. Und diese Betriebsblindheit führt dann auch dazu, daß eine einmal gefaßte Meinung kaum wieder geändert wird und bis zum bitteren Ende durchgezogen wird. Das heißt bezüglich Corona und Schweden: die bösen Schweden, von denen können wir nichts lernen. Aha, tatsächlich? Und warum nicht? Kein Lockdown, Kitas und Schulen offen, Geschäfte offen, Lokale offen. Aber die vielen Toten! Italien, Frankreich, Spanien, Belgien etc. haben mehr Tote zu beklagen trotz strengem Lockdown. Die relativ hohe Sterblichkeit in Schweden ist auf die kaputtgesparten Alten- und Pflegeheime zurückzuführen.

Trotz strengen Lockdowns

Trotz strengen Lockdowns kamen die meisten Toten auch in diesen Ländern aus Alten- und Pflegeheimen. Soweit mir bekannt, waren in DE unter den zu geklagenden Todesopfern rd. 40 % Alten- und Pflegeheim-Bewohner. Die Bewohner der Heime wurden quasi wie im Knast gehalten, das Pflegepersonal, welches täglich ein- und ausging, wurde aber bis heute nicht getestet. Für allzu zuverlässig müssen die Test ja nicht gehalten, sonst wäre sicher systematischer vorgegangen worden.

Reisen im permanenten Ausnahmezustand sind riskant

Ein weiteres Mal erstaunt sich die politische Minderheit über die logischen Folgen ihres suboptimalen Handelns und Herumeierns.

Es gibt keine Garantie das nach Reiseantritt das Erholungsgebiet nicht plötzlich zum "Hotspot" deklariert wird.

Wer also die Propaganda so verinnerlicht hat das er an jeder Ecke einen Virenträger wittert und sich vielleicht sogar auf die fragwürdige Placebo-App verläßt wird das Risiko nicht eingehen wollen.

Die medial dauerpräsenten Entgleisungen hochrangiger Politiker bis hin zur Androhung von Zwangsmaßnahmen wie Impfpflichten, Quarantäne und anderen Bestrafungen für die Anwesenheit zur falschen Zeit am falschen Ort kommen hinzu.

So sehr wie sich die Politik mit sich selbst beschäftigt wundert es doch ein wenig das man nicht einmal vorher zu überlegen scheint was man so absondert.