Energie

Union will Atomausstieg aufkündigen

Karsten Wiedemann07. Juli 2009

Oettinger kündigte damit knapp drei Monate vor der Bundestagswahl das Ende des von der rot-grünen Bundesregierung vereinbarten Atomausstiegs an, sollten FDP und Union die Wahl gewinnen. "Für
alle Kernkraftwerke, die dem Stand der Technik entsprechen, werden wir die Laufzeitbeschränkungen aufheben", sagte Oettinger dem "Hamburger Abendblatt". Wenn die technischen Voraussetzungen
stimmten, sei, laut Oettinger, auch der Reaktor in Krümmel "ein Kraftwerk mit Zukunft".

Mit seinen Aussagen geht der CDU-Politiker über die Forderungen des Wahlprogrammes seiner Partei hinaus, in dem die Kernkraft als "Brückentechnologie" bezeichnet wird. Auf die Frage, ob er den
Neubau von Kernkraftwerken in Deutschland ausschließen könne sagte Oettinger: "Für alle Zeiten sollte niemand Aussagen treffen."

Krümmel bleibt für Monate vom Netz

Die Pannen in dem schleswig-holsteinischen AKW bezeichnete der baden-württembergische
Ministerpräsident als "unproblematische Ereignisse"
. Für den Betreiber Vattenfall sind die Vorfälle nun offenbar gravierend genug, um das Kraftwerk in den kommenden Monaten nicht mehr ans
Netz gehen zu lassen. Das Unternehmen teilte am Dienstag mit, dass beide Transformatoren des Kraftwerks durch neue ersetzt würden. "Beschaffung und Austausch der Trafos werden mehrere Monate in
Anspruch nehmen.

So lange wird das Kernkraftwerk nicht wieder ans Netz gehen."

Ein Kurzschluss im Trafo hatte am Samstag zur Abschaltung der Anlage geführt. Vor zwei Jahren hatte ein schwerer Brand, ebenfalls im Trafo, zur 24-monatigen Abschaltung des Kraftwerkes
geführt.

SPD: Union knickt vor Atom-Lobby ein

Inzwischen gab Vattenfall weitere Versäumnisse zu. Ein vorgeschriebenes Überwachungsgerät am betroffenen Transformator sei nicht installiert gewesen. Der Chef des Kraftwerkes Krümmel musste
inzwischen seinen Stuhl räumen.

SPD-Fraktionschef Peter Struck warf Bundeskanzlerin Angela Merkel wegen ihrer sturen Forderung nach längeren Laufzeiten einen "hochgefährlichen Kurs" vor. Nach der

Pannenserie in Krümmel müssten selbst die verbohrtesten Kernkraftbefürworter einsehen, dass Laufzeitverlängerungen oder gar der Neubau von Atomkraftwerken der falsche Weg sei, sagte Struck
der "Neuen Presse". "In Wirklichkeit knickt Frau Merkel hier vor der Atomlobby ein. Es geht um Profit und um sonst nichts", sagte Struck.

Aufruf zum Vattenfall-Boycott

Der SPD-Energieexperte Ulrich Kelber rief Vattenfall-Kunden zu einem Wechsel des Stromanbieters auf. "Vattenfall-Kunden, die das Verhalten des Konzerns für inakzeptabel halten, können zwischen
Dutzenden anderen Stromanbietern wählen und dadurch Druck machen", sagte Kelber dem "Handelsblatt".

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) rief ebenfalls zu einem Wechsel des Stromanbieters auf. "Jetzt besteht die realistische Chance, den schwedischen Konzern zur Aufgabe seines deutschen
Atom-Engagements in Krümmel und Brunsbüttel zu treiben." Echter Ökostrom koste in Berlin nur einen Cent mehr als das Basisangebot von Vattenfall, hieß es von Seiten der DUH.

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