Migration

UNICEF-Studie zeigt die Not der Kinder von Flüchtlingen

Frederik Theiling21. März 2017
In den Jahren 2015 und 2016 flohen schätzungsweise 350.000 Kinder und Jugendliche vor Krieg und Verfolgung mit ihren Familien nach Deutschland. Eine Studie im Auftrag von UNICEF Deutschland versucht jetzt einen Einblick in ihre Lebenssituation zu ermöglichen.

Alle Kinder haben in Deutschland die gleichen Rechte. Das sagt die UN-Kinderrechtskonvention. Doch für viele Kinder und Jugendliche, die mit ihren Familien vor Krieg und Verfolgung nach Deutschland gekommen sind, sieht die Realität anders aus. „Sie warten auf eine dauerhafte Bleibe, auf Zugang zu Bildung oder zu Gesundheitsleistungen, auf Teilhabe an Freizeitaktivitäten oder auf eine Entscheidung über den Ort, an dem sie ihre Zukunft verbringen werden“, so die am Dienstag vorgestellte Studie „Kindheit im Wartezustand“ im Auftrag von UNICEF. Dabei wünschten sich die Kinder und Familien endlich einen Neuanfang, sagte Christian Schneider, Geschäftsführer von UNICEF Deutschland.

Keine kindgerechten Orte

Beim Neuanfang werde es für viele Kinder und Familien problematisch, wie aus der Studie hervorgeht. Kinder und Jugendliche, die ohne Begleitung nach Deutschland gekommen sind, werden von der Kinder- und Jugendhilfe in Obhut genommen. Kommen sie allerdings mit ihren Familien, müssen sie erstmal in Erstaufnahmelagern und Notunterkünften verharren. Diese seien keine kindgerechten Orte, wie die Studie feststellt.

Beengte Verhältnisse, geringe bis keine Privatsphäre, mangelnde Hygiene, Angst vor Gewalt und Übergriffen prägen ihren Alltag. Zudem könne die oftmals abgelegene Lage der Unterkünfte dazu führen, dass den Kindern der Zugang zu Bildung und Teilhabe am sozialen Leben erschwert werde.

Die Probleme seien aber nicht bei allen Unterkünften gleich und es gäbe bei den Bundesländern unterschiede, so Adam Naber vom Bundesfachverband für Unbegleitete Minderjährige Flüchtlinge. Die Studie zeige kein repräsentatives Bild, sondern eine Momentaufnahme, so der Mitautor der Studie. Sie versuche einen Einblick in die Situation der Kinder zu ermöglichen.

Schneider betonte, dass die Studie keine Kritik an den Helfern sei. Die Arbeit in den Kommunen sei beispielhaft, betont Schneider. Vielmehr wolle man auf die beachtliche Leistung aufmerksam machen und aufzeigen „was für Kinder noch verbessert werden kann“.

Das Wohl der Kinder wichtiger als Beschleunigung der Verfahren

Von zentraler Bedeutung sei es, dass alle Kinder und Jugendliche den gleichen, guten Zugang zu Schutz, Versorgung und Bildung erhielten. Um die Situation der Kinder zu verbessern, dürften sie daher nur so kurz wie möglich in Sammelunterkünften untergebracht werden, erklärte Schneider. „Sie müssen so schnell wie möglich Zugang zu Kindergärten, Kitas, Schulen und Ausbildung erhalten.“ Das sei notwendig, damit Integration gelingen kann, so auch Naber. Er fordert: „Die Kinder und Jugendlichen dürfen nicht länger aufgrund ihres Status eingeschränkt werden.“

Momentan sei die Situation so, dass Kinder und Jugendliche aus sicheren Herkunftsländern auf unbegrenzte Zeit während des Asylverfahrens in den Sammelunterkünften bleiben müssten. „Das betrachten wir sehr kritisch“, sagte Naber. Er wünscht sich, dass kindspezifische Fluchtgründe mit in die Bewertung aufgenommen werden. „Aus der Sicht der Kinderrechte ist das Wohl des Kindes wichtiger als die Beschleunigung des Verfahrens.“

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