Medien

Unheilvolle Allianz

Die Redaktion12. Dezember 2007

"Die offene Flanke der SPD - Der Fall Stephan Braun und die Zusammenarbeit von Sozialdemokraten mit Linksextremisten" heißt der Titel einer Schrift von Felix Krautkrämer, die in der "Edition
JF" erschienen ist und ein Verbindungsgeflecht von Sozialdemokraten und Linksextremisten künstlich konstruiert. Pech für die JF, dass sie für ihr Pamphlet den Titel "Studien Extremismus und
Demokratie" missbraucht. Der ist nämlich vom renommierten Nomos Verlag geklaut. Hätte Krautkrämer auf der Nomos-Internetseite
www.extremismus.com gekramt, wäre er auf diesen Hinweis gestoßen: "Junge Freiheit - ein Fall für den Verfassungsschutz".

Stattdessen hat Krautkrämer "Netzwerke" ausgemacht, die angeblich aus der SPD heraus "teilweise unverhohlen, teilweise verdeckt, mit linksextremen Organisationen und Publikationen
zusammenarbeiten", die in verschiedenen Verfassungsschutzberichten auftauchen. Und er vertritt die These, diesen Bündnis-Linken gehe es "allgemein pauschalisierend gegen alles, was rechts der Mitte
ist".

Weiter behauptet Krautkrämer in seiner scheinwissenschaftlichen Ausarbeitung, "mindestens acht der 18 Autoren" des von der "Süddeutschen Zeitung" zur Lektüre empfohlenen Buchs "Die
Wochenzeitung Junge Freiheit" (VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2007) schrieben für linksextreme Verlage oder unterstützten linksextreme Aktionen. Darunter sei der
bnr -Autor Anton Maegerle. Er ist ein bekannter Spezialist für rechtsextreme Umtriebe, auf dessen Fachwissen und Archiv sich viele Medien stützen und
verlassen können. Maegerle, so klagt Krautkrämer an, habe "Verbindungen ins linksextreme Milieu". Auch anderen Autoren des bnr unterstellt er "Sympathie für linksextremistische Bestrebungen und
Gedankengut". Für drei Falschbehauptungen über Maegerle hat die JF auf Antrag des bnr Unterlassungserklärungen abgeben müssen.

Unter der Überschrift "Ich sehe was, was du nicht siehst" verbreitete der Focus die Krautkrämer-Gespinste. Michael Klonovsky, Chef vom Dienst des Magazins und eigenwilliger Autor
verschiedener Bücher, machte sich die JF-Version zu eigen und rückte SPD-Präsidiumsmitglied Ute Vogt, Mitherausgeberin des Buchs über die "Junge Freiheit" und Schirmherrin des "blick nach rechts"
sowie den baden-württembergischen SPD-Landtagsabgeordneten Stephan Braun in linksextreme Zusammenhänge.

Klonovsky, nach eigenem Bekenntnis "keine Parteimitgliedschaft, kein Wahlverhalten", hat auf seiner Homepage www.michael-klonovsky.de schräge Aphorismen veröffentlicht, die auf sein Denken
schließen lassen. "Die sogenannte Vergangenheitsaufarbeitung hat immer mehr von Leichenschändung", formuliert er. Ein anderer Klonovsky-Spruch: "Was für ein Genuss, inmitten des allgemeinen
Toleranz-Blablas einen gebildeten Rassisten zu treffen!"

"Focus" und "Junge Freiheit" hatten auch zusammengewirkt, als es ihnen darum ging, die frisch gewählte Vorsitzende der Jungsozialisten, Franziska Drohsel, zu demontieren. Sie sei eine
linksextreme Aktivistin, verbreiteten die beiden Medien, begleitet von einer Website "stoppt-drohsel.de - dem Extremismus keine Chance". Verantwortlich dafür ist Guido Koch, Vorstandsmitglied der
CDU im brandenburgischen Nuthetal, der sich bei einem Rundfunksender schon über Berichte des bnr-Autors Maegerle beschwert hat, ganz im Sinne der JF.

Tagelang zitierte die JF im Internet genüsslich Stimmen, die den Rücktritt Drohsels verlangten. Tatsächlich war sie Mitglied der "Roten Hilfe", einer Organisation, die nach eigenen Angaben
"politisch Verfolgten aus dem linken Spektrum" Rechtsbeistand anbietet. Hierzu gehören nicht nur gutwillige demokratische Demonstranten, sondern auch Straftäter aus dem Kreis militanter Linker und
Terroristen, mit denen Drohsel politisch nichts zu tun hat. Folgerichtig zog sie sich aus dem Verein zurück. Die Kampagne ging weiter.

Helmut Lölhöffel