Der Durchtrenner des Eisernen Vorhang

Ungarns Ex-Regierungschef Gyula Horn gestorben

Sarah Schönewolf20. Juni 2013

 Gyula Horn ist tot. Durch die symbolische Öffnung des Eisernen Vorhangs war der ehemalige ungarische Außenminister international bekannt geworden. Am Mittwoch starb der frühere Regierungschef Ungarns im Alter von 80 Jahren.

„Deutschland verliert mit Gyula Horn einen besonderen Freund, die SPD einen engen Weggefährten. Ich verneige mich vor einem großen Europäer“, erklärte Sigmar Gabriel am Donnerstag. Der SPD-Vorsitzende würdigt die Verdienste Horns um Europa, der als Außenminister Ungarns maßgeblich an der Öffnung des Eisernen Vorhangs 1989 beteiligt war. Gabriel: „Als Ministerpräsident hat er das Zusammenwachsen Europas entscheidend vorangetrieben.“

Horn war international durch seine symbolische Öffnung des Eisernen Vorhangs berühmt geworden. Am 27. Juni 1989 hatte der damalige ungarische Außenminister gemeinsam mit seinem österreichischen Amtskollegen Alois Mock den Stacheldraht an der Grenze zwischen Ungarn und Österreich durchschnitten.

Reformer und Sozialdemokrat

Die „grüne Grenze“ war offen: Zehntausende DDR-Bürger nutzten sie zur Flucht in den Westen. Im September 1989 gestattete Ungarn den festsitzenden DDR-Flüchtlingen offiziell die Ausreise, was Horn im Fernsehen mitteilte. Der folgende gewaltige Ausreisesturm führte letztlich zum Fall der Berliner Mauer.

Nach der Wende trug Horn entscheidend zur Reformierung der kommunistischen Einheitspartei bei und wurde 1990 Vorsitzende der aus ihr hervorgegangenen Ungarischen Sozialistischen Partei (MSZP). Nachdem die MSZP bei den zweiten freien Parlamentswahl in Ungarn die meisten Stimmen erlangt hatte, wurde Horn von 1994 bis 1998 Ministerpräsident Ungarns.

Während seiner Amtszeit in einer Mitte-Links-Regierung setzte er auf einen restriktiven Sparkurs und auf Wirtschaftsreformen, um den drohenden Staatsbankrott zu verhindern. Seine Wiederwahl scheiterte 1998.

In der Öffentlichkeit trat Horn zuletzt anlässlich seines 75.Geburtstags 2007 an der Seite Michail Gorbatschows auf, mit dem er das WorldPoliticalForum gründete. Im gleichen Jahr erlitt er einen gesundheitlichen Zusammenbruch und fiel ins Koma, aus dem er nicht mehr erwachte.