Netzkultur

„Tweef“: Diese Menschen haben den Twitter-Krieg gegen Trump überlebt

Paul Starzmann02. August 2017
Donald Trump
Breatungsresistent: Präsident Donald Trump lobt sich gerne selbst, mit Kritik kann er nicht so gut umgehen.
Kräftig austeilen, das kann Donald Trump auf Twitter. Gut einstecken dafür weniger. Wird der dünnhäutige US-Präsident zu sehr provoziert, reagiert er immer auf dieselbe Art. Nicht nur Bestseller-Autor Stephen King kann eine Geschichte davon erzählen.

34.500 – so viele Kurznachrichten hat Donald Trump abgesetzt seit er im März 2009 seinen Twitter-Kanal eröffnet hat. Das sind im Schnitt rund 14 Tweets am Tag. Trumps Online-Botschaften könnten ganze Bücher füllen.

Trump im Weißen Haus: wenig Zeit zum Fernsehen

Möglicherweise werden sie das auch bald: Nach dem „Presidential Records Act“ von 1978 muss das Weiße Haus sämtliche Korrespondenz des Präsidenten archivieren. Trumps nächtliche Tiraden, seine Rechtsschreibfehler, das Eigenlob – all das könnte bald ins Washingtoner Nationalarchiv wandern. Neben den Briefen John F. Kennedys oder den Notizen Abraham Lincolns dürften dann auch tiefsinnige Wahrheiten wie diese für die Nachwelt festgehalten werden: „Ich habe sehr wenig Zeit zum Fernsehen.“

Wenn sich Trump ärgert, dann kommt er auf Twitter allerdings richtig in Fahrt. Schon als er nur irgendein Prominenter, eines von vielen studiogebräunten Fernseh-Gesichtern war, suchte er andauernd Streit. Legendär ist seine Auseinandersetzung mit der TV-Moderatorin Rosie O’Donnell, die er immer wieder als „dumm“ oder „Verliererin“ beschimpfte, wenn sie ihn öffentlich kritisierte.

Trumps Kabinett: „ass-kissing“ für Fortgeschrittene

Was Trump und O’Donnell seit Jahren pflegen, hat einen Namen: „Tweef“ – zusammengesetzt aus den Wörtern „Twitter“ und „Beef“, einem amerikanischen Slang-Ausdruck für „Streit“. Obwohl Trump und Rosie O’Donnell ihre Feindschaft offen austragen, erreichte ihr „Tweef“ bislang allerdings nie die höchste Eskalationsstufe. Anders ist es bei dem amerikanischen Schriftsteller Stephen King.

Der Autor hat es gewagt, per Twitter die Regierung zu kritisieren. Lange vor der Wahl hatte er schon bissige Kommentare über Trump abgelassen. Im Juni 2017 schrieb er dann, Trumps Kabinett biete Kurse im „ass-kissing“ für Fortgeschrittene an. Er bekam dafür mehr als 27.000 Likes. Für Trump aber war damit das Maß voll: Er blockierte Stephen Kings Twitter-Account. Der kann nun keine Tweets mehr von @realdonaldtrump empfangen – und müsse sich deshalb wohl umbringen, teilte der Meister der Horror-Geschichten seinen Followern mit.

Trump: „Ich bin 10 Milliarden Dollar wert“

Ebenso blockiert ist inzwischen der amerikanische Autor und Fernsehmoderator Touré, der sich nach eigenen Angaben schon 2013 alle Mühe gab, Trump per Twitter zur Weißglut zu treiben. Der Präsident sei damals nicht mehr als „New Yorks Dorftrottel“ gewesen, allerdings einer mit großer Klappe, erzählte Touré in der „Daily Show“. Immer wieder habe er gegen Trump gestichelt: „Sie haben viermal Insolvenz angemeldet.“ Trump habe zunächst nicht reagiert – dann aber voller Wut geantwortet: Er beschimpfte Touré als „dummen rassistischen Idioten“. Mehr als zehn Milliarden Dollar sei er schwer, beteuerte Trump. Von finanziellen Problemen könne also keine Rede sein. Touré legte nach: „Ist es nicht komisch, dass Sie so viel Geld haben und sich trotzdem keine Würde leisten können?“ „The Donald“ reichte es: Er drückte den Blockier-Button. Touré ist laut „Daily Show“ nun offiziell ein Überlebender des Twitter-Kriegs gegen Trump.

Für Menschen wie Stephen King oder Touré ist es natürlich eine Auszeichnung, vom Präsidenten auf Twitter gesperrt zu werden. Inzwischen gibt es sogar ein Hashtag #blockedbytrump, unter dem die Betroffenen ihre Geschichten erzählen. Oft braucht es nicht viel, um geblockt zu werden. Manchmal ist es aber auch schwer nachzuvollziehen, warum der Präsident auf einmal mit einer Blockade reagiert.

Wem folgt @realdonaldtrump?

Etwa im Fall des Models Chrissy Teigen, die Trump schon länger mit ironischen Kommentaren nervt. Zum Beispiel als der Präsident im Februar ankündigte, „das Böse“ aus dem Land zu verdammen: Teigen bot damals an, ihm ein Taxi zu bestellen – vermutlich zum Flughafen. Trump blieb jedoch gelassen, es gab keine Reaktion. Anders im Juli: Als sich der Präsident per Twitter über die mangelnde Unterstützung seiner eigenen Partei beschwerte, schlug Teigen wieder zu – mit einem Erklärungsversuch für Trumps politische Schwierigkeiten: „lol, no one likes you“, twitterte sie. Das war dann doch zu viel für den Präsidenten: Teigen wurde mit sofortiger Wirkung geblockt.

Rund 35 Millionen Menschen folgen @realdonaldtrump auf Twitter – darunter nicht nur Anhänger. Da überrascht es nicht, dass der umstrittene Präsident viel Kritik in seine Timeline gespült bekommt. Damit gut umgehen kann er aber offenbar nicht. Das zeigt schon, wem er auf Twitter folgt: Nur 45 Accounts sind es, die sich Trump jeden Tag genauer ansieht. Darunter die seiner Kinder und seiner Ehefrau Melania sowie die Kanäle regierungstreuer Journalisten. Sie alle loben den Präsidenten in höchsten Tönen – kein Wunder, sie wollen ja nicht geblockt werden.

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