45. US-Präsident

Wie Trump die USA in Geiselhaft nehmen könnte

Paul Starzmann06. Januar 2017
In zwei Wochen ist es so weit: Dann wird Donald Trump als 45. Präsident der USA vereidigt. Was damit auf die Welt zukommt, können selbst Experten kaum einschätzen. Ein Blick in Trumps Vergangenheit lässt nichts Gutes ahnen.

Die Frisur, die kleinen Hände, der orange Farbton seiner Haut – während des US-Wahlkampfs überboten sich amerikanische Kabarettisten mit Scherzen über Donald Trumps Aussehen. Das Lachen ist jedoch vielen mittlerweile vergangen – mit dem Wahlsieg des schillernden Geschäftsmanns scheint die Satire der Late-Night-Shows inzwischen von der Realität eingeholt worden zu sein.

Einsatz von Atomwaffen? Vielleicht.

Ab dem 20. Januar wird der Rechtspopulist Trump als Oberbefehlshaber der amerikanischen Streitkräfte der mächtigste Mann der Welt sein – und damit auch das Kommando über das gesamte Atomwaffenarsenal der USA haben.

Beunruhigend ist dabei vor allem, dass niemand weiß, wie Trump zum Einsatz von Massenvernichtungswaffen steht. Während seiner Kampagne gab er Widersprüchliches von sich: Im März 2016 zeigte er sich im Interview mit der „New York Times“ besorgt über die weltweite Verbreitung nuklearer Waffen. Einen Monat später sagte er dem US-Sender NBC, er sei die letzte Person, die solche Waffen einsetzen wolle. „Aber ich würde es auch niemals ausschließen.“

Vergleich für 25 Millionen Dollar

Das Phänomen Trump zu beurteilen gilt spätestens seit seinem Überraschungssieg als schwierig, wenn nicht gar unmöglich. Zu oft lagen selbst ausgewiesene Kenner der US-Politik im Wahljahr 2016 mit ihren Prognosen daneben. Einer, der jedoch glaubt, Donald Trump ganz gut einschätzen zu können, ist der Journalist David C. Johnston, Träger des renommierten Pulitzer-Preises. Seit knapp 30 Jahren beobachtet er den umstrittenen Geschäftsmann. In seinem Buch „The Making of Donald Trump“ reiht Johnston unzählige Korruptionsskandale auf, in die der Immobilien-Mogul über die Jahre verwickelt war. Immer wieder schaffte es Trump, sich dabei herauszuwinden.

Ein prominenter Fall war die 2005 gegründete „Trump University“, an der angeblich Immobilienmakler ausgebildet werden sollten. Ganz offensichtlich war die vermeintliche Universität jedoch nichts anderes als ein „scam“, eine Betrugsmasche, mit der ahnungslosen Kunden Tausende von Dollars abgeknöpft wurden. Deshalb ermittelten auch die Justizbehörden gegen Trump, darunter die Generalstaatsanwaltschaft des Bundesstaats Texas. Die Ermittlungen wurden jedoch vom Chef der Behörde, Greg Abbott, 2013 abgebrochen – Abbott wollte zum Gouverneur von Texas gewählt werden und hatte für seine Kampagne 25.000 Dollar von der Donald J. Trump Foundation erhalten. In den restlichen Verfahren hat sich Trump nach seiner Wahl zum Präsidenten nun auf einen Vergleich eingelassen – gegen eine Zahlung von insgesamt 25 Millionen Dollar an die Opfer seines betrügerischen Geschäftsmodells.

Kommt der Staat in Geiselhaft?

Der Fall „Trump University“ gilt als beispielhaft für die vielen schmutzigen Deals und Korruptionsaffären, die sich durch Trumps Werdegang ziehen. In Trumps Leben, so Johnston, drehe sich alles nur um Trump, sein persönlicher und finanzieller Vorteil gehe ihm über alles. Wer sich ihm in den Weg stellt, dem schwöre Trump gerne auch mal in aller Öffentlichkeit ewige Rache.

Egozentrik, Verbindungen in die New Yorker Unterwelt, Abzock-Geschäfte, Gier und ein Hang zum Protz – die Persönlichkeit Trumps erinnere mehr an einen Diktator als an einen demokratisch gewählten Präsidenten, findet Trevor Noah, der seit 2015 die legendäre „Daily Show“ im amerikanischen Fernsehen moderiert. In seiner Sendung verglich er Trumps Statements mit Zitaten afrikanischer Despoten. Sein Fazit: Es bestehe die reale Gefahr, dass Trump es bald manchen afrikanischen Staatschefs gleichtun werde – indem er die Präsidentschaft vor allem dazu nutzt, seinen persönlichen Profit zu maximieren. „State capture“ heißt das auf Englisch – der Staat in Geiselhaft.

Widerstand ab dem 20. Januar

Damit es nicht so weit kommt, ruft der Filmemacher Michael Moore zum Widerstand gegen Trump auf. Für die Amtseinführung am 20. Januar wird bereits zu Gegendemos mobilisiert. Moore rät allen Gegnern des Republikaners, sich gut auf die kommenden vier Jahre vorzubereiten und für alle Fälle einen Plan B bereitzuhalten: „So schlimm du dir es auch vorstellst – es wird noch schlimmer kommen.“

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