Zum Tode von Susanne Miller

Vera Rosigkeit02. Juli 2008

Das Schreiben:

"Die deutsche Sozialdemokratie trauert um Susanne Miller, die heute im Alter von 93 Jahren in Bonn verstorben ist.

Wir verlieren mit unserer langjährigen Genossin eine zuverlässige Mitstreiterin und eine profilierte Wissenschaftlerin, die sich als herausragende Kennerin der Geschichte der Arbeiterbewegung
einen Namen gemacht hat.

Susanne Miller hatte im Laufe ihres langen wissenschaftlich und politisch erfüllten Lebens viele Ämter in der Partei inne. Die Arbeit der Historischen Kommission des Parteivorstandes hat sie
über Jahre hinweg geprägt.

Sie hat sich seit frühester Jugend, die sie in einem konservativen, jüdischen Elternhaus in Wien und Sofia verbrachte, in der sozialistischen Arbeiterbewegung engagiert. Ihr politisches
Bewusstsein war früh erwacht - der Kampf gegen den aufkommenden Nationalsozialismus in Wien war dabei das entscheidende Motiv.

1934 war sie nach London emigriert und hatte sich dort der Bewegung des Leonard Nelson und seinem Internationalen Sozialistischen Kampfbund angeschlossen.

Aus den Erfahrungen der Unfreiheit resultierte ihre lebenslange wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Freiheitsbegriff. Ihr Leben war der "Freiheit verpflichtet" - zuerst im Kampf
gegen die Nationalsozialisten in Österreich und dann im Exil in England.

Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg, nach ihrer Rückkehr nach Deutschland, trat sie 1946 in die SPD ein. Sie wurde Vorsitzende der SPD-Frauen im Bezirk Mittelrhein und 1948 auch in den
zentralen Frauenausschuss der Partei aufgenommen. Susanne Miller war an der Erarbeitung des "Godesberger Programms" an der Seite ihres Mannes Willi Eichler entscheidend beteiligt. Sie sah das
Godesberger Programm als entscheidenden Fortschritt an: Damals habe sich die SPD zu dem bekannt, was sie in Wirklichkeit schon immer gewesen sei: "eine demokratische, soziale Reformpartei, die in
Konkurrenz oder in Zusammenarbeit mit anderen Parteien, Staat und Gesellschaft gestalten will."

Mit ihrem Lebenswerk hat Susanne Miller überzeugend deutlich gemacht, dass die Sozialdemokratie stolz sein kann auf ihre Geschichte. Sie hat mit ihrem Wirken dazu beigetragen, die Erinnerung
an Unfreiheit und Diktatur wach zu halten, und immer dazu ermutigt, sich für mehr Demokratie und Freiheit einzusetzen und Verantwortung für sich und andere zu übernehmen.

Die SPD hat Susanne Miller viel zu verdanken und vieles davon wird über den Tag hinaus Bestand haben. Wir werden sie nicht vergessen und ihr ein ehrendes Andenken bewahren."

Foto: AdsD/FES-Archiv