Nachruf

Zum Tod von Walter Edenhofer: ausgezeichnet durch herausragende Menschlichkeit

Rudolf Dreßler26. November 2020
„Soziale Gerechtigkeit“ war für Walter Edenhofer nicht eine karitative Geste, so wichtig diese auch sein mag. Sie war für ihn der gesetzlich garantierte Anspruch, schreibt Rudolf Dreßler.
„Soziale Gerechtigkeit“ war für Walter Edenhofer nicht eine karitative Geste, so wichtig diese auch sein mag. Sie war für ihn der gesetzlich garantierte Anspruch, schreibt Rudolf Dreßler.
Über Jahrzehnte hat Walter Edenhofer als Arbeitnehmersekretär des SPD-Parteivorstandes die Geschicke der AfA bestimmt und die Verbindungen der SPD zu den Gewerkschaften organisiert. Nun ist er im Alter von 89 Jahren gestorben.

Am 23. November 2020 ist Walter Edenhofer in einem Bonner Krankenhaus gestorben. Die Todesanzeige der Familie, erinnert mit einem entscheidenden Satz daran, welche gesellschaftspolitische Strahlkraft seine Persönlichkeit für uns hatte: „Sein Leben war ein Wirken für mehr soziale Gerechtigkeit.“

Es war schwer vorstellbar, dass er einfach geht

„Soziale Gerechtigkeit“ war für Walter Edenhofer nicht eine karitative Geste, so wichtig diese auch sein mag. Sie war für ihn der gesetzlich garantierte Anspruch; die gesellschaftliche Teilhabe. In ungezählten Beiträgen, in Reden und Aufsätzen hat er diesen Anspruch gefordert, hat ihn erklärt und beschrieben. Etwa die Erinnerung, dass das Bundessozialhilfegesetz von 1962 den Almosencharakter der Fürsorge in einen Rechtsanspruch auf ein menschenwürdiges Dasein umwandelte.

Wer mit Walter Edenhofer zusammen arbeiten durfte, wer ihn erlebte, zumal über viele Jahre, wird verstehen wenn ich formuliere: Es ist schwer vorstellbar, dass eine Persönlichkeit wie Walter Edenhofer einfach geht. Sein Lebenswerk zeichnet sich auf vielen Gebieten durch eine herausragende Menschlichkeit aus. Nachhaltig ist sein Engagement, tief sind die Spuren, die seine Arbeit hinterlassen hat. Dass ich Walter Edenhofer kennenlernen durfte, dass ich den Vorzug hatte mit ihm jahrelang politisch zusammen zu arbeiten, dafür bin ich dankbar.

+++ Wenn man viele Jahre für eine Sache gestanden hat,

+++ in unterschiedlichen Rollen für diese Sache gestritten hat,

+++ Erfolge gemeinsam auch so benennen konnte,

+++ das Gegenteil von Erfolg nicht schöner geredet hat als es war,

+++ und sagen kann "ohne Zerwürfnis, ohne Streit", dann ist das

nicht wenig.

persönliche Bescheidenheit, menschliche und politische Größe

Von seinen vielen Ehrungen will ich nur an die Verleihung des Bundesverdienstordens 1. Klasse im Jahre 1997 erinnern. Von Bundespräsident Roman Herzog verliehen und vom damaligen Ministerpräsidenten Johannes Rau überreicht, lautete die Begründung u.a.: "Für sein außergewöhnliches gesellschafts-politisches Engagement."

Walter Edenhofer wurde 89 Jahre alt. Zur Vollendung seines 60. Lebensjahres hat der erste AfA-Vorsitzende und ehemalige Bundesminister Helmut Rohde u. a. formuliert: "Walter Edenhofer hat uns ein Beispiel dafür gegeben, dass persönliche Bescheidenheit menschliche und politische Größe sein kann."

Auch wenn wir von Walter Edenhofer Abschied nehmen müssen, wird unser politisches Engagement seinen Zielen verpflichtet bleiben.

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