Glosse

Tag der Arbeit: Darum ist der 1. Mai 
so gefährlich

Martin Kaysh29. April 2016
Man hat es nicht leicht mit diesem weltlichen Feiertag, dem Tag der Arbeit: Am 1. Mai demonstrieren Neonazis, es gibt massenhaft Schwerverletzte. Aber das Schlimmste ist: Er ist diesmal kein Brückentag!

Google kommt nicht aus der Arbeiterbewegung. Wenn du die Suchmaschine nach dem aktuellen Maimotto fragst, glaubt sie, dass du nach einem Abi-Motto suchst und nur zu blöd zum Eintippen bist. Sie spuckt als Ergebnis aus: „Wir grüßen uns freundlich“. Äh. Zwar ziehen nur noch wenige Teilnehmer auf der Maidemo dem Morgenrot entgegen. Aber ist der DGB mittlerweile so offenherzig nichtssagend? Aufatmen. Die Grüße entpuppen sich als Monatslosung einer Schule.

Der Tag der Arbeit - kein Brückentag

Man hat es nicht leicht als Anhänger dieses weltlichen Feiertags. Christliche Feste wie Fronleichnam fallen immer auf einen Donnerstag. Das macht sie zum Brückentag und bei Arbeitnehmern beliebt. Und der 1. Mai 2016? Ein Sonntag. Kein Geländegewinn.

Sozialpartnerschaft hin oder her. Der DGB sollte unbedingt und unverzüglich fordern, dass der Tag der Arbeit immer auf den ersten Donnerstag im Mai fällt.

Eines tröstet mich. Wissenschaftler haben festgestellt: Der 1. Mai ist gefährlich. Er ist es nur leider nicht für Arbeitgeber, nennen wir sie ruhig, feiertäglich, Kapitalisten. Wer die sozial- und ruheverträglichen Maireferate kennt, die von stellvertretenden Bezirksleitern kleiner Einzelgewerkschaften flächendeckend gehalten werden, weiß davon ein Schlaflied zu singen.

Das Rechtspack hängt sich an den 1. Mai

Gefährlicher sind die Veranstaltungen dieses Rechtspacks, das sich an den Tag der Arbeit dranhängt. Sie sind zum Kotzen. Schon lange überlege ich, ob ich mir ihre Parolen wie „Deutschland den Deutschen“ urheberechtlich schützen lasse und dann mit einer Horde von Abmahnanwälten gegen deren illegalen Gebrauch vorgehe. Das Zivilrecht ist in diesem Land immer noch schlagkräftiger als das Strafrecht.

Wir leben in einem Rechtsstaat, der auch mal komisch wirkt. Fröhlichsein am Karfreitag ist auch in geschlossenen Räumen verboten, aus Rücksicht auf christliche Sitte. Man darf nicht in Gruppen tanzen oder den Film „Das Leben des Brian“ schauen. Aber als Nazi darf man am Tag der Arbeit nicht nur still und leise strunzdumm sein, man darf es auch laut und auf der Straße demonstrieren.

Die meisten Schwerverletzten im Jahr

Zurück zur Gefahr. Am 1. Mai werden die meisten Schwerverletzten in Krankenhäuser eingeliefert, hat die Uni Witten festgestellt. Das hat nichts mit den auch schon traditionellen Maikrawallen in Berlin zu tun und schon gar nicht mit den DGB-Kundgebungen. Das hat einfache Gründe: Motorradfahrer, noch wintersteif, ballern jetzt wieder durch die Landschaft und treffen auf trunkene Wanderer, die mit ihrem Ausflug nicht bis zum Vatertag, vulgo: Christi Himmelfahrt, warten wollen.  „Eine ungute Kombination“, sagt der Leiter der Studie lakonisch.

Übrigens habe ich beim DGB nachgefragt. Motto 2016 ist: „Zeit für mehr Solidarität – viel erreicht und noch viel vor.“ Das muss man nicht wissen. Wo doch viele Nazis glauben, zu Ostern habe der Jesus die Eier versteckt, und sich trotzdem für einen Teil der abendländischen Kultur halten.

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