Rechtsextremismus

#Stinkefinger: Fingerzeig von Sigmar Gabriel sorgt für Wirbel

Robert Kiesel17. August 2016
Sigmar Gabriel zeigt Neonazis den #Stinkefinger
Klare Gestik: SPD-Parteichef Sigmar Gabriel zeigt mutmaßlichen Neonazis in Salzgitter den Stinkefinger.
Bei einem Termin in Salzgitter beschimpfen Rechtsextremen Sigmar Gabriel als „Volksverräter“. Der SPD-Chef reagiert deutlich und löst im Netz und darüber hinaus eine kontroverse Debatte aus.

Es ist die zweite Aktion binnen weniger Tage, die der SPD in der Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus einige Aufmerksamkeit beschert. Nach einem Sozialdemokraten aus Berlin ist es nun Parteichef Sigmar Gabriel, der mit seiner unmissverständlichen Geste für Schlagzeilen sorgt.

Gabriel zeigt Rechtsextremen den #Stinkefinger

Das war passiert: Bereits am vergangenen Freitag war Gabriel zu Gast im eigenen Wahlkreis, absolvierte mehrere Termine, unter anderem in Salzgitter. Dort wurde ihm und seinen Begleitern gezielt von einer Gruppe vermummter Neonazis aufgelauert. Diese riefen Parolen wie „Volksverräter“ oder „Wer hat uns verraten, Sozialdemokraten“, warfen Gabriel vor, Deutschland zu „zerstören“.

Die Reaktion Gabriels, festgehalten in einem Video, das zuerst auf der Facebook-Seite der Jungen Nationaldemokraten Braunschweig gepostet und später durch die Gruppe „Antifa Kampfausbildung e.V.“ bearbeitet wurde: Zunächst lächelt er milde, beruhigt einen seiner Begleiter mit einer abwinkenden Handbewegung, ehe er schließlich den Mittelfinger in Richtung der Angreifer reckt und sich von ihnen abwendet.

Hunderttausende Klicks bei Facebook und Co

Nachdem das Video am Dienstag veröffentlicht und kurz darauf von verschiedenen Medien aufgegriffen wurde, rennt die Aktion nun durch die sozialen Netzwerke. Allein auf der Facebook-Seite der Rechtsextremen aus Braunschweig wurde der Clip mittlerweile mehr als 218.000 geklickt.

Unter dem Hashtag #Stinkefinger tobt insbesondere auf dem Kurznachrichtendienst Twitter die Debatte darüber, ob die Reaktion Gabriels angemessen war oder nicht. Mehrere Nutzer nutzten die Geste Gabriels für Animationen, die den Mittelfinger Gabriels in Richtung der Pöbler in Endlosschleife zeigen.

Gabriel erntete Zustimmung und Lob

Während Gabriel aus den Reihen seiner Partei für die klare Geste in Richtung der Neonazis Zustimmung erntet, zeigen andere Nutzer ihre Solidarität mit dem SPD-Chef auf ganz eigene Weise:

Und selbst die politische Konkurrenz sprang Gabriel zur Seite. Grünen-Chef Cem Özdemir postete in dessen Richtung:

Daneben gibt es auch Kommentatoren, die Gabriels Geste als nicht ministerwürdig kritisieren. Ein Vizekanzler habe in jeder Situation ein Vorbild zu sein. Gabriel jedoch steht zu seiner Reaktion. „Natürlich hält auch Sigmar Gabriel die Geste nicht für eine angemessene Form der Alltagskommunikation. Aber die war mit brüllenden und offenbar gewaltbereiten Neonazis auch nicht möglich“, heißt es in einer Antwort-E-Mail aus dem Willy-Brandt-Haus auf eine Bürgeranfrage. Die Neonzais hätten jeden Gesprächsversuch niedergeschrien. „Auch Minister und SPD-Vorsitzende sind nur Menschen. Angesichts der massiven Beleidigungen der Person und auch der Familie von Sigmar Gabriel war die Geste schlicht eine emotionale Reaktion, zu der Sigmar Gabriel auch steht.“

#Stinkefinger steht in der „Heidenau-Tradition“

Gabriel hatte sich bereits vor fast genau einem Jahr, kurz nach den rassistischen Krawallen rund um eine temporäres Asylbewerberheim im sächsischen Heidenau, klar positioniert und damit eine breite gesellschaftliche Debatte angestoßen. Diejenigen, die mit Gewalt gegen Flüchtlinge und Polizisten vorgehen und schwerste Verletzungen bis hin zum Tod in Kauf nähmen, hatte Gabriel damals als „Pack“ bezeichnet. Mit Bezug auf diese Äußerung wird er insbesondere aus den Reihen rechtsextremer und rechtspopulistischer Gruppierungen bis heute scharf kritisiert und attackiert.

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Kommentare

Stinkfinger von Herrn Gabriel

Der Stinkefinger ist nicht die feine Art, aber es war ein klares Zeichen gegen Rechts.
Respekt!

#Stinkefinger: Fingerzeig von Sigmar Gabriel sorg für Wirbel

Man kann als Demokratischer Sozialist und vor allem als Ökologischer Sozialist Sigmar Gabriel für 1.000 Dinge mit allem Recht kritisieren. Für seinen Fingerzeig/Stinkefinger gegenüber den reaktionären Rechten muss man ihn ausdrücklich loben! Es ist gut, dass er hier als politischer Mensch reagiert hat und nicht als stromlinienförmiger, kalkulierender, teflonbeschichteter Politprofi! Die Devise gegenüber den Rechten kann nur lauten: Glaceehandschuhe ausziehen und argumentativen und auch symbolischen Kampfanzug anziehen.

Helmut Gelhardt, Neuwied-Engers

Stinkefinger

1.) den Stinkefinger, wem er gebührt;

2.) gibt es keine anderen Probleme, über die es sich für die Presse lohnt, sich aufzuregen,

3.) hätte Schäuble gegenüber Varoufakis den Stinkefinger gezeigt, wäre dies von den "Qualitätsmedien" sogar begrüßt worden.

Vizekanzler Gabriel zeigte sich dünnhäutig und distanzlos!

Also nicht gerade das, was einen möglichen Sptizenkandidaten der SPD für die Bundestagswahl 2017 auszeichnet.

Vielleicht machte und macht sich Vizekanzler Gabriel damit in einer Art selbsterfüllender Prophezeiung selbst so unmöglich, dass man ihn dann erst gar nicht als Spitzenkandidat aufstellt.

Andererseits wurde und wird in der SPD fast immer nur höchstmöglich moralisiert, aber selten oder gar nicht analysiert. Das passt dann wieder.

Stinkefinger

Gut gemacht, Sigmar!

Stinkefinger

Nicht fein aber verständlich.