Staatsakt in Berlin

Steinmeier würdigt von Weizsäcker als Mann des Friedens

Lars Haferkamp11. Februar 2015
Mit einem Trauerstaatsakt hat die Republik in Berlin Abschied genommen vom früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker. In seiner Trauerrede im Berliner Dom würdigte Außenminister Frank-Walter Steinmeier den Verstorbenen: "Richard von Weizsäcker hat der Welt neues Vertrauen in unser Land gegeben."

"Von diesem Vertrauen zehrt unser Land bis heute", so Steinmeier. "Richard von Weizsäcker hat Deutschland Wahrhaftigkeit zugemutet: Befreiung, nicht Niederlage. 1945 nicht ohne 1933." Mit seinen Worten am 8. Mai 1985 vor dem Bundestag in Bonn habe er vollendet, was mit dem Kniefall Willy Brandts in Warschau begonnen habe. "Nur aus Richard von Weizsäckers Mund konnten diese Worte wirken, wie sie wirkten. Seine Worte waren wahrhaftig vor Jung und vor Alt, vor Deutschland und vor der Welt, weil sie wahrhaftig vor ihm selbst waren!"

Der Außenminister wies vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Kriege und Krisen in der Welt auf die Bedeutung des Wortes hin: "Nicht Armeen, nicht Krieg, nicht Zwang – sondern das Wort kann den Lauf der Dinge prägen. Wie lebenswichtig ist diese Hoffnung gerade in der heutigen, stürmisch-bedrohlichen Zeit!"

Der Freund des Wortes ist der Freund des Friedens

Für Richard von Weizsäcker habe immer auch "im Wort die Hoffnung auf Frieden" gelegen. "Der Staatsmann Richard von Weizsäcker hat diese Hoffnung vorgelebt." Er habe es niemals beim reinen Wort belassen, sondern stets zu ergründen versucht, wie aus dem Wort Wirklichkeit wird. Steinmeier erinnerte an das Wort Richard von Weizsäckers: "Der Freund des Gespräches ist der Freund des Friedens." Der Außenminister zitierte als Vermächtnis von großer Aktualität den Aufruf von Weizsäckers vom  8. Mai 1985 an die Jugend: "Lernen Sie, miteinander zu leben, nicht gegeneinander."

Neben Frank-Walter Steinmeier sprachen Bundespräsident Joachim Gauck, Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und die frühere Bundestagsvizepräsidentin Antje Vollmer. 1400 Gäste waren anwesend, darunter Österreichs Bundespräsident Heinz Fischer, die frühere niederländische Königin Beatrix und Polens Ex-Präsident Lech Walesa. Der Trauergottesdienst wurde vom Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, geleitet. Die Predigt hielt der frühere Berliner Bischof Martin Kruse.

Beisetzung auf dem Berliner Waldfriedhof Dahlem

Bundespräsident Joachim Gauck hatte für den am 31. Januar im Alter von 94 Jahren Verstorbenen den Trauerstaatsakt angeordnet. Alternativ wäre auch ein Staatsbegräbnis möglich gewesen, bei dem die Würdigung des Verstorbenen auf dem Friedhof direkt am Grab erfolgt. Die Familie wollte jedoch die Beerdigung im Familien- und Freundeskreis vollziehen und hatte daher einen Staatsakt erbeten.

Richard von Weizsäcker wird auf dem Waldfriedhof Dahlem beigesetzt. Nach Bundespräsident Johannes Rau ist er damit das zweite Staatsoberhaupt der Bundesrepublik, das seine letzte Ruhe in der Hauptstadt Berlin findet.

Nach dem Staatsakt im Dom findet ein Trauerempfang des Berliner Senats im Roten Rathaus statt. Richard von Weizsäcker war vor seiner Wahl zum Bundespräsidenten (1984-1994) Regierender Bürgermeister von Berlin (1981-1984). Darüber hinaus war er Ehrenbürger Berlins.

 

 

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