Probleme auf der Insel

Start am 1. Juni: Warum die Sylter SPD auf das 9-Euro-Ticket hofft

Kai Doering01. Juni 2022
Bahnhof Westerland auf Sylt: Das Bahnchaos ist hier auch ohne 9-Euro-Ticket Programm.
Bahnhof Westerland auf Sylt: Das Bahnchaos ist hier auch ohne 9-Euro-Ticket Programm.
Bereits seit Wochen gibt es Gerüchte, dass Reisende mit dem 9-Euro-Ticket Sylt überfluten könnten. Die SPD vor Ort bleibt entspannt – und hofft, dass mit dem Ticket die wahren Probleme der Insel sichtbar werden.

„Wer mit dem Privatflieger einschwebt, ist kein besserer Mensch als der Gast mit dem preiswerten Bahnticket“, sagt Peter Marnitz. Der Vorsitzende des SPD-Ortsvereins auf Sylt ist genervt über die Debatte, die das 9-Euro-Ticket über die Nordsee-Insel gebracht hat. Das Insel-Marketing hatte bereits Anfang Mai vor einem „Ansturm“ durch die günstige Fahrkarte gewarnt, für den Sylt „nicht optimal (aus) gerüstet“ sei.

Das Bahnchaos ist der Normalzustand

Bei vielen sei so der Eindruck entstanden, die „Insel der Schönen und Reichen“ wolle nichts mit Touristen zu tun haben, die mit dem Billig-Ticket anreisen. In sozialen Netzwerken gründeten sich Gruppen, die zu „Chaostagen“ und gemeinsamen Reisen auf die Insel aufrufen. Wie ernst das Ganze gemeint ist, bleibt abzuwarten.

„Wir heißen jeden Gast willkommen, egal wie teuer seine Anreise ist“, stellt SPD-Chef Marnitz klar, der seit vielen Jahren auf Sylt lebt. Probleme beim Bahnverkehr sehen allerdings auch die Sylter Sozialdemokrat*innen. Die hätten jedoch nichts mit dem 9-Euro-Ticket zu tun. „Zu den Stoßzeiten morgens und abends ist beim Bahnverkehr hier das Chaos der Normalzustand“, beschreibt Holger Weirup die Lage rund um den Bahnhof von Westerland. Weirup ist Vorsitzender der SPD-Fraktion in der Sylter Gemeindevertretung.

Bezahlbarer Wohnraum aus Hauptaufgabe

Rund 5.500 Menschen pendelten jeden Tag morgens vom Festland auf die Insel und am Abend zurück – Menschen, die auf Sylt im Tourismus arbeiteten, als Handwerker*innen oder in sozialen Berufen, aber nicht auf der Insel wohnen könnten. Den Grund dafür nennt Gerd Nielsen. „Es wird für Normalverdiener immer schwieriger, bezahlbaren Wohnraum zu finden“, weiß der Vorsitzende des Wohnungsbauausschusses in der Gemeindevertretung. „So müssen immer wieder Familien aufs Festland ziehen und es kommen kaum Arbeitnehmer auf die Insel.“ Bezahlbaren, dauerhaften Wohnraum zu schaffen sei daher die wichtigste Aufgabe auf Sylt für die kommenden Jahre.

Die Sylter SPD setzt deshalb auch gewisse Hoffnungen in das 9-Euro-Ticket. Zwar könne es zu einer Überlastung des Bahnverkehrs auf die Insel führen. „Vielleicht wird angesichts weiter überfüllter Züge jetzt auch in der Landeshauptstadt Kiel und in Berlin klar, wo die Probleme der Insel wirklich liegen und dass der Markt eben nicht alles regelt“, meint Peter Marnitz. Zumindest, so der Ortsvereinsvorsitzende, solle man endlich verstehen, „dass hier nicht nur Schöne und Reiche das Leben bestimmen“. Die Bahn hat unterdessen angekündigt, die Zugkapazitäten nach Sylt währen der Laufzeit des 9-Euro-Tickets aufzustocken und mehr Personal einzusetzen.

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Kommentare

ich muss die Kritik am Markt dann doch

etwas dämpfen. Auch die Probleme Sylts kann der Markt regeln- wenn niemand mehr kellnert, keine Reinigung von Gästezimmern mehr erfolgt usw. wird der Markt darauf sicher reagieren- und sei es dergestalt, dass die Reichen und die Schönen, auf die hier eingedroschen wird, selbst Hand anlegen an den Handfeger und den Zapfhahn. Sylt, Schwabing, da gibt es keinen Unterschied.