OV-Porträt

SPD-Ortsverein Teunz: Ein roter Farbtupfer in der Oberpfalz

Kai Doering19. Juli 2019
Einer, der mitgestalten will: Der 19-jährige Johannes Kretschmer hat im bayerischen Teunz einen SPD-Ortsverein gegründet.
Einer, der mitgestalten will: Der 19-jährige Johannes Kretschmer hat im bayerischen Teunz einen SPD-Ortsverein gegründet.
Um die Vormachtstellung der CSU im Gemeinderat zu brechen, hat ein 19-Jähriger Anfang des Jahres einen SPD-Ortsverein aus der Taufe gehoben. Und der wächst bereits.

Wenn Johannes Kretschmer an den diesjährigen Palmsonntag zurückdenkt, ist er immer noch sprachlos. „Wahnsinn“ sei das gewesen, was an diesem Morgen im „Fuchsberger Wirtshaus“ in seinem Heimatort Teunz in der Oberpfalz passiert sei. Auf Bierbänken und an Holztischen drängten sich mehr als 100 Menschen. Weil der Platz im Gastraum nicht ausreichte, saßen sie sogar im Flur. So ist es auch auf einem kurzen Video zu sehen, das ein lokaler Fernsehsender ins Internet gestellt hat. „Das Wirtshaus ist aus allen Nähten geplatzt“, erinnert sich Kretschmer an die Gründungsversammlung des Teunzer SPD-Ortsvereins.

Fünf Jusos für den Ortsverein

In den Wochen zuvor hatte der 19-jährige Student gezielt Bekannte angesprochen, ob sie mit ihm einen SPD-Ortsverein in Teunz ins Leben rufen wollen. „Ich habe einige Abfuhren bekommen, auch wenn die meisten die Idee eigentlich gut fanden“, erzählt er. Unterstützung bekam Kretschmer von Stefan Winklmann, ebenfalls 19 Jahre alt und Auszubildender zum Kaminkehrer. Es dauerte nicht lange, bis die beiden sieben Interessierte zusammen hatten – die Mindestanzahl, um einen Ortsverein zu gründen.

Bis auf Kretschmer mussten sie vorher allerdings zunächst alle erstmal in die SPD eintreten. Und: „Fünf von uns sind unter 25“, berichtet Kretschmer. Wie aber gründet man einen Ortsverein? „Marianne Schieder hat uns sehr unterstützt“, sagt Johannes Kretschmer. Die Bundestagsabgeordnete kümmerte sich um die Formalien, gab Tipps und organisierte auch das Wirtshaus, in dem die OV-Gründung schließlich stattfand.

Die CSU zittert schon

„Ein roter Farbtupfer kann im sonst politisch eher dunkel gefärbten Teunz sicherlich nicht schaden“, sagt Schieder. Kretschmers Idee, einen SPD-Ortsverein zu gründen, hat ihr deshalb sofort gefallen. „Ich freue mich, wenn sich junge Menschen für unsere Demokratie engagieren und selbst die Initiative ergreifen.“ Kretschmer kennt sie bereits „seit er ein kleiner Bube war“. Mit 15 machte er im Rahmen des Planspiels „Jugend im Parlament“ ein Praktikum in Schieders Büro. Danach ging er zu den Jusos, wurde stellvertretender Unterbezirksvorsitzender und trat 2017 in die SPD ein.

Im benachbarten Ortsverein Oberviechtach war er bisher stellvertretender Vorsitzender. Den Ausschlag, einen Ortsverein in Teunz zu gründen, habe die Kommunalwahl im kommenden Jahr gegeben. „In Oberviechtach kann ich mitarbeiten, aber nicht kandidieren“, erklärt Johannes Kretschmer. Das soll sich nun ändern. Erstmals wird die SPD in Teunz mit einer eigenen Liste bei der Wahl zum Gemeinderat im kommenden Jahr antreten. Bisher sind dort nur CSU und Freie Wähler vertreten. „Denen geht schon a bisserl der Arsch“, sagt Kretschmer.

»Es geht weiter mit der SPD«

Als „tolles Signal“ wertet Marianne Schieder die Neugründung des Ortsvereins – „gerade in der Situation, in der sich die SPD im Moment befindet“. Lobende Worte für Johannes Kretschmer und seine Mitstreiter fand auch Michelle Müntefering bei der Gründungsveranstaltung am Palmsonntag. „Ihr zeigt: Es geht weiter mit der SPD“, sagte die Staatsministerin für internationale Kulturpolitik im Auswärtigen Amt, die extra in die Oberpfalz gereist war. „Ihr lehnt euch nicht zurück, sondern tut etwas.“

Nach dem fulminanten Auftakt hat inzwischen die praktische Ortsvereinsarbeit begonnen. „Für den Sommer planen wir eine Aktion ‚Wo drückt in Teunz der Schuh?‘“, erzählt Kretschmer. Die Antworten sollen in das Programm für die Gemeinderatswahl einfließen, das der OV im Herbst erarbeiten will. „Die Menschen im Ort sind mit dem CSU-Bürgermeister unzufrieden“ berichtet Kretschmer. „Da finden es viele ganz gut, dass es in Teunz nun eine dritte Partei gibt.“ Das macht sich auch bei den Mitgliederzahlen bemerkbar. Mittlerweile sind zwei weitere Mitglieder den Teunzer Sozialdemokraten beigetreten. „Die beiden sind von sich aus auf mich zugekommen“, erzählt Johannes Kretschmer. Der rote Farbtupfer in der schwarzen Oberpfalz wird also ­größer.

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