Porträt

SPD-Ortsverein Oberneuland: Digital durch die Corona-Krise

Ulf Buschmann17. Dezember 2020
Derik Eicke im Gespräch: Der Vorsitzende des Ortsvereins Oberneuland spricht mit dem Bremer SPD-Europaabgeordneten Joachim Schuster über den Brexit
Der SPD-Ortsverein Oberneuland hat in den vergangenen Jahren seine eigene Digitalstrategie aufgebaut. Das zahlt sich in der Zeit der Corona-Pandemie und des harten Lockdown aus.

Der neue harte Lockdown mit Kontaktbeschränkungen ist für den SPD-Ortsverein Oberneuland kein Problem. Informationen für die Bevölkerung, Gespräche und Treffen können weiterhin über die Bühne gehen – nur die Formate sind anders. Der Ortsverein mit seinen rund 80 Mitgliedern hat sich schon vor knapp 15 Jahren eine eigene Digitalstrategie zugelegt. Die Pandemie habe den Bemühungen, diesen Bereich auszubauen, lediglich zusätzlichen Schwung gegeben. „Digital sind wir nicht überrascht worden“, sagt der Vorsitzende Derik Eicke nicht ohne Stolz.

Monatlich nur ein Thema

Seit dem ersten Corona-Lockdown im Frühjahr sind zwei neue Formate entstanden: „30 Minuten kompakt“ und „Derik Eicke im Gespräch“. „30 Minuten kompakt“ dient dazu, die im Bremer Ortsteil lebenden Menschen über die neuesten kommunalpolitischen Themen zu informieren und die entsprechende Diskussion im Stadtteilbeirat zu informieren. Die Palette reicht von der seit langem geforderten Kita bis hin zu Verkehrsplanungen. Diskussionen gibt es bei „30 Minuten kompakt“ nicht. Dafür nutzt Derik Eicke Powerpoint-Präsentationen, Fotos und sonstige grafischen Stilmittel. Und: Laut Vorsitzendem gibt es „monatlich nur ein Thema“.

Format Nummer zwei, „Derik Eicke im Gespräch“, sei aus einer Präsenz-Veranstaltung hervorgegangen, erklärt der Vorsitzende. Hierzu lädt der Ortsverein Menschen aus Bremen, dem Umland oder auch die Abgeordneten ein, um 60 Minuten über ein Thema zu sprechen – so zuletzt den Bremer SPD-Europaabgeordneten Joachim Schuster, der über den Brexit mit Derik Eicke sprach.

Jede*r kann teilnehmen

Für das kommende Jahr seien unter anderem Sönke Hofmann, Geschäftsführer des NABU Breme, Kulturschaffende, Landwirte und Gastronomen angefragt. Thema werde die jeweils aktuelle Lage ihrer Branche sein, meint Derik Eicke: „Das ist wie eine öffentliche Mitgliederversammlung.“ An denen sei jeder Mensch aus Oberneuland eingeladen teilzunehmen.

Wann genau eines der beiden Formate stattfindet, erfahren die Oberneulander neben Lokalmedien und Social Media-Kanälen über Standbein Nummer drei der Ortsvereins-Strategie: den 2018 ins Leben gerufenen Newsletter „Oberneulander Rotkehlchen“. Ihn können alle interessierten Bürger abonnieren und jederzeit wieder abbestellen.

Dass der Ortsverein digital so gut aufgestellt ist, war ein längerer Prozess. „Seit 2006 sind wir digital unterwegs“, blickt Derik Eicke zurück, „wir waren einer der ersten Ortsvereine in Bremen.“ Zwei Jahre nach dem Start von Webseite und Co. machte sich Mitglied Helmar Hutschenreuter daran, den Auftritt auf das beliebte Contentmanagement-System „Wordpress“ umzuprogrammieren. 2018 leisteten sich die Oberneulander ein eigenes Layout, sogenannte Templates.

Eigene Mediathek

In diesem Jahr nun folgte ein weiterer technischer Sprung. Nachdem der Ortsverein seine digitalen Formate zunächst nur über die Plattform Zoom verbreitet hatte, ist vor einigen Wochen eine technisch durchaus anspruchsvolle Verbindung von Zoom und Youtube gelungen: Wenn Derik Eicke im Namen der Bremer ins Netz geht, tut er dieses über Zoom. Live gestreamt werde das alles jedoch über Youtube.

„Wir haben festgestellt, dass die Hemmschwelle, sich in eine Videokonferenz-Plattform einzuloggen, gerade bei den älteren Genossinnen und Genossen beziehungsweise Bürgerinnen und Bürgern zu hoch ist“, erläutert der Vorsitzende den Hintergrund. Youtube indes kenne heute fast jeder Mensch. Und es gibt laut Derik Eicke noch einen Vorteil von Youtube: „Wir haben unsere eigene Mediathek.“

Kassische Weihnachtskarte zum Jahresende

Für das kommende Jahr planen die Oberneulander, noch einen Schritt weiter zu gehen. Die Reihe „Wo drückt der Schuh?“, die seit dem Jahr 2008 immer mit Diskussionen innerhalb des Ortsteils stattfand, wandert aufgrund der Pandemie ebenfalls ins Netz. Wie dieses Angebot aussieht, kann Derik Eicke noch nicht sagen. Nur eines weiß er schon jetzt: Beendet sein müssen alle digitalen Veranstaltungen bis 19.30 Uhr, spätestens aber 20 Uhr. Denn: Die Oberneulander möchten ihr Radio Bremen-Regionalmagazin „Buten & Binnen“ und die Tagesschau gucken.

Doch so ganz aus der analogen Welt hat sich der Ortsverein natürlich nicht verabschiedet. So bekommen die Mitglieder auch in diesem Jahr eine klassische Weihnachtskarte. Und: Die Genossinnen und Genossen sind in der Pandemie für Menschen da, die Hilfe benötigen. Einkaufs-und Tankhilfe oder das Erledigen von Bankgeschäften mit entsprechender Vollmacht gehören dazu. Und es gibt trotz der Kontaktbeschränkungen auch noch klassische Pressetermine. „Wir können also nicht nur digital“, schreibt der Vorsitzende via Facebook.

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Kommentare

Gutes Konzept

Die meisten Onlinebereiche abgedeckt, nachvollziehbare Gliederung, relativ "schlanker" Seitenaufbau.
So kann das also aussehen.

Bei mir ist es leider so das ich mich nicht einmal mit dem gut sichtbaren Schild "Keine Werbung, keine kostenlosen Zeitungen" vor ausgedruckter Parteiwerbung retten kann.

Natürlich fließt auch solches Verhalten der lokalen Vereine oder Politiker in die Wahlentscheidung mit ein. Wer schon im Kleinen zeigt, das ihm ein Wunsch der Bürger vollkommen egal ist benimmt sich im Großen bestimmt nicht besser.