SPD International

Wie sich der SPD-Freundeskreis London auf den Brexit vorbereitet

Kai Doering15. Februar 2019
Europa ist immer dabei: Treffen des SPD-Freundeskreises London im „Ye Olde Cheshire Cheese“-Pub
In sechs Wochen tritt Großbritannien aus der Europäischen Union aus. Der SPD-Freundeskreis London bereitet sich auf den Brexit vor – und plant den Europawahlkampf.

Für Thomas Fröhlich hatte der Brexit bereits Konsequenzen. Auch wenn immer noch nicht klar ist, ob Großbritannien tatsächlich wie bisher geplant am 30. März die Europäische Union verlässt, haben Fröhlich und seine langjährige Partnerin eine Entscheidung getroffen – und im Januar geheiratet. „Als Paar können sie uns nicht so leicht rauswerfen“, sagt Thomas Fröhlich und lacht. Dass die Hochzeit allein mit dem bevorstehenden Brexit zu tun hat, will er dann doch nicht so stehen lassen. „Beschleunigt hat er unsere Entscheidung aber doch.“

Ankerpunkt für Mitglieder der SPD in Großbritannien

2012 ist Thomas Fröhlich nach London gekommen, um zu promovieren. Mittlerweile forscht der Politikwissenschaftler am renommierten „King’s College London“. Und auch in seiner Freizeit lässt ihn die Politik nicht los: Fröhlich ist einer von drei Sprechern des SPD-Freundeskreises in London. Der wurde 2006 ins Leben gerufen und organisiert seitdem in lockerer Folge politische Gesprächsrunden und Exkursionen. Einmal im Monat treffen sich die Mitglieder zum Stammtisch im Pub.

„Wir sehen uns als Ankerpunkt für Mitglieder der SPD in Großbritannien, stehen aber allen Deutschen und an der Sozialdemokratie interessierten Menschen offen“, sagt Thomas Fröhlich. Auf der internen Mailingliste stünden rund 200 Personen. Wie viele SPD-Mitglieder es tatsächlich in London gibt – rund 70 –, wissen Fröhlich und seine Co-Sprecher Sonja Cirotti und Felix Rüchardt erst seit kurzem. Die neue Richtlinie des Parteivorstands für die Auslandsfreundeskreise macht es möglich.

„Mit der Institutionalisierung der Freundeskreise sind wir jetzt auch offizieller SPD-Ansprechpartner“, freut sich Thomas Fröhlich. Das werde auch helfen, intensiveren Kontakt zur Schwesterpartei Labour aufzubauen, ist er sicher. Bisher gebe es den vor allem über persönliche Bekanntschaften. „Eine Zusammenarbeit mit Labour ist unser ganz großes Ziel für dieses Jahr.“

Informationen aus erster Hand

Denn auch wenn der Brexit Großbritannien vom Rest der EU trennt – gemeinsame Themen gibt es genug. „Steigende Mieten und Gentrifizierung sind ein Riesenthema in London“, berichtet Thomas Fröhlich. Im Sommer vergangenen Jahres informierte sich Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller bei den Londoner Genossen, wie die britische Hauptstadt damit umgeht.

Zurzeit bestimmt natürlich auch beim SPD-Freundeskreis der Brexit die Diskussionen – wie im Januar beim Stammtisch im Pub „Ye Olde Cheshire Cheese“ – einem der ältesten in London. „Es gibt schon die Sorge, dass wir von einem Tag zum anderen eine Art illegale Einwanderer sein könnten“, gibt Thomas Fröhlich die Stimmung wieder. Was das im Alltag bedeuten könnte, sei schwer zu sagen. Doch auch wenn ein Entgegenkommen der Europäischen Union seine persönliche Situation möglicherweise verbessern könnte, plädiert er für eine harte Haltung. „Wenn die EU Großbritannien jetzt Zugeständnisse macht, werden auch andere Länder kommen und Extra-Würste wollen.“

Europawahlkampf in der Londoner City

Für den anstehenden Europawahlkampf sehen er und seine Mitstreiter den Brexit ohnehin eher als Ansporn. Auf ihrer Internetseite haben sie Informationen, wie in Großbritannien lebende Deutsche an der Wahl teilnehmen können, zusammengefasst. Im Oktober trafen sie Wahlkampfleiter Michael Rüter, der ihnen erste Einblicke in die Kampagne gab. „Wir werden in London auf jeden Fall Wahlkampf für die SPD machen“, kündigt Thomas Fröhlich an. Als besondere „Knotenpunkte“ für Flugblattaktionen nennt er etwa die Warteschlangen vor der deutschen Botschaft, die Deutsche Schule in Richmond, die deutschen Samstagsschulen, sowie Banken, denn gerade dort arbeiteten viele Deutsche. „Einige Banker sind sogar Mitglied in unserem Freundeskreis, auch wenn man es nicht erwarten würde.“

Ein Wermutstropfen bleibt allerdings: Da die Stimmen von Wahlberechtigten aus dem Ausland pauschal als Briefwahlstimmen gezählt werden, weiß hinterher niemand aus welchem Land, geschweige denn aus welcher Stadt sie kamen. „Wir können also leider nicht sehen, wie wirksam unser Wahlkampf gewesen ist.“

weiterführender Artikel