Geburtstagsempfang in München

Die SPD feiert Hans-Jochen Vogel zum 90. Geburtstag

Thomas Horsmann04. Februar 2016
Feier zum 90. Geburtstag 2016: Jubilar Hans-Jochen Vogel mit Frau Liselotte und Bruder Bernhard Vogel
Feier zum 90. Geburtstag im Jahr 2016: Jubilar Hans-Jochen Vogel mit Frau Liselotte und Bruder Bernhard Vogel
Mit einem Festakt im Alten Rathaus in München haben die SPD und die SPD-Bundestagsfraktion Hans-Jochen Vogel geehrt, der am Mittwoch 90 Jahre alt wurde. Zahlreiche prominente Redner würdigten die Leistungen des Jubilars.

Zum Schluss gab es stehende Ovationen für Hans-Jochen Vogel, einem der letzten großen Politiker aus der alten Garde der Sozialdemokratie. Diesen Beifall für sein Lebenswerk nahm der 90-jährige dankend an. Noch kurz zuvor hatte er selbst all jenen gedankt, die ihn in seinen vielen Funktionen und Ämtern unterstützt hatten.

Hans-Jochen Vogel: Bescheidenheit und Wahrheitsliebe im Alter

Zu den Rednern, die an diesem Vormittag seinen Lebensweg zeichneten und immer wieder sein Pflichtgefühl, seine Akribie, seine aufrechte Haltung und seinen hohen moralischen Anspruch lobten, sagte er augenzwinkernd: „Im Alter ist man zur Bescheidenheit verpflichtet, aber auch zur Wahrheitsliebe!“ Denn nicht alles, was da so gesagt worden sei, entspräche den Tatsachen und zu Vielem könne er einiges Bemerken.

Eröffnet hatte den Festakt Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter, nicht nur Hausherr im herrlichen Festsaal des Alten Rathauses, sondern auch Nach-Nachfolger von Hans-Jochen Vogel in diesem Amt. Das war kein Zufall, denn die Organisatoren hatten es fertig gebracht zu jeder herausragenden Funktion des Jubilars einen „Nach-Nachfolger“ zu finden, der heute im Amt ist - allesamt übrigens SPD-Mitglieder. Ausnahmen waren Vogels Bruder Bernhard und der österreichische Bundespräsident Heinz Fischer, die ebenfalls auf der Rednerliste standen.

Leistungen für München und im Städtebau

Christian Ude, der selbst von 1993 bis 2014 Münchner OB war, hob die Olympiabewerbung Münchens hervor, zu der Vogel maßgeblich beigetragen habe. Er lobte auch die vielen Infrastrukturmaßnahmen von S- und U-Bahn, Fußgängerzone, Wohnungsbau und Olympiazentrum, die auf Vogels Tätigkeit zurückgingen.   

Von München aus ging Vogel 1972 ins Bundesministerium für Raumordnung, Städtebau und Bauwesen der Regierung Brandt. Über diese Zeit sprach die amtierende Bauministerin Barbara Hendricks. 

Ein Vollblutjurist veränderte die Gesellschaft

Nach dem Rücktritt Brandts übernahm Vogel im Mai 1974 im Kabinett von Helmut Schmidt das Justizministerium, das er bis 1981 innehatte. Dieses Ressort leitet heute Justizminister Heiko Maas, der Vogel als Vollblutjurist lobte. Für Vogel sei Rechtspolitik Gesellschaftspolitik. So habe er sich zum Beispiel für ein soziales Mietrecht, Prozesskostenhilfe und die Reform des Familienrechts eingesetzt. Unter ihm sei ein modernes Scheidungsrecht mit Zerrüttungsprinzip und Versorgungsausgleich entstanden.

1981 verließ Vogel die Bundesregierung und half West-Berlin, wo er zum Regierenden Bürgermeister gewählt wurde. Amtsinhaber Michael Müller hob hervor, dass Vogel, obwohl er nur ein halbes Jahr im Amt gewesen sei, Maßstäbe gesetzt habe, die noch heute gelten, etwa das Bürgerbüro, für den Dialog mit dem Bürger. Noch heute erinnerten sich viele Berliner an ihn.

Immer zur Stelle, wenn Land oder Partei ihn brauchten

1983 übernahm Vogel den Fraktionsvorsitz der SPD im Bundestag von Herbert Wehner. Thomas Oppermann, der derzeitige Fraktionschef, erinnerte an den „ernsten, sachlichen Führungsstil mit gewisser Strenge“, den Vogel pflegte. Und wie er die sehr großen Fußstapfen Wehners mit Bravour ausgefüllt habe. Nach dem Ende der sozialliberalen Koalition sei der Fraktionsvorsitz einer Partei in der Opposition keine leichte Aufgabe gewesen.

1987 wurde Vogel nach dem Rücktritt von Willy Brandt zum SPD-Vorsitzenden gewählt. An die gemeinsame Zeit bei der Wiedervereinigung erinnerte Wolfgang Thierse, bevor Parteichef Sigmar Gabriel als letzter zu Wort kam. Er hob hervor, dass er Vogel nicht nur als „Oberlehrer“ kenne, sondern auch als leidenschaftlichen Politiker und als einen ganz freundlichen und solidarischen Menschen. Er sei immer zur Stelle gewesen, wenn das Land oder die Partei ihn gebraucht haben.

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