Digitale Bildung

Wie die SPD die digitale Schule voranbringen will

Karin Billanitsch30. Juni 2020
Ein ipad im Schulranzen – das ist nicht die Regelausstattung. Nun sollen mehr Kinder mit digitalen mobilen Endgeräten ausgestattet werden.
Ein ipad im Schulranzen – das ist nicht die Regelausstattung. Nun sollen mehr Kinder mit digitalen mobilen Endgeräten ausgestattet werden.
Es geht um die Vision einer „digitalen Lernmittelfreiheit für alle“: SPD-Bildungs- und Digitalpolitiker*innen wollen die digitale Spaltung überwinden, fordern bessere und innovative Lernkonzepte und verstärkte Unterstützung der Lehrer*innen.

„Der digital unterstützte Unterricht wird bleiben, auch wenn die Schulen wieder in den Normalbetrieb wechseln“, ist Oliver Kaczmarek überzeugt. „Wir wollen schon, dass die Schule der Ort bleibt, wo Lernende und Lehrende einander begegnen, Erfahrungen austauschen und dort auch der Großteil des Wissenserwerbs stattfindet, aber das soll digital unterstützt sowohl innerhalb als auch außerhalb der Schule stattfinden“, betont der Bildungspolitiker der SPD-Bundestagsfraktion am Dienstag in Berlin.

Dabei hat die SPD-Fraktion mehrere Herausforderungen in den Blick genommen.  „Ein wichtiger Punkt ist es, die Spaltung zu überwinden“, betont Kaczmarek. „Wir wollen uns nicht damit abfinden, dass Bildungserfolg in Deutschland in allen internationalen Vergleichen von der sozialen Herkunft abhängig ist.“ Die Fraktion, genauer gesagt die AG Bildung und Forschung und die AG Digitale Agenda haben ein Positionspapier entworfen, überschrieben mit dem Titel: „Digitale Lernmittelfreiheit für alle – damit es jedes Kind in der Schule packt“.

Digitale Spaltung überwinden

Die Krise hat wie unter einem Brennglas viele Defizite verschärft gezeigt. Jene, die es ohnehin schon schwer haben, kämpfen im Angesicht der Krise mit verschärften Problemen. Wer etwa mit mehreren Geschwistern in einem Zimmer lernt, ohne eigenen Computer oder ein Tablet, keinen ruhigen Platz zum Lernen hat, kann schlechter mithalten als besser ausgestattete Mitschüler*innen. Hier will die SPD gegensteuern.

„Diese digitale Spaltung muss überwunden werden“, bekräftigen Kaczmarek und Jens Zimmermann, der im Ausschuss digitale Agenda mitarbeitet. 500 Millionen Euro stehen bereit zur Finanzierung digitaler mobiler Endgeräte. So können alle, die nicht die technische oder fachliche Unterstützung bekommen haben, als der Lernort Schule wegbrach, „künftig am digitalen Unterricht teilnehmen“, sagt Zimmermann.

Bis zum Ende der Sommerferien sollen die Geräte angeschafft und im neuen Schuljahr von den Schulen ausgeliehen werden können. „Die Länder müssen mitmachen, damit das Geld so schnell wie geplant abgerufen werden kann“, mahnt Kaczmarek.

Lehrer*innen entlasten und digitalen Unterricht stärken

Darüber hinaus soll die Lehramtsausbildung zukünftig Medienbildung und Medienkompetenzen weiterhin verstärkt in den Blick nehmen, heißt es in dem Positionspapier. Wie groß der Bedarf an Wissensvermittlung ist, zeigte auch eine digitale Konferenz der SPD-Fraktion zum Thema in der vergangenen Woche. „Wir haben viele Lehrkräfte als Teilnehmer*innen gehabt und viele unmittelbare Rückmeldungen bekommen“, so Zimmermann. Diese Erfahrungen seien in das Positionspapier ebenfalls eingeflossen. „Aus der digitalpolitischen Perspektive will ich schon sagen, dass das Thema digitale Bildung wahrscheinlich die größte Herausforderung im Digitalbereich ist, vor der wir aktuell stehen.“

Eine gute digitale Arbeitsausstattung an jedem Pult sollte dabei selbstverständlich sein. Im Digitalpakt Schule sind bereits 5,5 Milliarden Euro dafür bereit gestellt. Allerdings räumte Kaczmarek ein, dass die Gelder nur zögerlich und langsam beantragt würden. Nach einer Umfrage des Magazins „Focus“ von Mitte Juni unter den 16 Kultusministerien der Länder seien bisher nur Anträge in Höhe von 125 Millionen Euro bewilligt, und Fördergelder in Höhe von 284 Millionen Euro beantragt worden. „Wir würden uns mehr Tempo wünschen“, sagte Kaczmarek. Es gilt jetzt, vom Bundesministerium mit den Ländern schnell und unbürokratisch Wege zu erarbeiten, wie diese Mittel in die Schulen fließen und genutzt werden können.

Digitales Lehr-Lernmaterial entwerfen

Und als dritten Punkt muss der Unterricht selbst in den Blick genommen werden: „Wir brauchen dauerhaft den Zugang zu Lernplattformen, die interoperabel nutzbar sind“, also keine Insellösungen in den einzelnen Bundesländern“, betonen die SPD-Abgeordneten. Sie forderten vom Bundesbildungsministerium unter der Leitung von Anja Karliczek (CDU) eine Strategie für frei verfügbare Lernmittel (Open Educational Resources, kurz OER). 100 Millionen Euro hat der Bund aus dem Digitalpakt Schule schon vorzeitig bereit gestellt, zunächst befristet bis zum Jahresende. „Wir fordern diese Ausweitung des Förderbereichs auch für die restliche Laufzeit des Digitalpakts Schule beizubehalten“, heißt es in dem Papier. Außerdem sei es „höchste Zeit“, dass das Bildungsministerium seine angekündigte OER-Strategie vorlege.

Zuerst erschienen auf demo-online.de

weiterführender Artikel

Kommentare

Digitales Lernen

Meine bisherigen (Corona)Erfahrungen mit sowas sind eher wenig positiv - gut ich unterrichte Naturwissenschaften und da ist Experimentalunterricht essentiell - das geht mit Digital nicht. Nicht alle Schüler*** sind gleich gut ausgestattet - die spontane Rückmeldung (zB. Gesichtsausdruck) fehlt und ganz ganz wesentlich die Interaktion zwischen den Schüler****.
Technologieaffine werden anders darüber denken, aber ich möchte dann auch zu Bedenken geben, daß da gewisse Technologiekonzerne - die der Olaf nicht zu besteuern wagt weil er Angst vor Donald und Co. hat . also die, die machen da einen riesigen Reibach. Und wie verhindern wir, daß diese Konzerne dann auch noch die Lerninhalte bestimmen ?