Bundestag

SPD-Abgeordneter Lindh: Mit Goethes „Faust“ gegen die AfD

Kai Doering27. April 2021

Eine Kooperation mit bnr.de

SPD-Abgeordneter Helge Lindh bei seiner Rede am 22. April: „Gedenke, du bist AfDler; Klugheit und Vernunft sind nicht deine Kernkompetenz.“
SPD-Abgeordneter Helge Lindh bei seiner Rede am 22. April: „Gedenke, du bist AfDler; Klugheit und Vernunft sind nicht deine Kernkompetenz.“
Die AfD fordert im Bundestag einen „Nationale Aktionsplan Kulturelle Identität“. In der Debatte hält ihr der SPD-Abgeordnete Helge Lindh mit einem selbst erdachten Dialog den Spiegel vor. Die Hauptpersonen: Mephisto und Faust von Goethe.

Goethes „Faust“ ist wohl eins der bedeutendsten und bekanntesten Werke deutscher Literatur. Erzählungen, die an das Stück um einen Mann, der seine Seele dem Teufel verkauft, anknüpfen, gibt es viele. In der vergangenen Woche ist eine weitere hinzugekommen. Uraufgeführt wurde sie im Deutschen Bundestag in der Debatte über einen „Nationalen Aktionsplan Kulturelle Identität“, den die AfD gefordert hatte.

Dialog zwischen Mephisto und einem AfD-Faust

Einige Redner*innen hatten sich bereits dazu geäußert als für die SPD der Abgeordnete Helge Lindh das Wort ergriff. „Dank Empathie konnte ich mich hineinversetzen, wie AfD-Funktionäre im Traum den Nationalen Aktionsplan gebaren, im Geiste deutscher Leitkultur ein deutsches Drama, in das ich Sie jetzt entführe“, verriet Lindh und setzte zu einem fünfminütigen Dialog zwischen Mephisto und Faust an, der er es in sich hatte.

„Habe nun, ach, Deutsch, Geschichte und Kultur und Politik gar durchaus studiert, mit heißem Bemühn. Da steh’ ich nun, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor“, ließ Lindh den Faust durchaus nah am Goethe’schen Original beginnen. Die Antwort Mephistos allerdings entstammte ganz der Feder des SPD-Abgeordneten: „Gedenke, du bist AfDler; Klugheit und Vernunft sind nicht deine Kernkompetenz.“ Das Plenarprotokoll vermerkt an dieser Stelle erstmals „Heiterkeit bei Abgeordneten der SPD und der LINKEN – Beifall bei Abgeordneten der FDP“.

Als Männer noch Männer und Richter noch Nazis waren

In diesem Stil setzt Lindh fort, lässt sich „seinen“ Faust fragen, wer denn bloß zur deutschen Kultur gehört („Heidegger? Okay. Wagner? Auch. Aber, o Gott, Heine, der war jüdisch und deutschlandkritisch. Und der Brecht, der war Kommunist.“) und ihn über die Vorzüge der 50er Jahre sinnieren („In den 50ern, da waren doch die Männer noch Männer und die Frauen noch Frauen.“ Woraufhin Mephisto antwortet: „Ja, und die Richter waren noch Nazis; das waren die guten, alten Zeiten damals.“)

Auf diese Weise gelingt es dem SPD-Abgeordneten, den Kern des AfD-Antrags humoristisch herauszuarbeiten. So lässt er Mephisto sagen: „Wir nennen das Ganze ‚kulturelle Identität‘. Die AfD steht für Leitkultur.  –  Habt ihr zwar keine Ahnung von, aber wurscht. – Die Sprache setzen wir ins Zentrum, als Trojanisches Pferd gegen all die Frauen, Fremden, Flüchtlinge und all die, die was haben gegen Verhunzung der Sprache, gegen Anglizismen, gegen Political  Correctness, gegen Gendern; die haben wir dann gleich mit im Sack.“

Am Ende seiner von literarischen Zitaten gespickten Rede („Der Tod ist ein Meister aus Deutschland“) schlägt Helge Lindh noch den Bogen zur kolonialen Raubkunst und lässt seinen Faust nach dem Zwiegespräch mit dem Teufel schließlich sagen: „Jetzt bin ich beruhigt, jetzt kann ich ruhig schlafen. All meine Dämonen und mein schlechtes Gewissen sind tot.“

Im Januar schrieb Lindh der AfD ein Gedicht

Über die Fraktionsgrenzen hinweg sorgte Lindhs Redebeitrag für große Erheiterung und viel Beifall. Zwischenrufe der AfD vermerkt das Plenarprotokoll in einer ansonsten hitzig geführten Debatte nicht. Es war nicht das erste Mal, dass sich Helge Lindh die Kulturpolitik der Rechtspopulisten im Parlament auf kreative Weise vorknöpfte. Im Januar antwortete er auf den AfD-Antrag, 2021 zum „Jahr der deutschen Sprache“ zu erklären, mit einem selbstgereimten Gedicht.

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