Bundestagswahl

Spannende Wahlkreise: Fünf Siege für die SPD

Jonas Jordan28. September 2021
Auch dieses Duell ging an die SPD: In Saarbrücken gewinnt Josephine Ortleb deutlich gegen Annegret Kramp-Karrenbauer.
Auch dieses Duell ging an die SPD: In Saarbrücken gewinnt Josephine Ortleb deutlich gegen Annegret Kramp-Karrenbauer.
Vor der Bundestagswahl haben wir fünf spannende Wahlkreisduelle beleuchtet. Letztlich war es ein Sieg auf ganzer Linie für die SPD. Denn fünfmal triumphierten Sozialdemokrat*innen.

In 299 Wahlkreisen kämpften bei der Bundestagswahl Kandidat*innen um das Direktmandat. In einigen schien der Ausgang besonders knapp. Wir zeigten vor der Wahl fünf Duelle, in denen die SPD gute Chancen hatte, vorn zu liegen. Olaf Scholz, Erik von Malottki, Frank Ullrich, Isabel Cademartori und Josephine Ortleb – alle fünf triumphierten letztlich in ihren Wahlkreisen und sicherten sich jeweils das Direktmandat. Damit entschied die SPD die Duelle mit 5:0 für sich, teilweise sehr deutlich, teilweise blieb die Auszählung spannend bis zum letzten Wahlbezirk.

Wahlkreis 16: Mecklenburgische Seenplatte I – Vorpommern-Greifswald II

24,8 Prozent reichten letztlich für Erik von Malottki, um den Wahlkreis in Mecklenburg-Vorpommern für sich zu entscheiden. Im Vorfeld war ein Zweikampf zwischen dem Sozialdemokraten und dem einstigen CDU-Shootingstar Philipp Amthor erwartet worden. Dieser war durch den Lobbyskandal rund um das New Yorker Unternehmen „Augustus Intelligence“, dessen Interessen er auf fragwürdige Weise vertrat, stark in die Kritik geraten. Als Kontrapunkt setzte von Malottki im Wahlkampf auf Kleinstspenden statt Lobbyismus. Innerhalb von 20 Tagen sammelte er so mehr als 20.000 Euro ein. „Wir haben damit für ganz Deutschland bewiesen: Ein starker Wahlkampf ist mit viel Engagement und Einsatz ohne das Geld von reichen Gönnern möglich“, sagte er dem „vorwärts“

Am Wahlabend war schnell klar: Amthor würde das Direktmandat nicht verteidigen können. Dafür lag AfD-Mann Enrico Komning lange Zeit auf Platz eins. Erst mit den letzten auszuzählenden Wahlbezirken gelang es von Malottki, das Rennen noch zu drehen und den Wahlkreis für sich zu entscheiden. Schöner Nebeneffekt: Damit gewann die SPD alle sechs Wahlkreise in Mecklenburg-Vorpommern direkt.

Wahlkreis 61: Potsdam – Potsdam-Mittelmark II – Teltow-Fläming II

Am Dienstagvormittag traf sich die neu gewählte SPD-Fraktion zu ihrer ersten Sitzung im Plenarsaal des Bundestages. Mit dabei war auch die Abgeordnete Ye-One Rhie aus Aachen. Auf Twitter schrieb sie: „Lustiger Moment in der SPD-Fraktionssitzung: Während der Vorstellungsrunde stellt sich auch ein neuer Abgeordneter aus Potsdam vor. Er sei Rechtsanwalt, mache Arbeitsrecht und freue sich auf die Zusammenarbeit. Ich musste seinen Namen erstmal googeln.“

Natürlich war das nur mit einem Augenzwinkern gemeint. Denn der neue Abgeordnete aus Potsdam, der seinen Wahlkreis am Sonntag direkt gewonnen hatte, ist kein Geringerer als Kanzlerkandidat Olaf Scholz. Dieser war im wohl prominent besetztesten Wahlkreis der Republik angetreten. Dort bekam er es mit der Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock, der früheren CDU-Landesvorsitzenden Saskia Ludwig und der früheren FDP-Generalsekretärin Linda Teuteberg zu tun. Letztlich ging das Direktmandat klar an Scholz, der 34 Prozent bekam, zugleich das beste SPD-Erststimmenergebnis in Brandenburg.

Wahlkreis 196: Suhl – Schmalkalden-Meiningen – Hildburghausen – Sonneberg

Es war das wohl am meisten beachtete Wahlkreisduell, am Ende war das Ergebnis deutlich: Mit mehr als elf Prozentpunkten hat der frühere Biathlon-Olympiasieger Frank Ullrich seinen Wahlkreis in Thüringen für die SPD gegen Hans-Georg Maaßen gewonnen. Der Sozialdemokrat kam auf 33,6 Prozent der Erststimmen, Maaßen landete mit 22,3 Prozent deutlich dahinter. Der umstrittene frühere Verfassungsschutzpräsident wird damit dem künftigen Bundestag nicht angehören. Auf der Landesliste der Thüringer CDU hatte er nicht kandidiert.

Wahlkreis 275: Mannheim

In ganz Bayern und Baden-Württemberg sind alle Wahlkreise schwarz gefärbt, zwischendrin vereinzelte grüne Tupfer. Doch die SPD hat zumindest ein Direktmandat in Süddeutschland errungen: Isabel Cademartori triumphierte in der Benz-Stadt Mannheim mit 26,4 Prozent und sorgte dafür, dass das Direktmandat nach zwölf Jahren wieder an die SPD ging. 

Politisches Engagement liegt bei der 33-Jährigen quasi in der Familie. Ihr Großvater war in Chile Wirtschaftsminister unter Salvador Allende. „So wie sich die Umfragen entwickeln, sieht es jeden Tag besser für mich aus“, zeigte sie sich schon vor einigewn Wochen im „vorwärts“-Podcast „SPDings“ optimistisch.

Wahlkreis 296: Saarbrücken

Vor vier Jahren trat Josephine Ortleb zum ersten Mal bei einer Bundestagswahl an. Gegen den bundespolitischen Trend gewann die junge Frau damals in Saarbrücken das Direktmandat für die SPD. Inzwischen ist Ortleb als Parlamentarische Geschäftsführerin eine feste Größe innerhalb der SPD-Bundestagsfraktion. Auch ihren Wahlkreis gewann sie beim zweiten Mal erneut. Und das, obwohl sie es diesmal mit einer prominenten Gegnerin zu tun hatte, der Bundesverteidigungsministerin und früheren saarländischen Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer. Doch Ortleb setzte sich von der Ministerin mit 36,9:25,1 Prozent deutlich ab.

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