Bundestagswahl

Spannende Wahlkreise: Fünf Duelle um den Bundestag

Jonas Jordan23. September 2021
Seite an Seite für den Bundestag: Frank Ullrich (li.) und Olaf Scholz wollen ihre Wahlkreise für die SPD direkt gewinnen.
Seite an Seite für den Bundestag: Frank Ullrich (li.) und Olaf Scholz wollen ihre Wahlkreise für die SPD direkt gewinnen.
In 299 Wahlkreisen kämpfen bei der Bundestagswahl Kandidat*innen um das Direktmandat. In einigen scheint der Ausgang knapp. Wir zeigen fünf, in denen die SPD gute Chancen hat, vorn zu liegen.

Seen, Schlösser, Schüle – das galt noch vor vier Jahren im Wahlkreis 61. Damals gewann Manja Schüle in Potsdam das einzige Direktmandat Ostdeutschlands für die SPD. Inzwischen ist sie brandenburgische Wissenschaftsministerin und das dritte „S“ soll sozialdemokratisch bleiben und diesmal für Scholz stehen. Der SPD-Kanzlerkandidat liefert sich mit seiner grünen Kontrahentin Annalena Baerbock nicht nur ein Wettrennen ums Kanzleramt, sondern in Potsdam auch ein Duell um den Wahlkreis. Umfragen zufolge liegt der Vizekanzler dabei klar vorn.

Kleinstspenden statt Lobbyismus

Auch einige Kilometer weiter nördlich sieht es für einen Sozialdemokraten im Wahlkreis 16 sehr gut aus. Dort tritt Erik von Malottki gegen einen an, der noch vor einiger Zeit als Shootingstar der CDU galt. Philipp Amthor sollte gar Landesvorsitzender der Partei in Mecklenburg-Vorpommern werden. Doch dann kam der Lobbyskandal rund um das New Yorker Unternehmen Augustus Intelligence, dessen Interessen er auf fragwürdige Weise vertrat.

Nun könnte Amthor auch das Direktmandat für den Bundestag verfehlen. Denn nach Berechnungen des Portals wahlkreisprognose.de liegt von Malottki im Wahlkreis vorn. Er setzt auf Kleinstspenden statt Lobbyismus. Innerhalb von 20 Tagen sammelte er so mehr als 20.000 Euro ein. „Wir haben damit für ganz Deutschland bewiesen: Ein starker Wahlkampf ist mit viel Engagement und Einsatz ohne das Geld von reichen Gönnern möglich“, sagt er dem „vorwärts“. Ob Amthor über die Landesliste trotzdem in den Bundestag einziehen kann, wenn er das Duell im Wahlkreis verliert, ist unsicher.

Auf der Landesliste der Thüringer CDU taucht der Name Hans-Georg Maaßen gar nicht auf. Er kandidiert im Wahlkreis 196 in Südthüringen und gerät dabei ins Visier von Frank Ullrich. Der frühere Biathlon-Olympiasieger ist fest entschlossen, im Wahlkreis die Goldmedaille zu holen. Im Gegensatz zu Maaßen ist er hier verwurzelt und für die SPD kommunalpolitisch engagiert. „Ich gehe ins Rennen um das Direktmandat und kämpfe bis zur Ziellinie“, sagt er. Umfragen zufolge liegt er vorn. Das würde bedeuten, dass Rechtspopulist Maaßen nicht ins Parlament käme.

Frauenpower im Südwesten

Mark Hauptmann, der den Wahlkreis bislang für die CDU im Bundestag vertrat, trat übrigens wegen der Maskenaffäre zurück, ebenso wie Nikolas Löbel aus Mannheim. Beide hatten sich mit lukrativen Geschäften während der Corona-Pandemie bereichert. Isabel Cademartori von der SPD möchte als direkt gewählte Abgeordnete für die Benz-Stadt Mannheim Löbel beerben. Politisches Engagement liegt bei der 33-Jährigen quasi in der Familie. Ihr Großvater war in Chile Wirtschaftsminister unter Salvador Allende. „So wie sich die Umfragen entwickeln, sieht es jeden Tag besser für mich aus“, sagte sie kürzlich im „vorwärts“-Podcast „SPDings“. Laut der Plattform election.de könnte Cademartori eines der wenigen SPD-Direktmandate in Baden-Württemberg gewinnen.

Das gelang Josephine Ortleb in Saarbrücken bereits vor vier Jahren als Novizin. Inzwischen ist die 34-Jährige Parlamentarische Geschäftsführerin der SPD-Bundestagsfraktion und stellvertretende Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen. In ihrem Wahlkreis bekommt sie es mit einer prominenten Kontrahentin zu tun, der Verteidigungsministerin und früheren saarländischen Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer von der CDU. Doch ihre Bekanntheit nutzt AKK offenbar nichts. Denn laut allen Prognosen geht der Wahlkreis erneut an die Sozialdemokratin Ortleb.

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