Pandemie

Sozis im Stadion: Parteitag, wo sonst der Fußball rollt

Jonas Jordan19. November 2020
Der SPD-Bundestagsabgeordnete Michael Schrodi beim Parteitag im Dachauer Fußballstadion.
Der SPD-Bundestagsabgeordnete Michael Schrodi beim Parteitag im Dachauer Fußballstadion.
Wegen der Corona-Pandemie stehen viele Fußball-Stadien zurzeit leer. Stattdessen nutzen immer mehr SPD-Verbände sie für ihre Parteitage. So wie jüngst der bayerische Bundestagsabgeordnete Michael Schrodi.

Dass Fußball der liebste Sport der Sozialdemokrat*innen ist, dürfte seit langem bekannt sein. Zahlreiche Bundesligisten haben Fanclubs im Bundestag – der erste war übrigens Eintracht Frankfurt – und in Wahlkämpfen taugt der Auftritt mit Fan-Schal im voll besetzten Stadion als beliebte Bühne. Doch auch in Zeiten, in denen der Ball wegen der Corona-Pandemie gar nicht beziehungsweise nur ohne Zuschauer*innen rollt, werden Fußball-Stadien unter Sozialdemokrat*innen immer beliebter. Der Grund liegt auf der Hand: Sie bieten ausreichend Platz für Parteitage unter Corona-Bedingungen, mit ausreichend Abstand und an der frischen Luft.

Heimspiel für Schrodi

So wie bei der Nominierung des SPD-Bundestagsabgeordneten Michael Schrodi am vergangenen Wochenende in Dachau. Die SPD-Kreisverbände von Dachau und Fürstenfeldbruck nominierten Schrodi erneut zum Bundestagskandidaten.Der 43-jährige Gymnasiallehrer zog 2017 über die Landesliste der bayerischen SPD erstmals in den Bundestag ein. Inzwischen hat er sich dort einen Namen gemacht. Er ist Mitglied im Finanzausschuss und wurde im März vom SPD-Parteivorstand in den neu gegründeten wirtschaftspolitischen Beirat berufen. Zudem gehört er zum Kader des FC Bundestag, gewissermaßen die Fußball-Nationalmannschaft der Parlamentarier*innen. 

„Da haben wir einen dabei, der Fußball spielen kann, jung ist und laufen kann“, waren die Reaktionen seiner Mannschaftskolleg*innen, als Schrodi 2017 zum FC Bundestag stieß, wie der Parlamentarier vor einem Jahr im Interview mit dem „vorwärts“ verriet. Denn vor seiner politischen Karriere war der Bayer als Fußballer höherklassig aktiv, absolvierte mehr als 100 Partien in der Bayernliga – damals die vierthöchste Spielklasse in Deutschland – und 2000 sogar eine Partie im DFB-Pokal gegen Borussia Dortmund. Ein Auftritt im Stadion war für Schrodi also nichts Neues. Quasi ein Heimspiel.

95 Prozent für Dagmar Schmidt

Doch während er früher über den Platz rannte, stand der Abgeordnete beim Parteitag in Dachau abseits des Rasens und sprach zu den 50 Delegierten, die auf der Tribüne Platz genommen hatten. Und Grund zum Jubeln hatte Schrodi auch abseits des Rasens. Der Fan des Fußball-Drittligisten TSV 1860 München konnte mit viel Rückenwind und einer Zustimmung von 98 Prozent zurück nach Berlin fahren. 

Dagmar Schmidt bei ihrer Nominierungsversammlung im August.
Dagmar Schmidt bei ihrer Nominierungsversammlung im August.

Auf ein ähnlich stolzes Ergebnis konnte Schrodis Bundestagskollegin Dagmar Schmidt blicken. Die südhessische Abgeordnete gehört dem Bundestag seit 2013 an. Bereits im August wurde sie von den Delegierten des SPD-Unterbezirks Lahn-Dill für vier weitere Jahre in Berlin nominiert – mit 95 Prozent Zustimmung. Schmidts Nominierung ging im Stadion des Südwest-Regionalligisten TSV Steinbach Haiger über die Bühne. Die Delegierten saßen mit Abstand und Maske auf der Tribüne, während Schmidt auf dem akkurat gemähten Rasen ihre Rede hielt. Terminkonflikte mit den Fußballern drohten nicht, denn die Regionalliga Südwest war zu diesem Zeitpunkt noch in der Sommerpause.

Diesen Umstand nutzte kurz darauf auch die Frankfurter SPD und hielt ihren Unterbezirksparteitag im Stadion am Bornheimer Hang ab, in dem ansonsten der FSV Frankfurt ebenfalls in der Regionalliga Südwest seine Gäste empfängt. „Mehr Frankfurt wagen“, war dort auf riesigen Transparenten über die komplette Tribünenbreite zu lesen, während auf der anderen Seite des Spielfeldes der Frankfurter SPD-Chef Mike Josef zu 300 Delegierten sprach. Mit diesem Slogan treten die Frankfurter Sozialdemokrat*innen im März 2021 zur Kommunalwahl in der Stadt am Main an. Ihr Spitzenkandidat dafür ist Josef, der mit 91 Prozent gewählt wurde.

weiterführender Artikel

Kommentar hinzufügen