Leipziger Buchmesse

Sophie Passmann und Katarina Barley: Feminismus statt alte weiße Männer

Karin Nink22. März 2019
Alte weiße Männer und andere Probleme: Sophie Passmann und Katarina Barley bei der vorwärts-Diskussion auf der Leipziger Buchmesse
Alte weiße Männer und andere Probleme: Sophie Passmann und Katarina Barley bei der vorwärts-Diskussion auf der Leipziger Buchmesse
Sie tauchen überall auf und machen nicht nur Frauen das Leben schwer: Auf der Leipziger Buchmesse diskutierten die Feministin Sophie Passmann und die Spitzenkandidatin der SPD für die Europawahl Katarina Barley über „alte, weiße Männer" und Feminismus.

Sie kennen und sie schätzen sich: Katarina Barley und Sophie Passmann. Und so ist ihre Begegnung am vorwärts-Stand der Leipziger Buchmesse auch von einer besonderen Herzlichkeit geprägt, als die junge Feministin Passmann die sozialdemokratische Europa-Spitzenkandidatin und Bundesjustizministerin Barley trifft.

Gleichberechtigung im Grundgesetz

Schnell dreht sich das Gespräch nicht mehr um die „alten, weißen Männer“, um die es in dem gleichnamigen Buch von Passmann geht, sondern um ein konkretes politisches Projekt: Die Parität von Männern und Frauen im Bundestag. Diese herzustellen ist ein Herzensanliegen der Bundesjustizministerin, weil sie entsetzt ist über den „dramatischen Abfall“ weiblicher Abgeordneter in den vergangenen drei Legislaturperioden.

Sie räumt zwar ein, dass ein solches Gesetz juristisch nicht einfach zu gestalten sei. Doch der Grundgesetzartikel drei verlange, dass der Staat sich aktiv für die Gleichberechtigung einsetze. Dort steht: „Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.“

Parlamentsquote an Parteiquote knüpfen

Zum Erstaunen vieler Zuhörerinnen findet Sophie Passmann zwar „das ist genau der richtige Schritt“, aber sie ist sich nicht sicher, ob „ich das demokratietheoretisch unterstützen kann“. Sie habe „Bauchschmerzen beim Eingriff ins Parlament“ und vor allem empfindet sie es als „mein Recht, am Frauenanteil einer Parlamentsfraktion ablesen zu können, wie eine Partei zu Frauen steht“. Letzteres leuchtet Barley ein. Um dafür eine Lösung zu finden, schlägt Passmann vor, die jeweils im Parlament zu erfüllende Frauenquote daran zu knüpfen, wie viele Frauen in einer Partei aktiv sind.

Und wie steht es um das andere Geschlecht? Grundsätzlich findet Passmann, dass Männer sich mit Feminismus „nicht so intensiv auseinandersetzen wie es angebracht wäre“. Dazu gehöre es in Gesprächsrunden eben auch, Leuten zuzuhören, eine andere Meinung erstmal zu akzeptieren und die Debatte mit  Besserwisserei nicht gleich abzuwürgen.

Frauen brauchen eigene Haltung

In der Politik werde die Situation für Frauen zunehmend „besser“, findet Katarina Barley. Wichtig sei es aber auch, dass Frauen mit ihrer Haltung und ihrem eigenen Ansatz in der Politik handelten und „nicht die alten Schablonen nutzen“.

Passmanns Feststellung, dass „es gerade in der SPD in den vergangenen Jahren viele Männer gibt, die von dem Klischee des alten weißen Mannes abweichen“, kann Barley nur bestätigen. „Ja, das wird mehr“, sagt sie und berichtet von zwei Spitzengenossen, die an keiner rein männlich besetzten Diskussionsrunde mehr teilnähmen.

Lob für Timmermans

Lobend erwähnt sie in diesem Zusammenhang vor dem vorwiegend weiblichen Publikum auch den Spitzenkandidaten der europäischen Sozialdemokraten für die Europawahl, Frans Timmermans, der sich selbst als „männlichen Feministen“ bezeichnet. Er habe jüngst in Brüssel, „die feministischste Rede gehalten, die ich je gehört habe“, erzählt Barley.

Es scheint sich also etwas zu tun in Sachen echter Gleichberechtigung – in Deutschland und in Europa

weiterführender Artikel

Kommentare

Verstoß gegen Netiquette

Der Kommentar wurde gelöscht, da er gegen unsere Netiquette verstieß. Bitte verwenden Sie künftig ihren vollständigen Klarnahmen.

Alter weißer Mann?

Ich bin 67 Jahre alt und man kann mich deshalb zu den alten Männern zählen. Ich besitze die deutsche Staatsbürgerschaft und bin deutscher Nationalität. Meine Hautfarbe ist hell, auch wenn ich im "dunklen" Sachsen geboren wurde. Ich bin nicht weise, aber ich besitze, in zwei verschiedenen Gesellschaftssystemen gewachsene Lebenserfahrungen. Meine Ehepartnerschaft beruht auf Liebe und gleichen Rechten. Ich lese viel und verfolge sehr aufmerksam das politische Geschehen. Auf Grundlage meiner Erfahrungen und dem Gelesenen, bemühe ich mich um Bildung einer eigenen Meinung zu den meisten aktuellen Problemen und Erscheinungen. Die Erregungen um die Problematik Gender verfolge ich mit sachlicher Distanz. Die immer öfter, insbesondere von jungen Frauen, bemühten "alten weißen Männer" und die ihnen diskreditierend zugeschriebene Rückschrittlichkeit und Emanzipationsfeindlichkeit, empfinde ich als übertrieben, lächerlich und peinlich. Diese Art eifernder Feminismus schadet dem Ansehen des berechtigten Bemühens um die gesellschaftliche Gleichberechtigung der Frauen.

ja, es ist zu heulen

ich bin alt, und zu allem Unglück auch noch mit weißer Hautfarbe gestraft.

Soll ich mich gleich von der Brücke stürzen?