Oscar-nominierter Film „Das Massaker von Katyn“*

Sommerkino auf dem Alex

Mathias Ostertag24. August 2010

Polen im September 1939. Die deutsche Wehrmacht ist im Nachbarland einmarschiert, hat die polnischen Verteidigungslinien in einem "Blitzkrieg" überrannt und hält nun den westlichen Teil Polens
besetzt. Der östliche Teil des Landes wurde von sowjetischen Truppen besetzt. Grund dieser doppelten Besatzung: Der
Hitler-Stalin-Pakt, oder besser: das geheime Zusatz-Protokoll, das die Interessenssphären beider Großmächte
festlegte.

Der oscar-nominierte Film
"Das Massaker von Katyn" (Originaltitel: Katyn;
2007) des
polnischen Regisseurs Andrzej Wajda setzt an dieser Stelle ein. Flüchtlinge, die vor den deutschen Truppen nach Osten fliehen wollen,
treffen auf Flüchtlinge, die in die entgegengesetzte Richtung fliehen. Gleichzeitig nehmen sowjetische Truppen 14.000 polnische Offiziere gefangen, die Angehörigen erhalten nur spärliche
Informationen. Unter den Gefangenen ist auch Andrzej, dessen Frau noch kurz vor dem Abtransport mit ihm reden kann und ihn von der Flucht überzeugen will.

Zur selben Zeit werden in Krakau Professoren sämtlicher Hochschulen verhaftet, unter ihnen auch Andrejs Vater, der später im KZ Sachsenhausen stirbt.

Die polnischen Offiziere werden in Lager abtransportiert. Sie hoffen, bald wieder zu ihren Familien zurückkehren zu können. Doch es kommt alles anders.

Die deutschen Besatzer entdecken 1943 die Leichen der getöteten Offiziere. Sie informieren auch die Bevölkerung Polens über das Verbrechen der Roten Armee an der polnischen Intelligenz.
Nach dem Krieg greifen Moskau und die polnischen Kommunisten dieses Thema wieder auf und behaupten, dass das Massaker von den Deutschen verübt wurde. Doch viele Polen zweifeln an dieser Version
der Geschichte, unter ihnen auch Anna, die Ehefrau des Offiziers Andrzej. Als dessen Kamerad Jerzy, nun Major der Polnischen Volksarmee, nach Krakau zurückkehrt und ihr mitteilt, dass ihr Mann
und die polnischen Offiziere brutal von den Sowjets ermordet wurden, fühlt sie sich endlich in ihrem Verdacht bestätigt.

An dieser Stelle setzt der Regisseur Wajda mit Bildern des Massakers ein: Die Gefangenen werden einzeln mit Schüssen in den Hinterkopf ermordet und in Massengräbern verscharrt. Die
Schlussszene zeigt eine Planierraupe, die die Gräber der Soldaten mit Erde zuschüttet.


Ein Programmflyer und weitere Informationen sind unter
www.revolution89.de oder
www.havemann-gesellschaft.de abrufbar.


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Der Film basiert auf dem im Jahr 2007 veröffentlichten Roman
"Post mortem - The Katyn Story"
von Andrzej Mularczyk
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Robert Havemann war ein 1982 verstorbener Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus und Regimekritiker in der DDR.


Weitere Filme im Programm des Sommerkinos:

Am heutigen Dienstag, den 24. August, der verbotene DEFA-Film "Karla" von 1965, der erst nach der Wende wieder aufgeführt werden durfte.
Am morgigen Mittwoch, den 25. August, werden im "Kino der Geheimdienste" in Zusammenarbeit mit der Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen ausgewählte Lehr- und Überwachungsfilme der
Stasi gezeigt.
Am Donnerstag, den 26. August, folgt die Aufführung des Porträts von Robert Schumann und Clara Wieck "Frühlingssinfonie" (1982), die erste deutsch-deutsche Koproduktion nach 1945.
Als Höhepunkt präsentiert das Sommerkino die "Lange Nacht der Berliner Tatorte" am Samstag, den 28. August. Aufgeführt werden drei Berliner Folgen, die sich mit der Deutschen Einheit
beschäftigen