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Warum Solo-Selbständige eine Bürgerversicherung für die Rente brauchen

Henning Tillmann21. November 2016
Gerade in der Gründungsphase brauchen Solo-Selbständige Unterstützung bei der Rentenvorsorge.
Gerade in der Gründungsphase brauchen Solo-Selbständige Unterstützung bei der Altersvorsorge.
Viele Solo-Selbständige sorgen nicht für das Alter vor. Das hat einen Grund: Für sie ist das gesetzliche Rentensystem zu teuer. Dabei bräuchten sie gerade in der Gründungsphase mehr Unterstützung auch bei der Altersvorsorge.

Solo-Selbständigkeit, also die selbständige Arbeit ohne Angestellte, ist keine Schande. Dennoch wird sie in vielen politischen Debatten nicht gewürdigt. „Warum arbeitest du nicht in einem Unternehmen?“,  lautet eine Frage, die jede und jeder Solo-Selbständige vermutlich häufig zu hören bekommt. Die nicht abhängige Beschäftigung wird als anormale Arbeitsform außerhalb des Systems wahrgenommen.

SPD muss Partei der Arbeit sein

Dabei ist es in vielen Fällen eine bewusste Entscheidung, eigenständig Arbeitszeit und -ort festzulegen und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen seines Arbeitslebens mit den Kunden bzw. Auftraggebern auszuhandeln. Solo-Selbständigkeit kann die Vereinbarkeit von Familie und Beruf vereinfachen und Menschen das wohl kostbarste Gut neben Gesundheit geben, das mit Geld nicht zu kaufen ist: Zeitsouveränität.

In Zukunft könnte es weitaus mehr Solo-Selbständige geben: viele werden es freiwillig machen, andere vielleicht als Notnagel. Wichtig ist daher, dass wir die Menschen, die sich für diesen beruflichen Weg entscheiden, in die gesellschaftlichen und politischen Debatten einbinden – und auch in die sozialen Sicherungssysteme! Für die Sozialdemokratie muss gelten: Die SPD muss von der Partei der Arbeitnehmerschaft zur Partei der Arbeitenden werden.

Solo-Selbständige: Vorsorge zu teuer

Für Solo-Selbständige sind insbesondere die Aspekte Altersversicherung und Krankenversicherung entscheidend. Die meisten Selbständigen zahlen nicht in die Deutsche Rentenversicherung ein, sind aber gleichzeitig mit der Wahl der richtigen Altersabsicherung überfordert. Im schlimmsten Fall findet keine Vorsorge für das Alter statt.

Die Wahl zwischen privater und gesetzlicher Krankenversicherung ist zu Beginn der Selbständigkeit elementar. Und letztere teuer: Da anders als bei Angestellten auch der Arbeitgeberanteil aus eigener Tasche bezahlt werden muss, sind die monatlichen Belastungen enorm. Die Krankenkassen gehen bei Selbständigen von einem monatlichen Bruttoeinkommen von über 4.200 Euro aus, wodurch inkl. Pflegeversicherung über 700 Euro monatlich an Beiträgen entstehen. Auf Antrag kann die Bemessungsgrundlage auf knapp 2.200 Euro gesenkt werden – für viele dennoch deutlich zu hoch.

Bürgerversicherung für die Rente

Anders als bei Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern haben Solo-Selbständige keine monatlich gleichbleibenden Einkommen. Insbesondere in den Gründungsjahren sind Einnahmen unregelmäßig. Aber auch später können z. B. größere Projekte dazu führen, dass eine umfassende Rechnung für Tätigkeiten erst nach Monaten gestellt werden kann; Renten- und Krankenbeiträge fallen aber monatlich an. Hier könnten dynamischere Lösungen helfen. Ferner muss es finanzielle Anreize geben, ins Solidarsystem einzuzahlen, um z. B. auch eine gesetzliche Krankenversicherung wettbewerbsfähiger für Selbständige zu machen. Eine Möglichkeit wäre, dass der Staat den Arbeitgeberanteil in den ersten Gründungsjahren übernimmt, und dieser später nach und nach an die Versicherte bzw. den Versicherten übertragen wird.

Viele Anforderungen an die Krankenversicherung für (Solo-)Selbständige gelten auch für die Rentenversicherung: Mehr Flexibilisierung bei der Beitragszahlung, höhere Anreize und mehr Gerechtigkeit. Eine Pflicht zur Einzahlung in die Deutsche Rentenversicherung ist nur dann vermittelbar, wenn mittelfristig alle in diese Versicherung einzahlen, also u. a. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, Selbständige sowie Beamtinnen und Beamte. Das Konzept der Bürgerversicherung für Krankenkassen gilt es somit auch für Rentenfragen zu übernehmen. Nur wenn wir alle Formen der Arbeitswelt einbinden, kann das Solidarsystem in der Zukunft funktionieren.

Wie schaffen wir sichere Renten?

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Kommentare

Vorsorge fürs Alter

das Leute die über die BAV vorgesorgt haben, jetzt im Nachhinein auf Ihre Leistung auch die KV und Soli zahlen müssen, hat oft die ganze Planung über den Haufen geworfen. bei meiner Frau (45 jahre eingezahlt) fehlen jetzt in der BAV € 30.000.- und die Lebensleistungsrente sind netto knapp €1000.-
So wird hier Lebensleistung bezahlt!!!