Gelebte Solidarität

So helfen SPD-Ortsvereine Geflüchteten aus der Ukraine

Kai Doering23. März 2022
Aus Waltershausen nach Breslau: Zwei Tonnen Hilfsgüter organisierte der SPD-Ortsverein für Geflüchtete aus der Ukraine.
Aus Waltershausen nach Breslau: Zwei Tonnen Hilfsgüter organisierte der SPD-Ortsverein für Geflüchtete aus der Ukraine.
Vier Wochen tobt bereits der Krieg in der Ukraine. Die Hilfsbereitschaft in Deutschland ist groß. Auch SPD-Ortsvereine helfen auf unterschiedlichste Weise und mit kreativen Ideen.

Als Erwin Welsch die Bilder aus der Ukraine sah, war für ihn klar: Da müssen wir helfen. Also trommelte der Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Herxheim in Rheinland-Pfalz seine Genoss*innen zusammen. „Am Dienstag ist mir der Gedanke gekommen, Waffeln gegen Spenden anzubieten, am Samstag standen wir vorm Einkaufszentrum“, erzählt Welsch. Dazwischen organisierte er fünf Waffeleisen und 20 Kilogramm Teig. „Eine Hauruck-Aktion“, wie Welsch sagt.

1.000 Euro für Medikamente

Waffeln für die Ukraine: Die SPD Herxheim sammelte fast 1000 Euro für Medikamente.
Waffeln für die Ukraine: Die SPD Herxheim sammelte fast 1000 Euro für Medikamente.

Am 11. und 12. März baute der Ortsverein seinen Stand vor einem Supermarkt in Herxheim auf. Innerhalb von fünfeinhalb Stunden kamen so 842,90 Euro zusammen. „Am Ende lagen viele 20-Euro-Scheine in der Dose und kein einziges Ein- oder Zwei-Cent-Stück“, erzählt Erwin Welsch. Viele hätten auch einfach nur gespendet, ohne eine Waffel zu nehmen.

Das Geld bleibt dabei in Herxheim. Aufgestockt auf 1.000 Euro hat es der Ortsverein an die lokalen Pfadfinder*innen überwiesen. Die kaufen dafür in den Apotheken vor Ort rezeptfreie Medikamente. Über direkte Kontakte nach Polen und in die Ukraine wissen sie, was dort benötigt wird. Mit der Bahn werden die Medikamente dann zu den Hilfsorganisationen gebracht. Nach dem Erfolg soll es am Ostersamstag eine weitere Waffel-Aktion geben.

Zwei Tonnen Hilfsgüter

Mit Autos und Anhängern voller Hilfsgüter hat sich dagegen Marco Wölk auf den Weg nach Breslau/Wroclaw gemacht. Er ist Vorsitzender der rot-grünen Stadtratsfraktion im thüringischen Waltershausen. Auch hier hat der Krieg in der Ukraine Trauer auf der einen und große Hilfsbereitschaft auf der anderen Seite ausgelöst. „Die Anteilnahme und Hilfsbereitschaft der Waltershäuser*innen war und ist überwältigend“, sagt der Vorsitzende des SPD-Ortsvereins, Andreas Hellmund.

Bereits einen Tag nach Putins Überfall auf die Ukraine am 24. Februar organisierten er und die aus Polen stammende Angelika Agnieszka Engler einen Hilfstransport ins polnische Breslau/Wroclaw. Der dortige Stadtrat hatte wegen der erwarteten Geflüchteten aus der Ukraine um Hilfe gebeten. „Innerhalb weniger Tagen waren etwa zwei Tonnen Hilfsgüter gesammelt“, berichtet Hellmund, neben Lebensmitteln auch Windeln, Hygieneartikel und Medikamente.

Ein Tauchverein und eine Autovermietung liehen die notwendigen Autoanhänger und so ging es die rund 500 Kilometer nach Breslau/Wroclaw. „Etwas Chaos beim Abladen, aber ein herzlicher solidarischer Empfang und deine sofortige Weiterverarbeitung der gespendeten Hilfsgüter“, zog Fraktionschef Marco Wölk eine durchweg positive Bilanz der Hilfsaktion.

Ein Geschenk für jede*n Geflüchtete*n

Einen anderen Weg wählt dagegen die SPD im baden-württembergischen Oberkirch. „Im Moment geht sehr viel Hilfsmaterial in die Ukraine, aber es ist schade, wenn sich vor Ort niemand kümmert“, meint Saskia Ganter. Die Vorsitzende des Oberkircher SPD-Ortsvereins hat sich deshalb eine Willkommensaktion für Geflüchtete überlegt, die im Ort eine Bleibe finden. „Wir möchten allen aus der Ukraine geflüchteten Menschen, die bei uns in Oberkirch ankommen, ein Geschenk machen“, fasst Ganter die Idee zusammen. So sollen sie im Ort willkommen geheißen werden.

Ganter und ihre Genoss*innen haben deshalb Päckchen gepackt. Kinder erhalten ein Kuscheltier, Schokolade, Stifte ein Malbuch und einen Eisgutschein, Erwachsene einen Stadtplan, ein Wörterbuch, Hygieneartikel und einen Einkaufsgutschein. Ermöglicht wird das durch Sach- und Geldspendenden. Der Ortsverein übergibt die Päckchen dabei nicht selbst, sondern gibt sie in der Stadtverwaltung ab, damit sie den Geflüchteten bei der Registrierung überreicht werden können.

Etwa 30 Geflüchtete aus der Ukraine lebten bereits in Oberkirch. In dieser Woche sollen noch einige hinzukommen. „Solange das Geld reicht, machen wir weiter“, verspricht Saskia Ganter.

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Kommentare

Breslau? in welchem Land

liegt denn das? Ich bitte doch auf die Befindlichkeiten der Menschen in Polen etwas mehr Rücksicht zu nehmen, sonst denken die noch, die Oder - Neisse - Linie werde wieder in Frage gestellt.

Breslau = Wroclaw

Vielen Dank für den Hinweis! Wie bei vielen anderen Städten auch, ist Breslau ein eingedeutschter Städtename (Sie kämen ja auch nicht auf die Idee, Praha, København oder Roma zu sagen). Um Irritationen zu vermeiden, haben wir aber den polnischen ergänzt.