Jahresrückblick

So haben Karikaturisten das Jahr 2017 gesehen

Kai Doering31. Dezember 2017
Oh, wie schön ist Jamaika. Dass es damit am Ende nichts mehr wurde, hat es nicht mehr in den Sammelband der besten Karikaturen von Heiko Sakurai geschafft.
Oh, wie schön ist Jamaika. Dass es damit am Ende nichts mehr wurde, hat es nicht mehr in den Sammelband der besten Karikaturen von Heiko Sakurai geschafft.
Donald Trump, die Bundestagswahl und die AfD: Im vergangenen Jahr zählten sie zu den bestimmenden Themen – zumindest, wenn man den Zeichnern Heiko Sakurai und Klaus Stuttmann folgt. Deren Sammelbände ihrer besten Karikaturen 2017 sind ein wunderbarer Jahresrückblick, selbst wenn man keine Jahresrückblicke mag.

Treffen sich ein Huhn und ein Diesel-Auto an der Bar. Was klingt wie der Anfang eines höchstens mittelmäßigen Witzes, ist die Sicht des Zeichners Heiko Sakurai auf zwei Skandale, die in Deutschland das Sommerloch das vergangenen Jahres gefüllt haben. Da waren zum einen Eier aus den Niederlanden und aus Norddeutschland, die mit dem Insektizid Fipronil belastet waren, zum anderen die zu hohen Abgaswerte manipulierter Diesel-Fahrzeuge. Beide Skandale schlugen kurzzeitig in den Medien hohe Wellen. Viel verändert hat das nichts.

Heiko Sakurai: „Oh, wie schön ist Jamaika“

Die Zeichnung mit Huhn („Hatte mir GANZ anders vorgestellt, wie es ist, Topmeldung in de Medien zu sein...“) und Auto („Und ICH erstmal...“) ist eine Ausnahme in dem knapp 180 Seiten starken Sammelband, in dem Heiko Sakurai, dessen Zeichnungen auch regelmäßig im „vorwärts“ erscheinen, seine „Cartoons des Jahres“ veröffentlicht hat. Die eigentlichen Stars sind andere. Darauf deutet schon der Buchtitel hin: „Oh, wie schön ist Jamaika“. Dass die Diskussionen über ein mögliches Regierungsbüdnis von CDU, CSU, FDP und Grünen bereits lange vor der Bundestagswahl im September begannen, wird in Sakurais nach den Monaten ihres Erscheinens geordneten Zeichnungen schnell deutlich. Das Scheitern der wochenlangen Sondierungen freilich hat es nicht mehr ins Buch geschafft: Die Zeichnungen enden mit dem November.

Neben der Bundestagswahl nimmt eine Person den meisten Platz in Sakurais Zeichnungen des Jahres 2017 ein: Donald Trump. Der amerikanische Präsident sitzt dabei wahlweise am Steuer einer Abrissbirne, deren Kugel gerade deren eigene Windschutzscheibe zerschlagen hat (Trumps Kommentar zu seinem Scheitern, die Krankenversicherung „Obamacare“ abzuschaffen lautet: „Wieder Pech. NÄCHSTE Maschine fertig machen!“), setzt sich mit einem Dampfboot von der Arche mit der Aufschrift „Pariser Klimaabkommen“ ab oder umarmt einen Neonazi und ein Kuklux-Clan-Mitglied mit den Worten „Ich bin der Präsident ALLER Amerikaner und grenze auch Minderheiten und Randgruppen NICHT aus!“

Klaus Stuttman: „#Alles Fake“

Bei so viel Präsenz ist es kein Wunder, dass es der amerikanische Präsident beim Sammelband der Karikaturen von Klaus Stuttmann direkt auf den Titel geschafft hat. „#Alles Fake“ lässt Stuttmann seinen twitternden Trump sagen, der verdächtig einem anderen Donald ähnelt, Donald Duck nämlich. Die twitternde Präsidentenente ist auch bei Stuttmann allgegenwärtig, mal als Fahrer eines Müllwagens voller Wahlversprechen und Dekrete, mal als Matrjoschka, die jegliche Verbindungen nach Russland von sich weist, und mal als Gesprächsthema von zwei Cowboys, die es bedauern, dass der Präsident „auf der ganzen Auslandsreise keiner einzigen Tussi zwischen die Beine gegriffen hat“. Stuttmann fragt dazu ängstlich: „Bröckelt jetzt Trumps Basis?“

So ähnlich die Themen sind, mit denen sich die beiden Zeichner Sakurai und Stuttmann im abgelaufenen Jahr beschäftigt haben, so unterschiedlich ist ihre Herangehensweise. Während Heiko Sakurai kleine Geschichten erzählt und auf Details setzt, sind Klaus Stuttmanns Zeichnungen zugespitzter, ja manchmal direkt böse. Da liest Hitler in der Hölle das Wahlprogramm der AfD und lobt: „Super Programm! Tolle Leute! ICH würde die sofort wählen!!“ oder die Unterschiede zwischen Obama- und Trumpcare werden mit einem Kranken- bzw. einen Leichenwagen illustriert.

Keine Frage, es macht großen Spaß, das Jahr mit den Zeichnungen von Sakurai und Stuttmann Revue passieren zu lassen - auch wenn der Fokus in beiden Bänden eher auf den Katastrofen als auf den schönen Dingen liegt.

Heiko Sakurai: Oh, wie schön ist Jamaika, Schaltzeit Verlag 2017, ISBN: 978-3-946972-12-9, 17,90 Euro

Klaus Stuttmann: #Alles Fake, Schaltzeit Verlag 2017, ISBN: 978-3-946972-11-2, 19,90 Euro

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