Die Sozialdemokratie trauert

Sigmar Gabriel: Tod von Mário Soares ist „schmerzlicher Verlust“

Lars Haferkamp09. Januar 2017
Portugal trauert um Mário Soares, den „Vater der Demokratie“ seines Landes. Europa und die Sozialdemokraten beklagen den Verlust eines großen Staatsmannes der europäischen Linken. SPD-Chef Sigmar Gabriel kondoliert in bewegenden Worten.
Mit dem Tod von Mário Soares (92) haben die Portugiesen einen ihrer prägendsten Politiker der Nachkriegszeit verloren. Es war der Sozialist Soares, der nach der Nelkenrevolution der portugiesischen Militärs 1974 das Land von der jahrzehntelangen Diktatur in die Demokratie führte.

Willy Brandt unterstützte Mário Soares nach Kräften

Mit maßgeblicher Hilfe der SPD: Denn in seiner Exil-Zeit gründete Soares auf einer Klausurtagung der Friedrich-Ebert-Stiftung in Bad Münstereinfel am 19. April 1973 unter tatkräftiger Unterstützung des damaligen SPD-Vorsitzenden Willy Brandt die Sozialistische Partei Portugals (SP). Soares nannte diese Phase später „eine außergewöhnliche politische Lehrzeit“. Bis heute sind ihm die Portugiesen dafür dankbar und nennen ihn den „Vater der Demokratie“ ihres Landes.

Als Außenminister, Ministerpräsident und Staatspräsident prägte Soares die Politik seines Landes von den 1970er bis in die 90er Jahre wie kein Zweiter. Seine Landsleute nannten den überzeugten Sozialisten und Europäer liebevoll und ironisch „rei“, König, auch wenn Portugal im Gegensatz zu seinem großen Nachbarn Spanien keine Monarchie sondern eine Republik ist.

Sigmar Gabriel betont Freundschaft der Parteien

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel sprach der Familie in einem Beileidschreiben im Namen der SPD „herzliches Beileid und tiefes Mitgefühl“ aus. Er nannte Mário Soares „eine der großen prägenden Persönlichkeiten Portugals und Europas insgesamt“. Gabriel würdigte, wie sich Soares „mit Beharrlichkeit und bewundernswertem persönlichem Mut gegen Unrecht und diktatorische Unterdrückung in seinem Land gestellt und Portugal den Weg zu Freiheit und Demokratie in einer offenen Gesellschaft geebnet“ habe. „Sein Erbe als überzeugter Demokrat und engagierter Europäer muss uns heute mehr denn je Verpflichtung sein, das in Frieden und Freiheit geeinte Europa gegen Populismus und Nationalismus zu verteidigen“, so der SPD-Vorsitzende.

Mário Soares sei „stets auch ein besonderer Freund Deutschlands und der SPD“ gewesen. „Seine außergewöhnliche Freundschaft zu Willy Brandt ebenso wie die Gründung der Sozialistischen Partei Portugals 1973 im Exil in der Akademie der Friedrich-Ebert-Stiftung in Bad Münstereifel haben der Freundschaft und Partnerschaft zwischen der SPD und der Sozialistischen Partei Portugals einen besonderen Stellenwert verliehen, der bis heute fortbesteht.“ Der Tod von Mário Soares sei daher auch für die deutschen Sozialdemokraten ein „schmerzlicher Verlust“. Die SPD werde Mário Soares immer ein ehrendes Andenken bewahren.

Martin Schulz: Europa verliert Staatsmann

Der Präsident des Europäischen Parlamentes Martin Schulz erklärte, mit dem Tod von Soares verliere Europa einen „herausragenden Staatsmann“. Er nannte Soares einen Visionär und Kämpfer. Schulz wird am Donnerstag zur Beisetzung von Soares nach Portugal reisen.

Der neue UN-Generalsekretär und frühere portugiesische Regierungschef António Guterres würdigte seinen Landsmann als „eine der seltenen politischen Führungsfiguren mit wirklicher Statur in Europa und weltweit“. Die brasilianische Ex-Präsidentin Dilma Rousseff sagte, das portugiesische Volk habe Soares „verehrt“, auch seine Gegner hätten ihn „geachtet“. Die portugiesische Regierung erklärte für Montag bis Mittwoch drei Tage Staatstrauer.

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