Interview zur Landtagswahl

„Sellering wurde in seiner Beliebtheit bestätigt“

Yvonne Holl04. September 2016
Analyse nach der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern: Spitzenkandidaten im Fernsehstudio. Zweiter von Rechts ist Wahlgewinner und Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD).
Analyse nach der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern: Spitzenkandidaten im Fernsehstudio. Zweiter von Rechts ist Wahlgewinner und Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD).
Wer hat bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern die AfD hauptsächlich gewählt hat und warum wurde die CDU so abgestraft? Das erklärt Matthias Quent, Direktor des Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft im Interview.

Herr Quent, die SPD konnte mehr als 30 Prozent der Stimmen holen. Welche Rückschlüsse lässt das Ergebnis auf den Rückhalt für Ministerpräsident Erwin Sellering zu?  

Ministerpräsident Sellering wurde in seiner Beliebtheit bestätigt. Dies bestätigt die Tendenzen der Landtagswahlen im Frühjahr, dass Personenfragen eine wachsende Bedeutung für die Wahlergebnisse haben.

Was bedeutet das Ergebnis für die CDU?
 
Vor allem die CDU hat für die Anbiederung an AfD-Positionen in Fragen der inneren Sicherheit Verluste in Kauf nehmen müssen. Die Konservativen müssen sich nun ernsthaft damit auseinandersetzen, wie sie sich gegenüber der AfD abgrenzen können.

Gibt es Hinweise auf Wählerbewegungen?

 Den Erhebungen der Forschungsgruppe Wahlen zufolge kommen die meisten AfD-Wähler aus dem Lager der Nichtwähler, von der SPD und der NPD – in dieser Reihenfolge.

Das AfD-Ergebnis liegt ziemlich nah an den jüngsten Prognosen, hat sich eigentlich kurz vor der Wahl noch etwas bewegt?
 
Prognosen zum Wahlausgang insbesondere in Hinblick auf neue und umstrittene Parteien immer schwierig – insofern überrascht mich, wie präzise die Vorhersagen waren. Das zeigt auch, dass das Wählerinnenpotenzial der AfD nun viel klarer einzuschätzen ist als noch vor einigen Monaten und große Überraschungen eher nicht zu erwarten sind.

Welche Konstellationen sind jetzt im Schweriner Landtag denkbar?
 
Denkbar sind eine große Koalition sowie ein weiteres Rot-Rot-Grünes Bündnis, wenn die Grünen die Fünf-Prozent-Hürde noch schaffen. Der demokratischen Kultur ist etwas Abwechslung zu wünschen.

Dr. phil. Matthias Quent ist Direktor des Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft - Thüringer Dokumentations- und Forschungsstelle gegen Menschenfeindlichkeit
 

 
 

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