SPD-Bundestagsfraktion

Seeheimer-Sprecher: Johannes Kahrs tritt von allen politischen Ämtern zurück

Kai Doering05. Mai 2020
Rückzug aus dem Bundestag nach 21 Jahren: Johannes Kahrs ist von allen politischen Ämtern zurückgetreten.
21 Jahre saß Johannes Kahrs für die SPD im Bundestag. Am Dienstag ist er von allen politischen Ämtern zurückgetreten. Als Grund nannte Kahrs, dass er nicht als Wehrbeauftragter berücksichtigt wurde.

Sein Profil im Kurznachrichtendienst Twitter ist schon gelöscht. Da, wo Johannes Kahrs jeden Morgen mehreren zehntausend Followern ein „Moin!“ mit auf den Weg gab und auch sonst eifrig das Tagesgeschehen kommentierte, ist nur noch eine weiße Seite mit dem Hinweis „Dieser Account existiert nicht“ zu finden. Am Dienstagnachmittag ist Kahrs, 56 Jahre alt, davon 21 als Hamburger Bundestagsabgeordneter, von seinem Mandat „und allen politischen Ämtern“ zurückgetreten.

Kahrs: „Hätte gern für das Amt des Wehrbeauftragten kandidiert“

Als Grund nannte er, dass die Bundestagsfraktion ihn nicht als Wehrbeauftragten vorgeschlagen hatte. Am Donnerstag soll der oder die Nachfolger*in von Hans-Peter Bartels im Parlament gewählt werden. Fraktionschef Rolf Mützenich hatte in der vergangenen Woche die Berliner Abgeordnete Eva Högl vorgeschlagen. Die Fraktion folgte dem Vorschlag am Dienstag einstimmig.

„Da mir die Bundeswehr sehr am Herzen liegt, als Oberst der Reserve, ehemaliges Mitglied im Verteidigungsausschuss oder als langjähriger Berichterstatter für das Verteidigungsministerium im Haushaltsausschuss, hätte ich gerne für das Amt des Wehrbeauftragten des Deutschen Bundestages kandidiert“, schrieb Johannes Kahrs in der Mitteilung seines Rücktritts. Für das Amt bewerbe man sich jedoch nicht, sondern man werde vorgeschlagen.

Die „Seeheimer“ verlieren einen ihrer Sprecher

Er wolle sich nun „außerhalb der Politik“ neue Aufgaben suchen. Was er damit konkret meint, ließ Kahrs zunächst offen. Die SPD-Bundestagsfraktion verliert mit Kahrs‘ Rücktritt nicht nur ihren haushaltspolitischen Sprecher, sondern auch einen profilierten Verteidigungspolitiker. Zudem war Kahrs viele Jahre lang einer von drei Sprecher*innen des einflussreichen „Seeheimer Kreises“.

Zudem ist Johannes Kahrs Vorsitzender des „Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold, Bund aktiver Demokraten“, das sich der politisch-historischen Bildungs- und Erinnerungsarbeit widmet, und Vorsitzender der Kurt-Schumacher-Gesellschaft. Inwieweit sein Rücktritt Einfluss auf seine ehrenamtlichen Tätigkeiten hat, ist nicht bekannt.

Die Hamburger SPD-Vorsitzende Melanie Leonhard würdigte Kahrs' Engagement für Hamburg und seinen Wahlkreis Mitte als „herausragend“, seinen Einsatz für die SPD als „beispielhaft“. Der Rücktritt bedeute „einen großen Einschnitt für Hamburg und die SPD“, schrieb Leonhard auf Twitter.

weiterführender Artikel

Kommentare

Kahrs Rücktritt

Nach allem, was der sich schon geleistet hat, hätte er schon vor Jahren zurücktreten müssen. Für den BT ist es ein Segen!

Bitte beachten Sie unsere Netiquette. Bei Verstößen löschen wir den Kommentar. Das gilt insbesondere für Beleidigungen, Verleumdungen, Falschaussagen und nicht belegte Behauptungen. Wir wollen konstruktive Beiträge, die zu einer anregenden Diskussion beitragen und die Meinung anderer respektieren.

Alles hat seine Zeit !

Es ist richtig an die langjährigen Verdienste von Johannes Kahrs zu erinnern.
Viele davon passten in eine Zeit, die bei Vielen noch nichts ahnen ließ was die Anforderungen an die jetzige menschgemachten Krisen- und Katastrophenszenarien anbelangt, die es der Sozialdemokratie spätetens jetzt zur schwierigen Aufgabe machen, die Begriffe Arbeit, Wohlstand, Heimat, Frieden und Solidarität mit neuen menschlichen, zukunftsfähigen und nachhaltigen Inhalten zu füllen. Deswegen wird der Begriff "Erneuerung" gerade von der Parteibasis, insbesondere von den noch verbliebenen und hinzugekommenen jungen GenossInnen sehr hoch gehängt! Deshalb wird die Frage, ob der Rücktritt von Johannes Kahrs auch ein Verdienst für seine/unsere Partei ist, auch davon abhängen, wer ihm in seinen Ämtern nachfolgen wird !!!

Rücktritt Kahrs

endlich!! Hat es den Genossen Kahrs auch "erwischt". Hab schon 1992 an den Vorstand geschrieben (Silke Dose), dass sein Verhalten mit Sozialdemokratie und Solidarität und Anstand nichts zu tun hat. Und es ging ja weiter 》 Freimut Duve, Niels Annen, Kurt Beck..
Bin sicher, er wird weich fallen: Springer, Rheinmetall, HH-Firmen etc. Hoffe nur, dass er sich nicht zu den Besserwissern gesellt und Talkshows bevölkert
Gruss W Röder, Genosse seit 1974

Kahrs ?

Tritt er auch aus der SPD aus ?

Unwürdige Vorgänge für alle Beteiligten

Johannes Kahrs hat sicher einen derben Stil gepflegt, der nicht immer angemessen war. Sein robuster Umgang mit der AfD im Parlament war aber positiv, und im Gegensatz zu vielen anderen konnte er seinen Wahlkreis regelmäßig direkt gewinnen. Fachliche Fähigkeiten lassen sich auch nicht bestreiten.

Das Schauspiel um das Amt des Wehebeauftragten ist kein Ruhmesblatt für die Partei. Zunächst stellt sich die Frage, warum Hans Peter Bartels gehen musste. Er hat, soweit erkennbar, keinen schlechten Job gemacht. Eva Högl ist keine Expertin, und startet mit einer schweren Bürde ins neue Amt. Was natürlich nicht bedeutet, dass sie einen schlechten Job machen wird.

Das Geschacher spielt sich vor dem Hintergrund einer schweren Wirtschaftskrise ab; Millionen im Land haben Angst um ihren Arbeitsplatz. Dies wird Politikverdrossenheit weiter beförden. Im politischen "Raumschiff" Berlin haben viele offensichtlich immer noch nicht den Ernst der Lage begriffen, und gefährden damit die Existenz der Partei. Das muss man so konstatieren.

Kahrs und Telefonbelästigung

An Kahrs bleibt auch noch die dubiose Telefonbelästigung gegenüber einer Juso-Frau hängen.
Varoufakis nannte er einen politischen Irrläufer. Dafür hatte er keine Probleme Spendengelder von Rheinmetall anzunehmen...
Immerhin hat er bei seinen Bundestagsreden seine Thesen wortgewaltig vorgetragen. Langweilig waren seine Reden nicht.
Traurig bin ich trotzdem nicht, dass er hingeschmissen hat.
Schade finde ich, dass Herr Bartels das Amt des Wehrbeauftragten nicht behalten durfte.
Nichtsdestotrotz wünsche ich Frau Högl einen guten Start!

Künftige Aufgaben

Ihr Beitrag wurde gelöscht, weil er gegen unsere Netiquette verstoßen hat. https://www.vorwaerts.de/seite/netiquette Unsere Internetseite ist eine Plattform für ernsthafte Diskussionen, deren Grundprinzipien Toleranz, Offenheit und Fairness sind. Wir wollen sachliche und konstruktive Beiträge. Die Redaktion

Eine Frau als Wehrbeauftragte

Das ist das Dilemma, wie in dieser Zeit, aufgrund des Emanzentums überall Frauen Einzug halten, egal, ob sie Ahnung von ihrer Zukunftsaufgabe haben, Erfahrung zeigen, oder nicht. Ich verwende sonst nicht das Wort Emanze und möchte das nicht als Schimpfwort sehen lassen. Ich sehe die Besetzung der Spitzenämter in der Justiz, sowohl bei Exekutive, als auch bei Judikative.
Das ist ein Dilemma, wenn Frauen nach Jahren der Kinderbetreuung zurückkehren, keine Praxis mehr haben, aber die Jahre mitzählen lassen für die Beförderung im Wettbewerb mit Männern, die diese Lücken nicht aufzuweisen haben. Bei Kampfabstimmungen obsiegen Frauen.
Ja - ich gab ein Gelöbnis auf diesen Staat ab und mußte erleben, daß die 68-er dann den Spruch brachten: "Soldaten sind Mörder!" . Hätte ich das 1963 geahnt, hätte ich den Schwur verweigert, wäre ggf. eingesperrt worden. Denn Wehrverweigerung gab es nicht, Fahnenflucht war strafbar, wie ich bei einem damaligen Kameraden erlebte und als Kompaniesprecher mit begleitet habe. Und Eva Högl kommt aus diesem Lager. Verteidigung, wie sie einst von Helmut Schmidt begriffen wurde, könnte ins Hintertreffen geraten. Das ist schlimm für Deutschland.

Klischees

Herr Dirksen, das sind eine Menge Klischees und Vorurteile, die sie da über Frauen (und Männer) verbreiten. Und wenn sie das Wort Emanzentum nicht als Schimpfwort verstanden wissen wollen, dann benutzen Sie es doch auch nicht. Zeiten ändern sich, Lagerdenken auch.

Klischees

Frau Högl wird ihre neue Aufgabe gut meistern. Ein frischer Blick auf eine Verteidigungsarmee, die in der Demokratie
fest verankert sein will, ist nötig. Frau Högl ist eine fachlich gestandene Person. Sie wird sich sehr schnell bestens einarbeiten. Und - sie kann vielleicht als Frau Dinge bewirken, die Fach-Männern eher 'undenkbar' erscheinen.

Rückzug von Johannes Kahrs

Ein unmögliches Verhalten vom Genossen Kahrs. Wo kämen wir denn hin, wenn jede/r zurücktritt, die/der den gewünschten Posten nicht erhält?