SPD-Mitglieder-Boom

Schulz-Effekt: SPD verzeichnet dreimal so viele Neueintritte wie üblich

Kai DoeringRobert Kiesel31. Januar 2017
Walter Welz hat jetzt auch ein Parteibuch. Mit 83 Jahren ist er noch Mitglied geworden.
Deutlicher Rückenwind für Martin Schulz und die SPD: Im Januar verzeichneten die Sozialdemokraten allein online 3000 Neueintritte, dreimal mehr als zu Jahresanfang üblich. Und auch in den Umfragen zur Bundestagswahl macht die SPD einen Riesensprung.

Es ist zurzeit nicht ganz einfach, über den Mitgliederansturm bei der SPD zu berichten: Die Zahlen ändern sich stündlich. Klar ist: Die Partei hat im Januar drei Mal so viele Mitglieder hinzugewonnen wie sonst in einem Monat üblich sind. Konnte die SPD in den vergangenen Jahren im Januar durchschnittlich etwa 1000 Neueintritte verzeichnen, sind es in diesem Jahr mehr als 3000, wie Generalsekretärin Katarina Barley mitteilte.

„Schulz-Effekt“ in allen Landesverbänden spürbar

Der Grund für den explosionsartigen Anstieg hat einen Namen: Martin Schulz. Seit vor einer Woche bekannt wurde, dass der frühere Präsident des Europaparlaments die SPD als Kanzlerkandidat und Parteivorsitzender in den kommenden Bundestagswahlkampf führen wird, haben 2500 Menschen ihren Aufnahmeantrag ausgefüllt – und das allein online auf spd.de.

Der „Schulz-Effekt“ ist auch in den Landesverbänden spürbar. Die SPD in Hessen konnte binnen drei Tagen 120 Neumitglieder begüßen. In Berlin waren es in einer Woche 285, in Baden-Württemberg 214. In Freiburg war der Ansturm so groß, dass zeitweise die roten Parteibücher ausgingen.

Ein Schwerpunkt der Eintritte soll in Nordrhein-Westfalen liegen. Auch würden viele ehemalige Mitglieder erneut eintreten. Viele der Neu-Genossen sollen unter 30 sein. In Sachsen-Anhalt stellte aber auch ein 84-Jähriger einen Aufnahmeantrag mit der Begründung: „Seit ihr den Schulz habt, werde ich mich jetzt engagieren.“ So schrieb es der sachsen-anhaltinische SPD-Vorsitzende Burkhard Lischka auf Twitter.

Offizielle Zahlen erst Ende Februar

Offiziell will die SPD die Mitgliederzahlen aus dem Januar erst Ende Februar veröffentlichen. In der Parteisatzung ist vorgesehen, dass Aufnahmewillige von den Gliederungen der Partei auch abgelehnt werden können, etwa wenn sie bereits Mitglieder einer anderen Partei sind. Hierfür gilt eine Frist von vier Wochen. Auch die Gesamtzahl der Mitglieder soll in den kommenden Wochen veröffentlicht werden. Im Sommer 2016 lag sie bei etwa 440.000.

Neben dem aktuellen Mitglieder-Boom sorgen auch die jüngsten Umfragewerte für die SPD mit Blick auf die Bundestagswahl für Zuversicht in den Reihen der Sozialdemokraten. Am Dienstag veröffentlichte die „Bild-Zeitung“ Zahlen des INSA-Meinungstrends, denen zufolge die SPD seit der Nominierung von Schulz – also innerhalb einer Woche – fünf Prozentpunkte auf die Union gutmachen konnte. Die Sozialdemokraten kämen demnach auf 26 Prozent der Stimmen. Die Union aus CDU/CSU liegt mit 32,5 Prozent zwar noch deutlich darüber, allerdings schmilzt der Vorsprung drastisch zusammen. Für die SPD dagegen ist es der beste Wert seit dem August 2014.

Umfragewerte sind „tolle Motivation“

Dementsprechend euphorisch sind die Reaktionen aus der Partei. „Das ist der Wahnsinn“ twitterte Vorstandssprecher Tobias Dünow und appellierte zugleich, jetzt bloß nicht „übermütig“ zu werden. Der konservative „Seeheimer Kreis“ vermeldete ebenfalls auf Twitter: „Nur eine Umfrage & Momentaufnahme, aber eine tolle Motivation & Ergebnis der überall spürbaren Begeisterung!“ Außerdem äußerten sich zahlreiche Abgeordnete der Partei:

Zuvor hatte bereits der ARD-„Deutschlandtrend“ der SPD unter ihrem designierten Kanzlerkandidaten und Parteivorsitzenden Martin Schulz ein deutliches Plus in der Wählergunst prognostiziert. Drei Tage nach Bekanntwerden seiner Kandidatur stand die Partei bei 23 Prozent und damit knapp drei Prozentpunkte über dem Wert von Anfang Januar. Bestätigt wird der deutliche Aufwärtstrend vom „Spiegel-Online“-Wahltrend, der ebenfalls am Dienstag veröffentlicht wurde. Auch dort legte die SPD innerhalb einer Woche um drei Prozentpunkte zu und läge aktuell bei 23,1 Prozent der Stimmen.

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Kommentare

Lasst Schulz auch mal ans Wahlprogrwmm ran!

Zwei Themen kann ich Herrn Schulz als Sofortmaßnahmen nur ans Herz legen, bei denen Gabriel, taktisch unklug und sachlich völlig unnötig, herumgeeiert ist (z.T. in falscher Kumpanei mit Seehofer?): die Ausländer-Maut der CSU und die Abschaffung des Soli)!
Herr Schulz, bringen Sie zusammen mit der SPD-Bundestagsfraktion endlich diese Maut zu Fall und verweisen Sie sie wieder dorthin, wo sie herkommt und auch wieder hingehört: an die bayerischen Stammtische!

Und bringen Sie am Beispiel des Soli wieder Glaubwürdigkeit in die Politik zurück: der Soli war eine temporäre Sonderabgabe!

"Wenn die Maut von der EU wird gestoppt,
tipp ich erfreut: die Unvernunft floppt."
"Wenn der Soli wird weiter verlängert,
tipp ich: Mittelschicht endlos geschwängert."
https://youtu.be/sBom50KrkBk

Und was die Wiederherstellung von sozialer Gerechtigkeit angeht, würde ich einen mehrstufigen 10-Jahresplan mit klaren Zielen empfehlen. Allerdings muß eines klar sein: anders als bei der Agenda 2010 müssen diesmal die Bedürftigen, d.h. u.a. die Arbeitslosen, die Unter- und Mittelschichtler, die Rentner, die Alleinerziehenden etc. profitieren zu Lasten der Super-Verdiener und Super-Reichen.
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Lasst Schulz auch mal ans Wahlprogramm ran!...2

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Und was die Wiederherstellung von sozialer Gerechtigkeit angeht, würde ich einen mehrstufigen 10-Jahresplan mit klaren Zielen empfehlen. Allerdings muß eines klar sein: anders als bei der Agenda 2010 müssen diesmal die Bedürftigen, d.h. u.a. die Arbeitslosen, die Unter- und Mittelschichtler, die Rentner, die Alleinerziehenden etc. profitieren zu Lasten der Super-Verdiener und Super-Reichen.
https://youtu.be/mQvThNJkKbA

Vgl. auch: https://www.freitag.de/autoren/sigismundruestig/die-ungleichheits-luege-...

Und noch etwas: erklären Sie für Deutschland den neoliberalen Irrweg für beendet! Z.B. müssen die Kommunen wieder die Hoheit über die Daseinsvorsorge (Wasserversorgung etc.) übernehmen.