Weimarer Verfassung

Auf dem Schlossberg

Jörg Hafkemeyer20. Oktober 2009

Einer, an dem im Sommer 1919 deutsche Verfassungsgeschichte geschrieben wurde. Nicht zum ersten Mal macht Friedrich Ebert mit seiner Familie im Schwarzburger Schlossberg-Hotel Urlaub, das hier 1909 errichtet wurde. Ebert ist seit gut einem halben Jahr Reichspräsident. Es ist ein ereignisreiches Jahr. Im Januar hatten die Wahlen zur Nationalversammlung stattgefunden. Am 31. Juli, zwei Tage nach Friedrich Eberts Ankunft, beschließt die Nationalversammlung im nahe gelegenen Weimar mit 262 Ja-, zu 75 Gegenstimmen die Verfassung. 84 Abgeordnete kommen erst gar nicht zur Abstimmung.

Am 11. August jenes Jahres macht sich eine Abordnung auf den Weg nach Schwarzburg. Bis heute weiß man nicht, wo genau im Ort das Dokument schließlich unterzeichnet wurde. Fest steht, Friedrich Ebert wollte keinen Festakt, keine Pauken und Trompeten. Nachdem er seine Unterschrift unter die Verfassung gesetzt hatte, gab es auch kein großes Essen, sondern nur Erdbeereis. Viel mehr ist über dieses Ereignis nicht bekannt. Eberts Nachlass wurde 1943 bei einem Bombenangriff vernichtet.

Und die Schwarzburger? Die waren zu jener Zeit sehr obrigkeitshörig und fanden die Anwesenheit des sozialdemokratischen Reichspräsidenten gar nicht toll. Das hat sich so viele Jahrzehnte später geändert. Die Spurensuche ist noch längst nicht abgeschlossen. So fanden sich beispielsweise vor einigen Jahren in einer Kammer Prospekte des Hotels Schlossberg aus dem Jahr 1939 zum 30jährigen Jubiläum. Wenige Wochen waren es noch bis zum Überfall auf Polen. Sechs Jahre waren die Nationalsozialisten an der Macht. Und natürlich kein Wort in dem Prospekt über die von den Nazis gehasste Weimarer Verfassung. Kein Wort über Friedrich Ebert. Der war 14 Jahre zuvor, am 28. Februar 1925 im Alter von 54 Jahren in Berlin gestorben.