Nachruf

Schäfer-Gümbel: Die gesamte SPD trauert um Manfred Schaub

Thorsten Schäfer-Gümbel22. Mai 2018
Die hessische SPD ist geschockt vom plötzlichen Tod ihres stellvertretenden Landesvorsitzenden Manfred Schaub. Mitten im Leben wurde der 60-jährige Nordhesse aus dem Leben gerissen. Weit über Hessen hinaus erwarb sich Manfred Schaub hohe Anerkennung und Wertschätzung.

Es gibt Augenblicke, in denen große Leere herrscht. So geht es mir jedenfalls seit dem Tod von Manfred Schaub. Mit mir trauert die hessische SPD und auch die gesamte Bundespartei. Unser aller Mitgefühl gilt zuerst seiner Ehefrau und seiner ganzen Familie. Uns alle hat diese traurige Nachricht fassungslos gemacht, weil wir alle Manni geschätzt haben für offene Gespräche, für seine ehrliche Art und für seine Leidenschaft und unbedingte Loyalität zur Sozialdemokratie.

Manfred Schaub genoss enorme Anerkennung

Aus allen Ecken des Landes und quer durch die Parteien erreichen uns und seine Frau Kondolenzen und Beileidsbekundungen. Das zeigt, welch enorme Anerkennung Manfred Schaub überall genossen hat. Unser stellvertretender Landesvorsitzender in Hessen ist mitten aus dem Leben gerissen worden.

Ich selbst verliere einen guten Freund, der mir immer mit Rat und Tat zur Seite stand. Er war seit der tiefen Krise der hessischen SPD im Jahr 2008 enger Begleiter, Berater und verlässlicher Unterstützer. Gerade in schweren Zeiten lernt man Menschen kennen und weiß, wem man bedingungslos vertrauen kann. Manni Schaub war mir ganz persönlich immer eine große Stütze. Die hessische SPD verneigt sich in tiefer Trauer vor einem Menschen, der sich in so vielfältiger Weise eingesetzt hat für seine SPD, seine Stadt für die Grundwerte unserer Sozialdemokratischen Partei. Wir werden Manfred Schaub sehr vermissen.

Bürgernah, bodenständig und veränderungsbereit

Manfred stand im besten Sinne für die traditionsreiche nordhessische SPD, für ihre Bürgernähe und Bodenständigkeit verbunden mit dem Mut zur Veränderung auf der Basis der Grundwerte der Sozialdemokratie. Als sehr beliebter Bürgermeister seiner Geburtsstadt Baunatal bewies er täglich ein bewundernswertes Gespür für die Sorgen und Nöte seiner Mitmenschen. Den Wünschen und Hoffnungen versuchte er im politischen Handeln gerecht zu werden. Innovationen – wie in Fragen der Energiewende – hat er beherzt vorangetrieben. Er hat für die Stadt Baunatal Großes bewegt und sich auch unschätzbare Verdienste um seine SPD – im Bezirk und im Land – erworben.

Neben der Politik gehörte seine Leidenschaft dem Sport, vor allem dem Fußball. Auf dem Platz und in der Politik stand er für Teamgeist und Fairplay. Als Inhaber einer A-Trainer-Lizenz wusste er, wie eine Mannschaft aufgestellt und eingestellt sein muss, um erfolgreich zu sein. Mit viel Freude übte er sein Ehrenamt als Erster Vizepräsident des Bundes deutscher Fußballlehrer aus. Sport und Politik, davon war er fest überzeugt, müssen handfest und mit der Perspektive der Praxis gemacht werden. Als sportpolitischer Sprecher des SPD-Bundesvorstands verband er persönliche und politische Leidenschaft. Viele Jahre gehörte er auch dem Bundesvorstand der SPD an.

Ausgleichend, analytisch, solidarisch

Die SPD verliert einen Politiker, der Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität in seiner Arbeit als Bürgermeister, als stellvertretender SPD-Landesvorsitzender und als Landtagsabgeordneter praktisch und unmittelbar übersetzt hat. Sein politisches Engagement ging weit über Stadt und Land hinaus: Als Bezirksvorsitzender war er auch verantwortlich für die Bundestagswahlkämpfe in seinem Bezirk Hessen-Nord, sein Einsatz hat viel zu den guten Ergebnissen beigetragen. Manfred war stolz darauf, dass sein Unterbezirk und sein Bezirk „rote Hochburgen“ waren und bis heute geblieben sind.

Wir werden seine ausgleichende Art, seinen analytischen Geist und seine gelebte Solidarität sehr vermissen.

Ein viel zu früher Tod

Manfred Schaub wurde gerade einmal 60 Jahre alt. Ich habe ihn noch kurz vor seinem Tod erlebt. Viele Genossinnen und Genossen erzählen mir dieser Tage Geschichten von ihren letzten Gesprächen mit Manfred. 

Mich hat der viel zu frühe Tod meines Freundes und Stellvertreters auch nachdenklich gemacht. Was für ein großes Privileg ist es, dass wir uns zu Lebzeiten für unsere Leidenschaften, für unsere Grundwerte, für unsere Mitmenschen einsetzen dürfen. Und was für ein Geschenk, dass wir es so viele Jahre an Manfreds Seite konnten. Wie schnell kann das auf einmal vorbei sein. Ich werde in meiner politischen Arbeit fortan immer wieder auch an Manni Schaub denken. Ich bin mir ziemlich sicher, dass dies das beste Andenken ist, dass wir als SPD ihm bewahren können: Wir leben seine Werte.

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Eine hervorragende sozialdemographische Biographie

Manfred Schaub war in Baunatal aufgewachsen, besuchte die Baunataler Theodor-Heuss-Schule. 1976 Abitur am Oberstufengymnasium Kassel-Oberzwehren. Ausbildung bei der Stadtverwaltung Baunatal. Nach dem Abitur war er als Pressesprecher und Amtsleiter in der Kommunalverwaltung der Stadt Baunatal bis 1991. 1991-1995: persönlicher Referent bei den hessischen Innenministern Dr. Herbert Günther und Gerhard Bökel in Wiesbaden. Von 1993 bis 2001 war Manfred Schaub Vorsitzender des SPD-Unterbezirk Kassel-Land. Von 1995 bis 2005 war Schaub Abgeordneter des Hessischen Landtags. Damit vertrat er den Südteil des Landkreises Kassel. 1999-2003: Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Landtagsfraktion. 2005 wurde er zum Bürgermeister der Stadt Baunatal gewählt. Schaub war stellvertretender Vorsitzender des Bundes Deutscher Fußball-Lehrer in Hessen. Seit 2003 Sportpolitischer Sprecher der Bundes-SPD. Seit 2001 war er Vorsitzender der SPD Bezirk Hessen - Nord mit mehr als 26.000 Mitgliedern. Seit 2007 war er Mitglied des SPD-Parteivorstandes. Von 2001 bis zu seinem Tod war er Bezirksvorsitzender des SPD-Bezirks Hessen-Nord. Die SPD hat ihm viel gegeben, er hat es um ein vielfaches zurückgegeben.