Krawalle in England

Saubermänner und Demagogen

Anton Maegerle12. August 2011

Medienwirksam hat der Anführer der fremdenfeindlichen English Defence League (EDL; Sitz: Luton) Stephen Lennon (28) verkündet, dass seit Tagen "Clean-Up Operations" seiner Organisation laufen
würden. Demnach patrouillieren EDL-Mitglieder in den Städten London, Manchester, Liverpool, Norwich und Birmingham. Mit körperlicher Präsenz in Form von Bürgerwehren will die EDL potenzielle
Unruhestifter auch in den Städten Bristol, Leeds, Wolverhampton, Salford, Nottingham, Leicester und Hull entmutigen.

Der gewalttätige Hooligan Lennon (alias "Tommy Robinson"), vormals Mitglied der British National Party, ist wegen Körperverletzung, Drogenbesitz und Ordnungswidrigkeiten verurteilt. Erst im
Juli wurde Lennon zu 150 Stunden gemeinnütziger Arbeit verdonnert, er hatte im August vor einem Jahr gewaltbereite Fans des Fußballclubs Luton Town angeführt, als diese sich mit Schlägern eines
anderen Clubs eine Prügelei lieferten. Im Jahr 2010 nahm Lennon an einer BNP-Veranstaltung in Luton teil. Organisator des Meetings war der Holocaust-Leugner Richard Edmonds, ein enger Freund des
ehemaligen Rechtsterroristen Manfred Roeder.

Anti-muslimische Parolen und Hitlergruß

Gegründet wurde die EDL im März 2009. Feindbild der rassistischen Truppe, eines Zusammenschlusses gewaltbereiter Hooligans und versprengter Rechtsextremisten, ist der Islam. Bei
Anti-Islam-Demonstrationen der EDL marschieren immer wieder Gleichgesinnte anderer rechtsextremer Gruppierungen und Vereinigungen, unter anderem aus den Reihen der BNP, "Blood&Honour" sowie
"Combat 18", auf. Der bislang teilnehmerstärkste EDL-Aufmarsch fand am 5. Februar dieses Jahres in Luton, 50 Kilometer nordwestlich von London gelegen, statt. Mehrere tausend Rechtsextremisten
brüllten anti-muslimische Parolen. Vielfach wurde der Hitlergruß gezeigt.

Im August 2010 gab es eine EDL-Demonstration in Bradford. Die Stadt hat verfügt über eine der größten pakistanischen Gemeinden Englands. Anhänger der EDL brüllten bei der Kundgebung im
Stadtzentrum Parolen wie "Gebt uns unser Land zurück", auf Schildern standen Sprüche wie "Nein zur Scharia" oder "Keine Moscheen mehr".

Kontakte pflegt EDL auch in die Bundesrepublik Deutschland. So nahmen an einer Demonstration unter dem Motto " Meinungsfreiheit ist ein Grundrecht - wir zeigen Solidarität mit Geert
Wilders" vor der niederländischen Botschaft am 17. April 2010 in Berlin auch EDL-Mitglieder aus Portsmouth teil. Organisatoren der Demonstration waren die "Bürgerbewegung Pax Europa" und der
Berliner Gruppe des Muslim-feindlichen Internetblogs Politically Incorrect (PI). Als Redner traten unter anderem PI-Gründer Stefan Herre und der damalige CDU-Politiker Marc Doll, heute
stellvertretender Parteivorsitzender der rechtspopulistischen "Freiheit", in Erscheinung.

Boote mit afrikanischen Flüchtlingen versenken

Martialisch gebärdete sich in dieser Woche der BNP-Parteivorsitzende und Europaabgeordnete Nick Griffin (52). Griffin forderte lauthals den Einsatz der Armee und der in England verpönten
Wasserwerfer gegen die Krawallmacher. Seine Parteimitglieder rief er auf, sich an die Spitze des Widerstandes zu setzen und "unsere Straßen zu verteidigen". "Werdet politisch aktiv und schließt
euch dem britischen Widerstand an", appellierte Griffin.

Die 1982 gegründete rechtsextreme BNP pflegt traditionelle Kontakte zur NPD. "Moslems in unserer Mitte" bezeichnete Griffin 2002 in einem Interview mit der NPD-Parteizeitung "Deutsche
Stimme" als "Feinde". Im Sommer 2009 sorgte Griffin für europaweite Schlagzeilen, als er sich für das Versenken von Booten mit afrikanischen Flüchtlingen aussprach. Nur drastische Maßnahmen
könnten Europa davor bewahren, "von der Dritten Welt überschwemmt" zu werden, so Griffin.

Vereint marschierten Anhänger von BNP und EDL am 9. August bei rechtsextremen Protesten im Londoner Stadtteil Enfield auf. Etwa 100 vorwiegend junge Rechtsextremisten zogen durch die
Straßen des Stadtteils und skandierten lautstark "England, England". Vor Ort war auch der Londoner BNP-Spitzenpolitiker Steve Squire. Der Geschäftsmann gilt als enger Gefolgsmann von Griffin.
Squire ist bekannt für seinen Stolz auf die politische Familientradition. So gehörte sein Großvater Mosley's British Union of Fascits (BUF) an. Sqires Vater war in den 70er Jahren wegen Verstoßes
gegen Rassendiskriminierung (Race Relations Act) inhaftiert.

Der Artikel erscheint mit freundlicher Genehmigung des "
Blick nach Rechts".

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