Landtagswahl

Sachsen-Anhalt: Ein SPD-Kandidat hat den besten Senf für den Landtag

Jonas Jordan21. Mai 2021
Die dreiköpfige Jury von „Sachsen-Anhalt sucht den Super-Senf“ beurteilt Michael Seidels sozialdemokratischen Senf.
Die dreiköpfige Jury von „Sachsen-Anhalt sucht den Super-Senf“ beurteilt Michael Seidels sozialdemokratischen Senf.
Am 6. Juni wählt Sachsen-Anhalt einen neuen Landtag. Dort will SPD-Kandidat Michael Seidel rein. Seinen Senf zur Landespolitik dazugeben, denn er ist Sieger von „Sachsen-Anhalt sucht den Super-Senf“.

Michael Seidel isst gerne Senf, am liebsten mit Rostbratwurst. Warum das für die SPD in Sachsen-Anhalt relevant ist, hat ein bisschen mit Corona zu tun, vor allem aber mit kreativen Ideen im Landtagswahlkampf. Seidel ist 55 Jahre alt, wohnt in Trebitz, einem Ortsteil der gut 8.000 Einwohner*innen zählenden Stadt Bad Schmiedeberg, und ist Instandhaltungsmechaniker, wie die etwas ungewöhnliche Vorstellung des Kandidaten per Kreuzworträtsel auf seiner Homepage verrät.

Es ist nicht das einzige ungewöhnliche Format, auf das Seidel im Landtagswahlkampf setzt. In der Youtube-Reihe „Eine Reise durch die Heimat“ stellt Seidel auf dem Motorrad seinen Wahlkreis vor, inklusive professioneller Aufnahmen über Kultur, Historie und Architektur der Region. Doch für größere überregionale Aufmerksamkeit sorgt nun ein Video, das sich Deutschlands wohl bekannteste Casting-Show zum Vorbild genommen hat. In „Sachsen-Anhalt sucht den Super-Senf“ setzt sich Seidel mit seinen politischen Rezepten souverän gegenüber der politischen Konkurrenz durch, wie eine dreiköpfige Jury anschließend anerkennt.

Mehr als 20.000 Menschen erreicht

Das knapp fünfminütige Video hat alleine via Facebook schon mehr als 20.000 Menschen erreicht, berichtet Seidel im Gespräch mit dem „vorwärts“. Die Story dahinter ist schnell erzählt: Nacheinander stellen drei Kandidaten sich und ihren Senf einer dreiköpfigen Jury vor, in der unter anderem auch der SPD-Bundestagskandidat Leonard Schneider sitzt. Zunächst tritt „Hans Merker“ auf, 63 Jahre alt, der einen CDU-Kandidaten darstellt. Er sagt zwar, dass sein Senf für absolute Qualität stehe. Doch die Jury ist nicht überzeugt. „Grundsätzlich ist dein Senf richtig, allerdings ist er leider schon etwas in die Jahre gekommen, ohne große Zukunftsvisionen. Irgendwie ist das zu wenig“, kritisiert Schneider.

Es folgt ein offensichtlicher AfD-Bewerber: „Thor Sten“ mit seinem alternativen Senf, der den Juror*innen aber überhaupt nicht schmeckt. Er wird sofort herausgeworfen. Zeit für den dritten Kandidaten: Michael Seidel mit sozialem Senf aus Meisterhand. „Meine Gewürzmischung besteht größtenteils aus viel Bildung und Ehrenamt, angereichert mit wachsenden Wirtschaftsbestandteilen, mehrere Prisen Umweltschutz, Tourismus und Kommunenstärkungskörnern“, führt der Sozialdemokrat aus. Die Jury ist begeistert, der Sieg bei „Sachsen-Anhalt sucht den Super-Senf“ gesichert.

Inspiriert durch Schweriner Honig

„Wir haben im Wahlkampfteam überlegt, was wir Ungewöhnliches machen können“, berichtet Seidel im Gespräch mit dem „vorwärts“. Nachdem es für ihn nur zu Platz 29 auf der SPD-Landesliste reichte, wollte er durch kreative Aktionen stärker auf sich aufmerksam machen. Zur Idee mit dem Senf habe ihn letztlich der Schweriner SPD-Oberbürgermeister Rico Badenschier inspiriert. Dieser verteilte 2016 im Wahlkampf Honiggläschen an die Wähler*innen, um ihnen „ein bisschen Honig um den Bart“ zu schmieren. Das kam an. Badenschier wurde in der Stichwahl gegen die Amtsinhaberin mit fast 60 Prozent der Stimmen zum Oberbürgermeister gewählt.

Seinen Senf direkt an die Bürger*innen zu verteilen ist für Michael Seidel allerdings wegen der Einschränkungen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie momentan schwierig. Daher entstand die Idee für die Casting-Show. Fünf Stunden lang drehten der SPD-Landtagskandidat und sein Team, bis alles im Kasten war. Was nun noch fehlt: Ausreichend Stimmen der Wähler*innen, damit Seidel künftig im Landtag von Sachsen-Anhalt seinen Senf dazu geben kann. 

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Kommentare

mal ehrlich,

muss da so niveaulos agiert werden, man gewinnt den Eindruck, die SPD habe sich in SA schon selbst aus dem Rennen genommen. Einer agiert mit Hund, nun diese Senfsache. Politische Substanz ist wohl gar nicht mehr gefragt