EU-Preis für Menschenrechte

Sacharow-Preis für Regisseur Oleg Senzow

Johanna Schmeller25. Oktober 2018
Der diesjährige Sacharow-Preis des EU-Parlaments geht an den ukrainischen Filmemacher Oleg Senzow, der sich derzeit in russischer Haft im Hungerstreik befindet. Auch die Seenotretter vor der europäischen Küste waren nominiert.

Das Europaparlament hat am heutigen Donnerstag über die Vergabe des diesjährigen Sacharow-Preises für Menschenrechte entschieden: Der mit 50.000 Euro dotierte Preis geht an den 42-jährigen ukrainischen Filmemacher Oleg Senzow, der derzeit in Russland in Haft sitzt und nach inzwischen mehr als 100 Tagen im Hungerstreik 30 Kilogramm Gewicht verloren haben soll. Wegen Terrorismusverdachts war er 2015 zu einer Haftstrafe von 20 Jahren verurteilt worden.

Nominierungen für politischen Aktivisten und für die Seenotrettung

Neben Senzow war von den Ausschüssen für Außenpolitik und Entwicklung auch der marokkanische Menschenrechtsaktivist Nasser Zefzafi nominiert worden, sowie Hilfsorganisationen, die vor der europäischen Küstenlinie in Seenot geratene Flüchtlinge retten.

Auch Zefzafi ist derzeit inhaftiert: Als einer der Protestführer gegen die marokkanische Regierung in den Jahren 2016 und 2017 ist auch er zu 20 Jahren Haft verurteilt worden.

Die Seenotretter wurden in ihrer Arbeit vielfach angefeindet und blockiert.

Preisträger im Hungestreik

Oleg Senzow wird derzeit nach Agenturangaben nur mit Nährlösungen am Leben gehalten. Politische Appelle, die den russischen Staatspräsidenten Wladimir Putin erreichten, wehrte der bislang ab mit der Begründung, dass der Regisseur nicht wegen seiner Filme in Haft sei. 2012 hatte Senzow einen russischen Filmpreis für seinen Science Fiction „Gamer“ (dt. „Spieler“) bekommen.

Verdienste um Menschenrechte und Demokratie

Mit dem Sacharow-Preis werden seit 1988 jährlich Persönlichkeiten geehrt, die sich in besonderer Weise für Menschenrechte einsetzen. Unter den Nominierten waren in der Vergangenheit einige spätere Nobelpreisträger. Die Entscheidung trifft der Präsidenten des EU-Parlaments, Antonio Tajani, gemeinsam mit den Chefs der acht Fraktionen des EU-Parlaments.

Der Preis ist benannt nach dem russischen Dissidenten und Physiker Andrej Sacharow.

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Kommentare

Neue Ansätze auf Augenhöhe - nicht warten !

In diesem Zusammenhang sei nochmal an den Artikel über die Haltung unseres Fraktionsvize Mützenich bezüglich der Einflussnahme auf Russland erinnert!
Die Preisverleihung an den gesundheitlich schwerst abgeschlagenen inhaftierten Filmregisseur Senzow hält seine Person u. sein Anliegen im Licht der Weltöffentlichkeit. Doch das ist angesichts seiner Lage nicht genug.
Es ist Zeit die Gespräche mit Putin auf Augenhöhe zu führen und sei es im Wohnzimmer oder beim Angeln. Das zementieren am Feindbild Putin bzw. Rußland hilft nicht weiter. Es braucht Klartext von allen Seiten ebenso wie gegenseitige Reflektion der Anliegen. Momentan haben wir einen diplomatischen Scherbenhaufen. Hier braucht es dringend "neue" diplomatische Ansätze auch im Sinne der Anliegen und der Gesundheit und der Freiheit von Oleg Senzow.

https://www.vorwaerts.de/artikel/spd-fraktionsvize-blockaden-russland-po...

Gespräche mit Putin auf Augenhöhe ?

Soll Ihr Beitrag bedeuten, dass die Despoten Putin und Erdogan hofiert und im "Wohnzimmer oder beim Angeln", im Stillen und nichtöffentlich um Gnade für unschuldig im Gefängnis eingesperrte Menschen angefleht werden sollen? Sind das die "neuen diplomatischen Ansätze" von denen Sie schwärmen? Putin, Erdogan und anderen würden Ihre Vorschläge ganz sicher gefallen.

Nein !!

Bei Gesprächen auf Augenhöhe wird weder jemand angefleht noch erpresst, da sagt man sich die Meinung und hört dem Gegenüber zu. Wenn es gut läuft ergeben sich für alle Seiten neue Perspektiven.
Es gibt auch wissenschaftliche Beratung wie solche Gespräche zum Erfolg führen können.
Manchmal hilft es diese in Anspruch zu nehmen !

Sacharow-Preis für Regisseur Oleg Senzow

Eine gute Entscheidung für einen würdigen Preisträger. Er darf nicht vergessen werden und wir dürfen nicht ruhen bis er frei gelassen ist.

Nadja Sawtschenkow

Herzlichen Glückwunsch zu diesem Preis. Es bleibt Herrn Senzov nur zu wünschen, dass er nicht dereinst, wie die ehemalige ukrainische Volksheldin Sawtschenkow Nadja in die Ukraine entlassen wird, dort in Ungnade fällt und im Gefängnis landet.
Denn dann ist die Chance auf die Aufmerksamkeit der EU-Menschenrechteverteidiger, geschweige denn auf honorige Preisverleihungen doch arg begrenzt.