Globaler Kampf gegen die Pandemie

Russland gegen Corona: Frühe Maßnahmen, gelassene Rethorik

Peer Teschendorf18. März 2020
In Russland wurden früh Maßnahmen gegen das Corona-Virus ergriffen.
In Russland wurden früh Maßnahmen gegen das Corona-Virus ergriffen.
Wie hart trifft das Virus andere Länder, welche Maßnahmen ergreifen andere Regierungen? Auf der ganzen Welt wird das Virus bekämpft, teilweise mit unterschiedlichen Maßnahmen. Heute im Blick: Russland.

Russland mit seinen 145 Millionen Einwohnern, 15 Nachbarländern und 4250 Kilometern Grenze zu China meldet am Montag 93 Infizierte. Die niedrige Zahl erklären die zuständigen Institutionen mit den schnell durchgeführten Beschränkungen, so etwa die zeitig erfolgte Grenzschließung nach China und in andere Regionen. Mittlerweile gibt es Flugverbindungen nur noch von Moskau in die Hauptstädte europäischer Länder. Bürgerinnen und Bürger besonders betroffener Staaten erhalten keine Visa mehr.

Wer aus betroffenen Ländern einreist, soll nach der Ankunft in Russland 14 Tage in Selbstquarantäne gehen. Für die Einhaltung der Selbstquarantäne gibt es zumindest in Moskau ein System von über 100 000 Kameras mit Gesichtserkennung, die eine recht umfassende Überwachung ermöglichen. Getestet wurden mittlerweile über 104 000 Personen, unter Überwachung stehen derzeit über 15 000 Personen.

Widersprüchliche Signale der Regierung

Die Signale, die die Regierung anfangs setzte, waren etwas widersprüchlich. Einerseits wurden früh Maßnahmen trotz geringer Fallzahlen ergriffen, anderseits stets betont, alles sei nicht so dramatisch. Die Maßnahmen wirkten daher anfangs wenig stringent. Zwar wurden viele Menschen getestet, aber es gibt gleichzeitig viele Berichte über Menschen mit Symptomen, die keinen Test machen konnten, da sie nicht aus Risikogebieten eingereist waren.

Insgesamt ist die Stimmung in Russland nahezu gelassen, es kam bisher beispielsweise kaum zu Hamsterkäufen. Andererseits führt diese Entspanntheit auch zu geringer Vorsicht. Da es in Russland einige Erfahrungen mit fehlender Transparenz gibt (angefangen von Tschernobyl über die Tragödie der Geiselnahme im Theater Nord-Ost, den Untergang des U-Bootes Kursk und zuletzt Strahlenunfälle), herrscht eine gewisse Skepsis gegenüber den öffentlich bekannten Fallzahlen. Dies schafft teilweise Raum für Spekulationen und könnte sich negativ auswirken, sollte es zu einem größeren Ausbruch kommen.

Ob das russische Gesundheitssystem einer wirklichen Epidemie gewachsen ist, bleibt eine offene Frage. Zwar ist die Grundstruktur einer flächendeckenden und für Epidemien bestens vorbereiteten Versorgung noch aus sowjetischen Zeiten erhalten. Aufgrund der chronischen finanziellen Unterversorgung fehlt es aber sowohl an Material als auch an Fachkräften.

Pandemie für Russland zur Unzeit

Wirtschaftlich kommt die Pandemie zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt. Russland befindet sich im Preiskampf mit Saudi-Arabien beim wichtigsten Exportgut Öl. Das Wirtschaftswachstum stagniert seit Jahren, die real verfügbaren Einkommen sind sechs Jahre in Folge gefallen. Die Corona-Krise trifft Russland mehrfach. Die nachlassende Weltnachfrage nach Öl wirkt sich auf den Staatshaushalt und auf den Währungskurs aus. Damit verteuert sich der Import, die Inflation wird steigen und die Einkommen weiter schmälern. Gleichzeitig sinken die Möglichkeiten eines Gegensteuerns. Zwar hat Russland einen gut gefüllten Fonds für solche Situationen, aber auch dieser ist endlich. Zugleich bricht der chinesische Tourismus weg, der einen beträchtlichen Umfang erreicht hat. China fällt nun wohl auch als Investor für eine gewisse Zeit aus. Darauf hatte Russland nach dem Konflikt mit den westlichen Nachbarn und den USA eigentlich gesetzt. Dies wirft die ohnehin nur schleppend laufende Modernisierung der Wirtschaft weiter nach hinten.

Der Staat versteht die Problematik. Eine falsche Entscheidung kann sich erheblich auf die Stabilität im Lande auswirken, ein gutes Krisenmanagement allerdings auch die Proteststimmung der letzten Monate abmildern. Daher wurde nun ein zentrales Gremium im Staatsrat geschaffen, das die Anstrengungen national koordinieren soll. Gleich am Montag wurden die Maßnahmen verschärft, die Schulen werden ab dem 23. März geschlossen, Veranstaltungen mit mehr als 50 Personen verboten und die Älteren explizit aufgerufen, zu Hause zu bleiben. Mit der bisherigen Ruhe scheint es also langsam zu Ende zu gehen. Die Krise wird sich auf Russland stark auswirken. Ob das auch für die Regierung und den Präsidenten gilt, hängt vom Krisenmanagement ab.

Dieser Artikel erschien zuerst im IPG-Journal am 16. März, die Situation kann sich inzwischen verändert haben.

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Kommentare

Es ist befremdlich, dass

Es ist befremdlich, dass bezügl. der Corna-Krise über ausländische Staaten berichtet wird anstatt mal das stümerhafte Vorgehen der deutschen Regierung zu hinterfragen. Die Iran-Air konnte bis Montag noch ungehindert Passagiere aus einem Hochrisikoland nach Frankfurt bringen.

Auch wäre es in dieser Situation angebracht, mal unser kaputt gespartes und kommerzialisiertes Gesundheitssystem zu beleuchten. Dazu kommt noch die schon lange vor der Corona-Krise sich abzeichnende Finanzblase und die beginnende Rezession. Die Regierenden hier im Lande können sich hinter Corona nicht verstecken.

Strukturen aus sowjetischen Zeiten

"Zwar ist die Grundstruktur einer flächendeckenden und für Epidemien bestens vorbereiteten Versorgung noch aus sowjetischen Zeiten erhalten", schreibt Peer Teschendorf.

Welche Konsequenzen werden wir aus diesem Befund ziehen? Und welche aus dem Umstand, dass die Zahl der Infizierten pro Kopf der Bevölkerung in Deutschland heute wohl das doppelte des chinesischen Niveaus überschreiten wird.

Die in unserer Selbstwahrnehmung starke Wirtschaft der Bundesrepublik Deutschland ist definitiv nicht mehr in der Lage, die Grundversorgung der Bevölkerung ohne Zugriff auf Billigarbeitskräfte und Sklaven aufrechtzuerhalten. Nicht mal Rhabarber oder Spargel kann geerntet, kaum ein Stück Bekleidung mehr produziert werden ohne den imperialen Zugriff auf den Rest der Welt.

Hilfe in der Coronakrise , für außereuropäische, ärmere Länder, aber auch für Italien, kommt weder aus Deutschland noch aus Europa, sondern aus China oder Kuba. Aus Ländern mit einem Bruchteil "unseres" Pro-Kopf-Einkommens.

In Deutschland sorgt man sich eher um die Automobil- und Reiseindustrien. Also um diejenigen, welche im Begriff sind, die menschliche Zivilisation zu zerstören.

So sieht es aus. In dem ach

So sieht es aus. In dem ach so reichen Deutschland müssen sich Arztpraxen mit Schutzkleidung aus dem Fleischereigroßhandel versorgen. Da wäre besser als nichts wurde mir gesagt.

Auch scheinen nicht alle mit den jetzigen Maßnahmen einverstanden zu sein. In einem Börsenforum (denen geht der A.. auf Grundeis) wurde gestern über die schädigenden Maßnahmen in Bezug auf die Wirtschaft gesprochen, die vorallen Dingen zum Schutze der Alten, Kranken u. Behinderten getroffen worden wären. Jenes wäre aus dem Grunde widrig, da den jüngeren Menschen die Zukunft verbaut würde. Besagte Personengruppe wurde als Nutzlose dargestellt, die nur noch fressen, Pillen schlücken und kacken. Wo sind wir gelandet? Das öffentliche Fernsehen mit den Umweltsäuen und die Anspielungen auf die s.g. alten weißen Männer, auch seitens einiger pol. Parteien und auch von FFF, seinen nicht fruchlos verhallt zu sein.

Meinungsbildung bleibt schwierig

Es ist sehr schwierig sich einje Meinung über diie Lage in diesem immer noch Riesenreich zu bilden, gerade unter den Umständen dass dort auch in Friedenszeiten Propaganda instrumente (ähnlich der der westlichen Werbeindustrie ) genutzt werden um sich im Zwischenstaatlichen meist machogeführten Ränkespiel zu behaupten !
Dennoch ist es sicher von Bedeutung, wenn es gelingt zweifellose Fakten aus dem Riesenreich an die Öffentlichkeit zu bringen !
Bei uns würde es mich interessieren ob es stimmt, dass der Virologe Lars Schaade des Robert-Koch-Institutes mitverantwortlich für die derzeitige gelebte Sorglosigkeit eines großen Teiles der deutsche Bevölkerung ist (mit seinen voreilig geäusserten Worten: "Kein Grund zur übermässigen Sorge" und welche Rolle ein Komödiant namens Dieter Nuhr in der Öffentlichkeit spilelt, der bisher schon Menschen mit bewiesenermassen berechtigter Sorge vor dem Klimakollaps klamaukartig verhöhnte und aktl dadurch Schlagzeilen macht, dass er mit seinem Jetzt-erst-Recht- Auftritt unter Verwendu. statistischer Zahlen die Corona-Ansteckungsgefahr betont herunterspielt. Damit würde er nicht nur die verantwortungsvollen Bürger verhöhnen, sond. a. d. Mediziner !